Letzte Woche habe ich über Wut geschrieben und darüber, wie man Perspektivwechsel vollzieht, um Selbstregulation zu ermöglichen.
Erinnert ihr euch an den rosa Elefanten? Ich möchte auf das Thema negative Sprache etwas genauer eingehen:
„Spring nicht da runter!“
„Nimm nicht den Stock!“
„Spritz uns nicht nass!“
„Keine Kekse nehmen!“
Kommt euch das bekannt vor?
Und gleichzeitig erleben wir oft: Genau das passiert.
Ein Kind springt.
Greift zum Stock.
Spritzt los.
Oder nimmt sich doch noch einen Keks.
Warum ist das so?
Unser Gehirn verarbeitet Sprache nicht einfach als „richtig“ oder „falsch“, sondern in Bildern. Wenn wir sagen: „Spring nicht“, entsteht im Kopf zuerst das Bild vom Springen. Das „nicht“ kommt erst danach. Und das ist der schwierige Teil.
Denn Negationen wie „nicht“ oder „kein“ müssen aktiv verarbeitet werden. Das bedeutet: Das Gehirn muss ein Bild erst entstehen lassen, um es dann wieder zu stoppen. Dafür braucht es die Fähigkeit, Impulse zu bremsen. Und genau diese Fähigkeit entwickelt sich bei Kindern erst nach und nach.
Deshalb passiert oft Folgendes:
Das Gehirn „überhört“ das „nicht“. Es kommt also gar nicht richtig an.
Worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken, wird größer.
Wenn wir sagen:
„Keine Steine werfen!“
„Nicht hauen!“
„Lass die Teller nicht fallen!“
Dann landen genau diese Bilder im Kopf des Kindes. In dem Hirnareal, auf das wir aufmerksam machen, werden Neuronen aktiviert und miteinander vernetzt. Das Gehirn übt also genau das, was wir eigentlich vermeiden wollten.
Was hilft also?
Ein Perspektivwechsel in der Sprache.
Statt zu sagen, was ein Kind lassen soll, können wir sagen, was es tun kann:
„Bleib bitte hier oben.“
„Der Stock bleibt am Boden.“
„Wir bleiben trocken.“
„Die Kekse bleiben auf dem Teller.“
Oder, ganz einfach gesagt:
Sag mir nicht, was ich lassen soll – sag mir, was ich tun kann.
Das bedeutet nicht, dass wir nie „Nein“ sagen dürfen. Gerade wenn es um Schutz geht, braucht es Klarheit. Doch im Alltag hilft es, wenn wir Kindern Bilder geben, an denen sie sich orientieren können.
Vielleicht magst du dich einmal selbst beobachten:
Wie oft sagst du „nicht“ oder „kein“?
Und wie könnte derselbe Satz als Einladung klingen?
Solche kleinen Veränderungen haben große Wirkung. Auf Kinder und auf uns selbst.
Denn auch unsere eigene Aufmerksamkeit folgt unserer Sprache.
Christina Stockhausen