
Mit dem „Golden Deer“ hat sich Jürgen Bender einen Traum verwirklicht. Nach langer Planung fand am 02.10.2025 die offizielle Einweihung statt. Das hat auch bei der Weinbruderschaft das Interesse geweckt. Schließlich erhält dadurch die örtliche Weinkultur eine weitere Aufwertung. Also haben wir im Rahmen der Jahresplanung den 20.02.2026 für unseren Besuch festgelegt. Der Zuspruch bei den Mitgliedern war groß. So musste Jürgen Bender weitere Sitzgelegenheiten schaffen, damit alle einen Platz bekommen konnten.
Begeistert waren wir vom Gesamtkonzept. Zum einen gibt es die Probierstube, geschmackvoll mit hochwertigen Materialien ausgestattet. Zum anderen ist im gleichen Raum eine sogenannte Verschlussbrennerei der Firma Müller aus Oberkirch aufgebaut. Diese Art Anlagen sind verplombt, dadurch wird der gesamte Brennprozess durch geeichte Messuhren überwacht und unterliegt keinen Mengenbeschränkungen. Im Gegensatz dazu steht eine Abfindungsbrennerei nicht unter zollamtlichem Verschluss. Daher muss der Brennvorgang angemeldet werden. Das ist in der Regel bei einem landwirtschaftlichen Kleinbetrieb in Deutschland der Fall. Allerdings gibt es hier eine jährliche Mengenbegrenzung. Dieser Unterschied ist deshalb für das Konzept von Jürgen Bender elementar, weil dadurch z. B. parallel zu einer Weinprobe ein Schaubrennen stattfinden kann, das vorher nicht mit dem Zoll abgesprochen werden muss. Eine wesentliche Rolle spielten bei der Anschaffung auch Qualitätsaspekte.
Jürgen Bender kann auf eine jahrzehntelange Brennerfahrung mit Whisky zurückblicken. Nicht nur das, er ist auch Master Distiller. Diese haben heute meist auch einen akademischen Abschluss (z. B. Chemie, Biologie, Lebensmittelwissenschaften etc.). Im Falle von Jürgen Bender sind es die Agrarwissenschaften und das Zusatzstudium Umweltschutz.
Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden, gab Jürgen Bender einen Überblick über das Unternehmen und der Betriebsphilosophie. Es handelt sich um einen klassischen Familienbetrieb. Seine Frau und Sohn Sven sind ebenfalls eingebunden. Mit Sohn Sven steht die vierte Generation in den Startlöchern. Die Produkte reichen über Wein, Sekt, Whisky, Gin bis hin zu Likören. Mit einem Gin erzielte Jürgen Bender in einem bundesweiten Wettbewerb den ersten Preis. Dazu herzlichen Glückwunsch. Während der Weinprobe wurde immer mal wieder zur Brennereianlage umgeschwenkt, sobald eine neue Stufe erreicht wurde. Wer Lust hatte, konnte auch einen Finger mit dem Vorlauf benetzen und daran vorsichtig kosten. Hergestellt werden ausschließlich Single-Malt-Whiskys, die nur aus Gerstenmalz bestehen.
Bei den Weinen besteht derzeit die aktuelle Produktpalette aus Weißburgunder, Grauburgunder, Auxerrois, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Muskateller, Spätburgunder, Lemberger, Cabernet Franc, Merlot und Syrah.
Verkostet wurden:
2024er Auxerrois trocken, der sich durch eine milde Säure, angenehme Fruchtigkeit und elegante Aromen auszeichnete.
2024er Grauburgunder trocken, der durch eine außergewöhnliche Dichte und einer goldenen Farbe glänzte.
2024er Sauvignon Blanc trocken, der sortentypisch durch die Stachelbeere und schwarze Johannisbeere besticht sowie grüner Paprika.
2024er Spätburgunder Rosé trocken, der durch seine eleganten Frische und dem lebendigen Aromenspiel begeisterte.
2023er Spätburgunder trocken, ein Wein, der durch sein Aromenspektrum überrascht: Waldbeere trifft Vanille.
2023er Merlot trocken, er ist noch jung und verschlossen, zeigt aber schon jetzt sein Potential und hat eine intensive dunkle Farbe.
Eine alkoholische Probe macht bekanntlich Hunger. Den zu stillen war die Aufgabe des aufgebauten Buffets. Diverse Wurst- und Käsesorten, Lachs sowie verschiedene Salate und Brote waren mehr als reichlich vorhanden. So konnte jeder bei Bedarf immer mal wieder zugreifen.
Zwischendurch konnten wir im ersten Obergeschoss das Fasslager der hochprozentigen Erzeugnisse besichtigen und haben dabei einiges über die Handhabung der verschiedenen Fässer erfahren. Schließlich prägen sie maßgeblich den Geschmack eines Whiskys.
Nach dem offiziellen Teil konnte jeder nach Bedarf alle Erzeugnisse des Betriebes probieren und fachkundige Fragen stellen. Zur späten Stunde fand ein vielseitiger, interessanter und spannender Abend seinen begeisterten Abschluss. Jürgen Bender hat sein tiefgehendes Wissen verständlich den Zuhörern vermittelt. Die Kombination zwischen Whisky und Wein ist in dieser Form außergewöhnlich und hat seinen besonderen Reiz. Noch am Abend wurden Stimmen laut, diese Veranstaltung im Spätjahr zu wiederholen.
Andreas Staar


