Zwei Ur-Durlacher trafen an diesem Abend am Dienstagabend der Vorwoche zusammen. Robin Cordier, der Vorstand des Freundeskreises Pfinzgaumuseum — Historischer Verein Durlach e.V., begrüßte sie alle beide.
Samuel Degen ist Fotograf und Medienschaffender, der einst die Durlacher Turmbergrundschau herausgegeben hatte und zahlreiche Fotografie-Serien und Bildbände aus aller Herren Länder herausgebracht hat. Er stellte auch Günter Widmann, einen bekannten Unternehmer aus Durlach, dem früher die Druckerei Widmann in der Mittelstraße gehört hatte und Inhaber eines großen Privatmuseum mit unter anderem vielen Durlacher Fayencen, 2000 Postkarten von Durlach und solchen Dingen wie Reservistenkrügen, Uniformen oder einem Säbel mit eingeritztem Schriftzug: „Badisches Trainbatallion Nummer 14 Durlach“ ist, vor. Über letzteres handelt der neue von Samuel Degen gemachte Film, den sich ein begeistertes Publikum im bis auf den letzten Platz gefüllten Rathaussaal ansehen durfte. Auch ein wie aus der Zeit gefallener Überraschungsgast war Teil des Abends. Ein Nachfahre von Christian Hengst, der 1846 in Durlach die älteste Freiwillige Feuerwehr Deutschlands gründete, kam in voller 14er-Originaluniform. Wie er sagte, ist er der Urenkel eines badischen Trainsoldaten, der 1901 und 1902 beim Train seinen Wehrdienst abgeleistet hat. Normalerweise hätte er drei Jahre mit Pferd dienen müssen, aber der Ur-Ur-Großvater starb 1902 und so durfte er wegen der heimischen Landwirtschaft, die zu versorgen war, ein Jahr früher aus dem Wehrdienst aussteigen. Bei der Veranstaltung trug er einen Waffenrock, die Anzugsjacke mit den entsprechenden Schulterklappen für Mannschaften sowie eine schwarze Tuchhose mit Ponceau-Rotem Vorstoß. „Als Leibriemen diente das sogenannte Geweißt“, verriet er. Rechts an der Seite trug er die Orden, einmal das Eiserne Kreuz zweiter Klasse, die badische silberne Verdienstmedaille und das sogenannte Hindenburg-Kreuz, gestiftet 1934. „Die Jacko“ heiße der Anzug, den man bis ins 19. Jahrhundert trug, berichtete er weiter.
Das „Train Bataillon 14 Durlach“ war von 1893 bis 1919 in der Karlsburg stationiert und befand sich zuvor seit 1871 im Schloss Gottesaue. Es diente als Versorgungsstation für die Bevölkerung im Ersten Weltkrieg. Christian Hengst gründete 1846 in Durlach die älteste Freiwillige Feuerwehr Deutschlands. Heute zeugt der Hengstplatz noch davon. Der Überraschungsgast ist ein Nachfahre von Christian Hengst. Geschichte erzählen und weitergeben möchte auch Günter Widmann mit seinem rund 200 Quadratmeter großen Museum – eines auch zum Anfassen, wie er an dem Abend betonte. Wer sich das selbst ansehen möchte, kann das in Gruppen von bis zu 15 Personen in seinem Privatmuseum, dem „Durlacher Stichekabinett“ nach Vereinbarung in der Mittelstraße 8 tun.
„Sammeln macht süchtig. Sammeln macht gierig“, sagte Günter Widmann. Man sehne sich nach Dingen aus der Vergangenheit. „Sammeln ist Liebe.“ Jedoch sei man nie zufrieden. Zugleich betonte er, dass er nun mit über 80 Jahren ans Ende seiner Sammelleidenschaft gekommen sei. Aus dem Erzählen kam er an diesem Abend aber nicht heraus. Reservistenkrüge, Pfeifen und insgesamt viele Dinge, die mit dem „Badischen Trainbatallion Nummer 14 Durlach“ zu tun haben, sind Teil seines Privatmuseums. Jeder Reservistenkrug habe ein Wasserzeichen vom Papier, das jeden Krug individuell kennzeichne. Auch Säbel mit eingeritztem Schriftzug „Badisches Trainbatallion Nummer 14 Durlach“ und viele andere Gegenstände aus dieser Zeit sind im Privatmuseum zu sehen. Er zeigte einen Lithografiestein als Vorläufer des heutigen Druckverfahrens, den er gerade noch so gerettet hat. Auch an den Helmen sehe man, wer vom Militär oder beispielsweise der Feuerwehr war. „Die Postkarten erzählen ihre eigene Geschichte über Durlach“, sagte Günter Widmann.
Die Verbindung zwischen Samuel Degen und Günter Widmann komme daher, dass Degen bereits ab 1981 Fotografien von Durlach erstellte für einen in 1983 von Widmann herausgegebenen Bildband über Durlach. Alle über 2000 Originalpostkarten aus und über Durlach in Widmanns Museum sind auf Degens Webseite durlach.org zu sehen. Als Folge-Film drehte Samuel Degen aktuell auch im Museum Widmann den Film „Fayencen: Das weiße Gold aus Durlach“, der bald öffentlich vorgestellt werden wird. Im Pfinzgaumuseum in der Durlacher Karlsburg wird ab dem 14. März eine Ausstellung über das „Badische Trainbatallion Nummer 14 Durlach“ mit zahlreichen Leihgaben aus der Sammlung von Günter Widmann zu sehen sein. (war)



