Serie Freiwasser (Teil 1)

Weingarten: Mehr Sicherheit am Badesee

Badeunfälle sind immer wieder mal Thema im Sommer. Die Gefahr wird oft unterschätzt. Wir haben ein paar Tipps für mehr Sicherheit im und am Wasser.
Zwei Mädchen im Weingartener See.
Nicht alleine und mit leuchtenden Farben für mehr Sicherheit am See.Foto: Vera Wellmer

Es ist Jahre her, dass die letzte Leiche im Weingartener See geborgen wurde. Ein junger Mann, mutmaßlich Nichtschwimmer, der bei Sturm ins Wasser ging, es war Abend. Die Rettung kam zu spät, der leblose junge Mann konnte erst vier Tage nach seinem Abtauchen aufgespürt werden, und zwar von Polizeitauchern in einer Tiefe von 22 Metern in der Nähe des Förderbandes. Todesursache: Ertrinken, keine Fremdeinwirkung. Jeder Einzelfall für sich ist tragisch.

Wie konnte es zu diesem Unglück kommen?

Erstens die Tiefe. Schon nach ein paar Metern aufgeschüttetem Strand wechselt der Boden unter Wasser in ein steiles Gefälle von über 35°. Wer einmal am Grat entlang getaucht ist, kennt das fast mulmige Gefühl am Abhang; der Blick in die Tiefe wird verschleiert durch Erdreich und Algen. Kaum noch Licht dringt durch. Ein sumpfig bewachsener Boden mit Kleingetier zeigt: Der See lebt. Die untergegangene Person nicht mehr lange. Und eine Suche unter Wasser gestaltet sich durch die geschilderten Umstände äußerst schwierig.

Zweitens fehlende Einschätzung. Und das ist der Punkt. Der junge Mann, der sein Leben im See lassen musste, hatte sich aller Wahrscheinlichkeit nach verschätzt. Das ist die Hauptursache von Ertrinkungsunfällen und passiert – wie in diesem Fall – häufig in Ufernähe. Fehlende Selbsteinschätzung – das trifft auch bei Kindern zu. Unter 15 Jahren ist Ertrinken die zweithäufigste unnatürliche Todesursache nach Verkehrsunfällen. Die gefährdetste Gruppe bilden Kleinkinder zwischen zwei und fünf Jahren. Die Motivation, die Welt zu erkunden und auf Expedition zu gehen, ist groß – die Schwimmfähigkeit klein. So sind die kleinen Pioniere eigentlich ständig in Gefahr, ob im Straßenverkehr oder am Wasser. Die Aufsicht der Begleitperson muss lückenlos erfolgen.

Die Schwimmfähigkeit ist noch nicht gegeben, wobei es hier ein entscheidendes Kriterium der Unterscheidung gibt. Einen klaren Vorteil haben wassergewöhnte Kinder. Sie haben gelernt, ihren Atem im Element zu kontrollieren und überleben auch einen unvorhergesehenen Tauchgang spielerisch. Die Fähigkeit, zu tauchen, also die Atmung bewusst einzustellen, kann eine Überlebensversicherung sein, dazu gibt es gesicherte Studien. Bei Interesse sei hier auf Dr. Lilli Ahrendt von der Sporthochschule Köln und Uwe Legahn von der Delphin-Akademie in Hamburg verwiesen. Trotzdem sind Eltern in Hab-Acht-Stellung unbedingte Voraussetzung für einen sicheren Rahmen zum Planschen – ohne Smartphone in der Hand.

Hier noch ein paar Tipps für mehr Sicherheit am Badestrand:

Vorbild sein ist der Königsweg. Hilfreich sind leuchtende Farben bei möglichst enganliegenden Badehosen und Schwimmanzügen ohne Firlefanz. Auftriebshilfen suggerieren Sicherheit, aber man sollte sich nicht darauf verlassen. Schnell ist das Kind aus dem Ring geflutscht, nachdem es vom Seegang außer Sichtweite getrieben wurde. Auch das Schlauchboot kann Luft verlieren und kentern. Kinder ohne Aufsicht gehören überhaupt nicht an den See. Alkohol und Wasser passen auch nicht zusammen: Ein kühles Blondes darf man gerne nach dem Bad genießen. (we)

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Unterschied zwischen Ertrinken und Tod im Wasser?

Während beim Tod im Wasser eher ältere Menschen betroffen sind, die einen Herzanfall oder Ähnliches eben nicht an Land, sondern im Wasser erleiden, trifft der Ertrinkungstod in der Regel junge Menschen. Beim Ertrinken wird die Lunge durch den Atemreflex geflutet, der Organismus kann nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden und stirbt innerhalb von Minuten. Das Gebot der Minute für die Rettung hieße: Beeilung.

Das Freiwasser, unser See, birgt Risiken, deshalb steht die Sicherheit unverhandelbar an erster Stelle.

Aber das natürliche Wasser bietet auch einen ganz besonderen Erlebnis- und Entwicklungsraum für Kinder. Dazu mehr in der nächsten Folge.

Die weiteren Teile der Serie

Erlebnisraum Freiwasser

Gefahren im Weingartener See

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
16.07.2025
Orte
Weingarten (Baden)
Kategorien
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