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Im Gespräch mit Katharina Ottinger

Weingartner Lebenslauf: Interview zur Stammzellenspende

Der Weingartner Lebenslauf steht vor der Tür. Am 20. Juni ist es soweit. Im Vorfeld unterhielt sich die Redaktion mit blut.eV über Stammzellenspende.
Mit einem Abstrich der Wangenschleimhaut kann man sich typisieren lassen und sich als Spender registrieren.Foto: blut.eV

Beim Laufen tut man nicht nur dem eigenen Körper Gutes, sondern man kann zugleich auch anderen Menschen helfen. Das trifft jedenfalls auf den Weingartner Lebenslauf zu, der 2026 am Samstag, 20. Juni, stattfindet. Im Vorfeld beantwortete die Geschäftsführerin von blut.eV, Katharina Ottinger, der Redaktion einige Fragen rund um das Thema Stammzellenspende.

Mit diesem Benefizlauf werden Menschen, die an Krebs erkrankt sind, unterstützt. Das gesammelte Geld kommt der Finanzierung der Suche nach Stammzellspendern sowie für die Verbesserung der Situation von Menschen mit Krebs und deren Angehörigen in der Region zugute. Der 1,3 kilometerlange Rundkurs führt durch Weingarten, mit Start und Ziel am Feuerwehrhaus.

NUSSBAUM.de: Was genau ist eine Stammzellenspende und wofür wird sie benötigt?

Katharina Ottinger: Eine Stammzellenspende ist – wie der Name schon sagt – eine Spende: Ein gesunder Mensch spendet seine Stammzellen, also Blutstammzellen, an einen Patienten, der an Leukämie erkrankt ist. Ohne eine passende Stammzellenspende würde dieser Patient höchstwahrscheinlich nicht überleben.

> Wie dringend werden Stammzellenspender in Deutschland gesucht?

Ottinger: Der Bedarf besteht täglich. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 13.000 Menschen an Blutkrebs. Nicht alle davon brauchen eine Stammzellspende, aber viele.

Wichtig zu wissen ist auch: Die verschiedenen Datenbanken, über die man sich registrieren lassen kann, sind weltweit miteinander vernetzt. Wer als Stammzellspender registriert ist, steht also grundsätzlich Menschen auf der ganzen Welt als Spender zur Verfügung – nicht nur in Deutschland.

> Jeder kennt wahrscheinlich den Werbespot der DKMS „Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein“: Ist es so einfach? Oder wie kann man sich als Spender registrieren lassen?

Ottinger: Leider nein. Die Registrierung an sich ist zwar tatsächlich so einfach: Man hinterlegt seine Daten und macht einen Abstrich der Wangenschleimhaut. Aber die Spende selbst ist dann nicht mehr ganz so simpel.

Es gibt verschiedene Voruntersuchungen. Man wird einmal komplett auf den Kopf gestellt: Ein betreuender Arzt prüft, ob es dem Spender gesundheitlich gut geht. Und erst wenn der Arzt grünes Licht gibt, wird man zur Spende zugelassen.

Am Ende gibt es zwei Möglichkeiten, wie man die Stammzellen – die eigentlich im Knochenmark sitzen – aus dem Körper gewinnt. Die häufigste Variante, in etwa 90 Prozent der Fälle, ist die Spende über das Blut. Das kann man sich wie eine Art Blutwäsche vorstellen, ähnlich wie bei einer Dialyse. Zur Vorbereitung spritzt sich der Spender über ein paar Tage ein Wachstumshormon – ähnlich wie eine Thrombosespritze in den Bauch. Dieses Hormon sorgt dafür, dass sich die Stammzellen vermehren und aus dem Knochen in die Blutbahn übertreten. Bildlich gesprochen wird es den Stammzellen im Knochen zu eng, und sie „wandern“ ins Blut.

Dort kann man sie herausfiltern: Die Spender bekommen in beide Armvenen einen Zugang gelegt. Das Blut läuft auf der einen Seite durch eine Maschine, in der die Stammzellen hängen bleiben. Über den anderen Arm fließt das restliche Blut wieder zurück. Die Prozedur dauert zwischen drei und fünf Stunden – je nachdem, wie viele Stammzellen der Patient braucht.

Ein Krankenhausaufenthalt ist bei dieser peripheren Spende, also über die Blutgefäße, nicht vorgesehen. Das läuft alles ambulant. Aber: Es ist dennoch körperlich anstrengend. Manche Spender bekommen Nebenwirkungen von den Spritzen, zum Beispiel grippeähnliche Symptome. Einige berichten über starke Kopf- oder Gliederschmerzen. Das kann vorkommen. So eine Spende nimmt einen also auch körperlich mit – es ist nicht nur der Zeitaufwand, der dahinter steckt.

Es gibt noch eine zweite Methode zur Entnahme von Stammzellen: In ungefähr 10 Prozent der Fälle kann auch eine kleine Operation nötig sein. Die ist dann mit einem kurzen Krankenhausaufenthalt verbunden, ungefähr eine Nacht. Dabei wird der Hüftknochen punktiert, und das Knochenmark wird direkt aus dem Hüftknochen entnommen.

Wichtig ist: Der Hüftknochen hat nichts mit dem Rückenmark zu tun – dieser Irrglaube ist leider immer noch in vielen Köpfen verbreitet. Wir gehen nicht ans Rückenmark, sondern ans Knochenmark.

Was ich noch betonen möchte: Alle, die sich bei uns haben registrieren lassen und die bisher gespendet haben, meinten danach, sie hatten vielleicht diesen Aufwand und vielleicht auch Nebenwirkungen – aber sie würden es jederzeit wieder tun.

> Haben Sie den Eindruck, der Aufwand hinter allem, das ist etwas, was die Leute abschreckt? Also dass dann doch viele einen Rückzieher machen, wenn sie kontaktiert werden?

Ottinger: Von unseren Spendern hat bisher noch niemand gesagt, dass er es nicht macht. Das liegt aber auch daran, dass die ganz genau wissen, was auf sie zukommt. Jeder, der sich bei uns registrieren lässt – bei uns heißt: bei blut.eV; unser Partner ist die Aktion Knochenmarkspende Bayern, die die Spender auch betreut – bekommt eine ausführliche Aufklärung. Die Menschen wissen somit genau, was passiert und wie es weitergeht, wenn sie irgendwann angerufen werden.

> Wer ist berechtigt für eine Spende? Welche Voraussetzungen gibt es?

Ottinger: Ich kann hier nur für uns sprechen, also für uns und unseren Partner. Wir typisieren Menschen zwischen 17 und 45 Jahren, die gesund sind. Chronische Krankheiten können zum Ausschluss führen. Das sind in der Regel Autoimmunerkrankungen, schwere chronische Erkrankungen oder auch, wenn man selbst schon einmal eine Krebsdiagnose hatte. Solche Erkrankungen führen dazu, dass man sich nicht registrieren darf.

Wir fragen auch immer, ob jemand bereits woanders registriert ist. Denn eine Doppelregistrierung ist nicht sinnvoll, weil die Daten weltweit verknüpft sind. Eine einmalige Registrierung ist völlig ausreichend.

> Gibt es typische Fragen oder Vorbehalte, die Menschen im Gespräch mit Ihnen äußern, wenn sie noch unsicher sind, ob sie sich registrieren lassen wollen?

Ottinger: Tatsächlich kommt – wie schon beschrieben – der Irrglaube um das Thema „Rückenmark“ immer wieder auf. Ansonsten ist es so: Weil wir proaktiv erklären, ‚schau, das kann auf dich zukommen‘, tauchen danach meist gar nicht mehr so viele Fragen auf.

Im Gegenteil: Wir typisieren beispielsweise auch auf Festivals und anderen Veranstaltungen. Dieses niedrigschwellige Angebot kommt bei vielen potenziellen Spendern sehr gut an. Viele sagen dann: ‚Super, dass ihr da seid – ich wollte mich schon länger registrieren lassen, und jetzt mache ich es.‘ Das häufigste Bedenken bleibt tatsächlich die Annahme einer Entnahme aus dem Rückenmark. Doch wie schon beschrieben, werden die Stammzellen nicht aus dem Rückenmark, sondern aus dem Knochenmark entnommen.

> Kommen wir zum Lebenslauf. Dieser findet dieses Jahr am 20. Juni statt. Hierüber werden Spenden gesammelt. Wie und wofür werden diese eingesetzt?

Ottinger: Die Spenden werden für unsere Projekte eingesetzt – unter anderem dafür, dass wir Stammzellspender registrieren können. So eine Stammzellregistrierung kostet viel Geld: Es gibt Laborkosten und auch personellen Aufwand im Hintergrund. Das wird durch die Spenden mitfinanziert.

Zudem haben wir zwei Kooperationen. Eine ist mit dem Städtischen Klinikum in Karlsruhe: Dort finanzieren wir eine Entspannungs- und Körpertherapeutin, die die Patienten auf der Station besucht – also onkologische Patienten – und ihnen Tipps und Tricks gibt, wie sie sich besser entspannen können. Und wir ermöglichen im Klinikum auch den Besuch von Besuchshund Hannes, der zusammen mit seiner Besitzerin Patienten auf der Palliativstation in Karlsruhe besucht und ihnen schöne Momente schenkt.

Außerdem haben wir eine Kooperation mit der Uniklinik in Heidelberg, in der wir Projekte zum Thema Stammzellforschung fördern. Wir machen aber noch viel mehr. Doch das sind jetzt mal ganz grob zusammengefasst, die Bereiche, in die die Spenden unter anderem einfließen.

> Bieten Sie im Rahmen des Lebenslaufes einen Stand an, wo man sich informieren oder auch registrieren lassen kann?

Ottinger: Wir haben direkt vor der Mineralix Arena einen Informations- und Typisierungsstand. Dort bekommt man alle Informationen zum Thema Stammzellspende und kann sich auch direkt typisieren lassen.

Das Interview führte Felix Haberkorn.

21. Weingartner Lebenslauf

Datum: Samstag, 20. Juni 2026

Beginn: ab 13 Uhr, Ausgabe der Startnummern

Aufwärmen: 14 Uhr

Start: 14.30 Uhr (individueller Start bis 17 Uhr möglich)

Lauf-Ende: 17.30 Uhr

Siegerehrung: 30. Juni 2026, 18 Uhr

Schirmherr: Bürgermeister Eric Bänziger

Anmeldung: laufanmeldung.blutev.de

Eine Anmeldung ist aber auch direkt am Lauftag ab 13 Uhr in der Mineralix-Arena möglich.

Für die Teilnahme am Lauf wird kein Startgeld erhoben. Stattdessen sucht jede teilnehmende Person – ob einzeln oder in einer Gruppe – unter Freundinnen und Freunden, Bekannten, Verwandten oder Kolleginnen und Kollegen nach Sponsoren, die entweder für jede gelaufene Runde oder einen fest vereinbarten Betrag spenden.

Alle Daten werden auf dem Laufbogen notiert bzw. bei der Online-Anmeldung erfasst. Wer keine Sponsoren findet, kann für sich selbst ein Rundengeld festlegen.

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exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
29.05.2026
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