
Die Idee seit dem Mittelalter zur Weiberfastnacht: den Frauen für einen Tag das Regiment überlassen. Männer hatten damals eine „Geschlechtsvormundschaft“ über die Frauen. Nur an einem Tag im Jahr sollte dies anders sein. Verkehrte Welt also. Im tanzaffinen Hemsbach übernahm Frau vergangene Woche Donnerstag ab 19.11 Uhr das Regiment in der Halle des TV Hemsbach. Männer waren hier nur in Frauenkleidung erlaubt. Türsteher, Arzt und der 2. Vorsitzende des Vereins, Jens Wiltz, achteten genau darauf.
Den 10er- oder 20er-Verzehrgutschein direkt an der Kasse erwerben, einen begehrten Sitzplatz schnappen und dann los! Das war das Motto der feierwilligen „Weiber“. Schon nach einer Stunde war die Tanzfläche proppenvoll. „Gute Laune“-Hits, 80er-Schlager und Dauerbrenner ließen die bewegungshungrigen Damen hüpfen und sich im Takt wiegen. Dafür, dass sie zwischendurch Atem holten, sorgte ein Rahmenprogramm. Das eröffneten die Stepperinnen Lena Geiper, Elena Heckmann, Pia Schuß, Laura Leib, Hannah Ritter und Lotte Basler. Die Abgesandten der Penguin Stepper legten eine flotte Sohle aufs Parkett, oder besser: auf den extra gelegten Steppboden. Die Show kam so gut an, dass die Tänzerinnen direkt noch eine a-Cappella-Steppeinlage klicken und klackern mussten.
Fast nackte Tatsachen lieferte später die orientalische Tanzgruppe Banat al Farah um Trainerin Assada aka Marion Enzenauer. Angelehnt an Werbeclips der 80er hatten Enzenauer und ihre wilden Sekretärinnen zwei Tänze entwickelt. Zwei männliche Statisten durften dabei sexy aus einer Dose trinken oder als leichtbekleideter Fensterputzer agieren. Der „Kreischfaktor“ im Publikum ging da natürlich steil nach oben. Die anschließende orientalische Tanzeinlage wurde genauso bejubelt.
Immer wieder waren die närrischen Frauen selbst gefordert und es wurde getanzt bis zum ersten Schweißausbruch oder – am späteren Abend – bis zur Erschöpfung. Allein die Hoffnung auf das Männerballett schien die eine oder andere aufrecht zu halten. Aber DJ-Warnweste wusste genau, wie man Frauen munter hält. Und so stand der nächste Hit schon in der Pipeline, ehe die Live-Musik ihn ablöste. „The Energy“ oder laut Moderator Fritz Fröhlich „die beste Band seit Nirvana“, spielte erstmals in der TV-Halle. In pinkfarbenen „Hella von Sinnen“-Overalls und blonden Perücken begleiteten vier Musiker ihre Sängerin. Von ABBA über Backstreet Boys, The Clash bis Wheatus – die Stimmungskanone zündete und sprang auf das Publikum über. Es wurde getanzt „bis die Ärzte“ kamen, und ohne Zugabe konnten die Damen und Herren nicht von der Bühne.
Der Abend zeigte beim Blick in die Reihen ein kreatives Publikum mit auffällig vielen Gruppenverkleidungen. So waren die Okto-Tussies, die Space-Girls, die Maccaroni & Cheese-Gruppe und Schneefrauen ebenso zu bestaunen wie die Women in Black oder die Glühwürmchen in ihren liebevoll gebastelten Kostümen. Barbara, die Baumeisterin, und ihre Freundinnen sind schon seit 30 Jahren beim Weiberfasching. Es habe ein Generationenwechsel stattgefunden, sagten sie. „Früher war mehr Tradition und Schunkeln, heute mehr Party“, so ihr Eindruck. Aber alle am Tisch waren sehr zufrieden mit dem Abend. Und bekamen später nicht nur eine richtig lange Polonaise, sondern auch noch gemeinschaftlichen Formationstanz, an dem die komplette Fastnachtsgesellschaft auf der gesamten Tanzfläche teilnahm, inklusive Fliegenpilz, Leopardenweibchen, Hippie-Bräute, Zitronenbäumchen und Sportlerinnen.
Das absolute Highlight aber war natürlich das Männerballett. Letztes Jahr noch als Nonnen auf der Fläche, brachten die Jungs dieses Jahr „Top Gun“ live auf das Parkett. In braunen Pilotenoveralls und mit Tom-Cruise-Sonnenbrillen auf der Nase marschierten die Jungs ein. In ausgefeilten Formationen flogen, schwebten und tanzten sich die Handballer in die Herzen der „Weiber“. Eine Hebefigur und ein Kuss von Mann zu Mann trieb die Stimmung weiter nach oben, gekrönt nur davon, dass die Männer als Hemsbacher Chippendales dann auch noch viel Haut zeigten.
So viel Programm geht natürlich nicht ohne Unterstützung. Das wusste auch der 2. Vorsitzende des TV. „Sehr viel Hilfe gibt es immer aus der Tanzabteilung und von den Handballern“, lobte Wiltz daher die helfenden Hände, die sich für den Abend direkt vor Ort oder auch im Hintergrund verantwortlich zeichneten. (kis/red)