Am Dienstag, 24. März, ist wieder Welttuberkulosetag. Tuberkulose, eine früher als Schwindsucht bezeichnete Infektionserkrankung, wird durch bakterienhaltige Aerosole aus den Atemwegen übertragen und ist in den allermeisten Fällen mit Medikamenten heilbar – wenn sie rechtzeitig diagnostiziert und fachgerecht behandelt wird. Dies teilt das Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises mit, das auch für die Stadt Heidelberg zuständig ist. Das Motto des Welttuberkulosetages 2026 lautet: „Yes! We can end TB! powered by Primary Health Care, innovation and commited communities“ oder auf Deutsch: „Wir können die Tuberkulose besiegen: durch primäre Gesundheitsversorgung, Innovation und engagierte Gemeinschaften“.
Das Motto unterstreicht die Dringlichkeit, gemeinsam gegen diese vermeidbare und heilbare Erkrankung vorzugehen. Regierungen, Gesundheitsorganisationen und die Gesellschaft werden aufgerufen, die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO konsequent umzusetzen. Dazu gehört beispielsweise, Strukturen zu schaffen, die die Früherkennung einer Erkrankung ermöglicht und die den Erkrankten eine Behandlung sichert. Staatliche Gesundheitssysteme müssten dahingehend ausgestattet und gestärkt werden. Außerdem betont die WHO die Bedeutung der Entwicklung von Impfstoffen und neuen Medikamenten, um einer Erkrankung vorzubeugen bzw. diese effektiv behandeln zu können.
Im Jahr 2024 erkrankten nach WHO-Angaben geschätzt weltweit 10,7 Millionen Menschen; 1,2 Millionen starben an der Erkrankung. Das entspricht einer durchschnittlichen Erkrankungszahl von fast 30.000 und etwa 3.300 Todesfällen pro Tag. Im Jahr 2024 ist Tuberkulose damit zur weltweit häufigsten Todesursache durch einen Krankheitserreger geworden. Ziel der WHO ist es, bis 2035 die Anzahl der Neuerkrankungen um 90 Prozent und die Anzahl der Todesfälle um 95 Prozent zu reduzieren.
Das südliche Afrika und einkommensschwache Länder Südostasiens tragen die größte Krankheitslast. Durch die zunehmenden Kürzungen in der globalen Gesundheitsfinanzierung droht ein Zusammenbruch der Tuberkulose-Präventions-, Behandlungs- und Überwachungssysteme, vor allem in Ländern Afrikas und Asiens. Dies könnte erhebliche Rückschritte in stark betroffenen Regionen zur Folge haben, die Zahl unzureichend behandelter Krankheitsfälle steigen lassen und somit die Entstehung resistenter Tuberkulosestämme begünstigen.
Die dem Robert Koch-Institut gemeldeten Tuberkulosefallzahlen in Deutschland bewegen sich mit 4.000 bis 4.500 Neuerkrankungen auf dem Niveau der Vorjahre. Im internationalen Vergleich bleibt das Niveau weiterhin niedrig. Etwa drei Viertel der Betroffenen wurden außerhalb, ein Viertel innerhalb Deutschlands, geboren. Um die WHO-Ziele für 2035 zu erreichen, muss die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland jedoch weiter gesenkt werden. Annette Möhlenbruch, Ärztin in der Tuberkulosefürsorge des Gesundheitsamts Rhein-Neckar-Kreis, erläutert die lokale Situation: „Im Rhein-Neckar-Kreis und der Stadt Heidelberg wurden im Jahr 2025 insgesamt 34 Tuberkuloseneuerkrankungen verzeichnet. Die Fallzahlen bewegen sich damit gleichbleibend zum Vorjahr auf einem niedrigen Niveau.“
Trotz vergleichsweise geringer Fallzahlen bleibt die Tuberkulose auch in Deutschland eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für die öffentliche Gesundheit. Bei der Überwachung und Bekämpfung der ansteckenden Erkrankung spielen die Gesundheitsämter eine zentrale Rolle. Betroffene sollen frühzeitig diagnostiziert und gemäß den Leitlinien behandelt werden. Enge Kontaktpersonen mit erhöhtem Infektionsrisiko werden durch das Gesundheitsamt auf eine mögliche Ansteckung untersucht und können vorbeugend behandelt werden. So können Folgefälle verhindert werden. Es ist entscheidend, die Tuberkulose auch in Deutschland nicht aus dem Blick zu verlieren. Symptome wie anhaltender Husten, Gewichtsabnahme, Nachtschweiß und leichtes Fieber sollten stets Anlass geben, an eine mögliche Infektion zu denken. Es gilt weiterhin: „Think TB!“. Denn nur so kann das Ziel „End TB!“ auch erreicht werden.