
Eins ist sicher: Die Flüsse sind es auch im vergangenen Jahr nicht gewesen. Zumindest nicht alle. Und die Seen können ebenfalls gefährlich werden, wenn das kühle Nass zum Baden einlädt. Denn vor allem dort ertrinken viele Menschen Jahr für Jahr. Das hat sich auch im vergangenen Jahr nicht geändert, wie die neuen Zahlen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft zeigen.
Demnach sind im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg zwar weniger Menschen bei Badeunfällen in Flüssen, Bädern oder Seen ums Leben gekommen als im Jahr zuvor – allerdings ertranken doppelt so viele junge Menschen. Insgesamt starben 43 Menschen, das sind 5 weniger als im Jahr zuvor. In den meisten Altersklassen gingen die Zahlen zurück, bei den 21- bis 30-Jährigen hingegen stieg sie von fünf auf zehn, bei den 41- bis 50-Jährigen sogar von einem Opfer auf sieben.
Zu dem Anstieg der Todesfälle unter den jungen Menschen sagte DLRG-Präsidentin Ute Vogt: «Das ist besorgniserregend und setzt sich hoffentlich in diesem Jahr so nicht fort.» Vor allem unter männlichen Jugendlichen und jungen Männern seien «Übermut und Selbstüberschätzung leider weit verbreitet». Eine weitere Ursache sei Alkohol.
Deutlich war auch im vergangenen Jahr: Männer leben in der Badesaison besonders gefährlich oder sie sind schlicht waghalsiger – oder unvernünftiger: Von den 43 Opfern waren 36 männlich, 4 waren Frauen und bei 3 weiteren war das Geschlecht laut DLRG, der nach eigenen Angaben größten freiwilligen Wasserrettungsorganisation der Welt, nicht bekannt.
Vor allem im Sommer wird das Risiko bei oft schwüler Hitze oder stechender Sonne immer wieder unterschätzt, warnen die DLRG-Lebensretter. Die meisten (jeweils sieben) kamen in den ungewöhnlich heißen Sommermonaten Juni und Juli ums Leben, sechs weitere starben im August. «Wäre es in der folgenden Hauptferienzeit weiterhin so sonnig und heiß geblieben, hätten wir wohl erneut einen Anstieg der Opferzahl vermelden müssen», meinte Vogt mit Blick auf die bundesweiten Zahlen. Bei Traumwetter steigt die Zahl der Unfälle sprunghaft.
Im Juni vergangenen Jahres ertrank unter anderem ein Mann im Aileswasensee bei Neckartailfingen, kurze Zeit später wurden zwei Männerleichen aus dem Neckar geborgen, mal nahe Remseck, mal bei Wendlingen. Ebenfalls im Juni verunglückte eine Frau tödlich in einem Baggersee in Wyhl am Kaiserstuhl (Landkreis Emmendingen), ein Mann ging zudem im Tiefen See in Maulbronn (Enzkreis) unter – und zwei Wochen später gleich der nächste im selben See. Im Juli stürzte ein Angler im Landkreis Karlsruhe in den Rhein und starb, im selben Fluss ertrank einen Monat später erneut ein Mensch im Kreis Waldshut.
Bei weitem keine Einzelfälle: Flüsse in Baden-Württemberg bleiben gefährlich, in ihnen ließen laut DLRG 22 Menschen ihr Leben (2024: 14). In den Seen im Südwesten starben 15 Menschen (2024: 26), drei weitere (2024: 3) kamen in Schwimmbädern um. Die DLRG warnt vor allem vor unbewachten Badestellen. «Ertrinken ist leise», warnten die Lebensretter. «Wenn niemand von Ihnen weiß, kann auch niemand helfen.»
Wie soll es gelingen, die Unfallzahlen zu verringern – möglichst in allen Altersgruppen? DLRG-Chefin Vogt machte klar: «Wir benötigen sicher noch mehr Aufklärung.» Vor allem diejenigen Menschen, die nicht sicher schwimmen könnten, müssten für Gefahren sensibilisiert werden. Und: «Auch Angler auf Booten, Paddler oder Segler sind leider noch allzu oft unbedarft, was ihre eigene Sicherheit betrifft», betonte sie.
Die Wasserretter gehen davon aus, dass mehr als jedes zweite Kind nach der Grundschule nicht sicher schwimmen kann. Ein Grund: Bäder für den Schwimmunterricht fehlen. Das zu ändern fordert die DLRG seit langem – und verlangt auch flächendeckenden Schwimmunterricht in den Schulen: «Unsere Kinder können mehrheitlich nicht sicher schwimmen, wenn sie die Grundschule verlassen», mahnte Vogt. «Sie stehen fortan immer weniger unter Beobachtung der Eltern und sind ein Leben lang gefährdeter am und im Wasser.» Das sei ein «unnötiges Lebensrisiko».
Die meisten Menschen starben im vergangenen Jahr bei Badeunfällen in Bayern mit seinen vielen Seen – es waren 84 nach 70 ein Jahr zuvor. Auf dem – in dem Fall unrühmlichen – zweiten Platz landete Nordrhein-Westfalen mit 48 (2024: 57) Badetoten, gefolgt von Niedersachsen mit 47 (46) Opfern. In Nord- und Ostsee starben im vergangenen Jahr 22 Menschen, ein Jahr zuvor waren es noch 30. Allein an den Küsten waren während der Badesaison von Anfang Mai bis Ende September mehr als 6.000 Rettungsschwimmer im Einsatz.
Die Tücken der Gewässer können auch erfahrene Schwimmer in Gefahr bringen. Strömungen und Unterströmungen im Meer können sie aufs offene Wasser ziehen. Ein Schwimmer kann verkrampfen oder die Erschöpfung überkommt ihn. Nach DLRG-Angaben kann zudem kaltes Wasser die Atmung unkontrolliert beschleunigen. Gute Schwimmer unterschätzen auch manchmal Risiken oder schwimmen zu weit raus, ohne ausreichend Kraft zu haben für den Rückweg, sie können falsch urteilen, weil sie angetrunken sind oder in Panik geraten und die Orientierung verlieren.
Nach Überzeugung der DLRG sind Menschen weniger gefährdet an Stellen, an denen die Rettungsschwimmer im Einsatz sind. Am besten sei es, an bewachten Stellen schwimmen zu gehen, zudem nicht allein und am besten mit einer Schwimmboje. Die aufblasbaren und signalfarbenen Bojen können mit einem langen Gurt am Körper befestigt und beim Schwimmen hinterhergezogen werden. Sie dienen bei Notfällen wie einem Krampf als eine Art Rettungsring und können bei Pausen als Polster genutzt werden.


