Nussbaum-Logo
Kandidatenvorstellung

Wer wird Eislingens neuer Oberbürgermeister?

550 Interessierte haben es in die Halle geschafft, 80 verfolgten die Reden an der Leinwand im Foyer. Die Eislinger stellten viele Fragen.
Die Kandidaten stellten sich den Fragen aus dem Publikum.
Die Kandidaten stellten sich den Fragen aus dem Publikum.Foto: irs

Das Interesse an der Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl am Dienstagabend war enorm.
Schon kurz nach Saalöffnung war die Stadthalle rappelvoll. 1800 Endgeräte seien zusätzlich beim Live-Streaming zugeschaltet, sagte Oberbürgermeister Klaus Heininger, der die Kandidatenvorstellung moderierte. Ganz oben auf dem Stimmzettel steht Andreas Cerrotta, der 57-jährige dreifache Vater skizzierte seinen Werdegang, ist seit 17 Jahren Gemeinderat, war fünf Jahre ehrenamtlicher Bürgermeister und ist selbstständiger Physiotherapeut. Seine Ziele für Eislingen seien klar, aber herausfordernd. Kindern und Jugendlichen mehr Perspektiven und Raum schaffen, Familien mit bezahlbarem Wohnraum und günstiger, perspektivisch kostenloser Kinderbetreuung unterstützen, für gute Seniorenbetreuung sorgen, nannte er er als Beispiele. Wirtschaft fördern und Bürokratie abbauen, dazu solle ein Wirtschaftsforum gegründet werden, Umwelt- und Naturschutz möchte Cerrotta mit Augenmaß vorantreiben. Die Projekte Luther-, Dehner- und Haug-Areal möchte er voran bringen. „Das wichtigste Thema ist, dass Eislingen nicht mehr verwaltet, sondern gestaltet wird“, sagte Cerrotta. Er habe bewiesen, dass er ein offenes Ohr habe, strukturiert arbeite, Lösungen suche und entscheiden könne. Er stehe für Kontinuität und neue Ideen.
Anja Sauer hob ihre langjährige Berufserfahrung hervor, ihre Berufung habe sie als Bürgermeisterin in Römerstein gefunden, Kompetenz, Herzblut, Strategie und Charisma gehörten zur Tagesordnung. „Nach meinen ersten Besuchen wurde Eislingen zum Magnet“, so die 50-jährige, sie habe die Stadt als sehr impulsiv kennengelernt. Sauer hob die Vielfalt in puncto Wirtschaft, Gastronomie und Kultur hervor. Ihre Vision: Eislingen zum Wirtschaftsstandort Nummer eins zu machen. Eine Wirtschaftsallianz aus Mittelstand, Industrie und Betrieben soll gegründet werden. Kluge Energiepolitik, Nutzung von Standortfaktoren, intelligente Flächenentwicklung und Raum für Innovation will sie vorantreiben, um Stabilität zu sichern und Generationengerechtigkeit zu wahren. Die weitere Stadtentwicklung solle mit Vernunft und Blick auf die Finanzen gestaltet werden. Bezahlbare Kitas, moderne Schulen mit flexibler Betreuung, Schaffung von bezahlbarem Wohnraum durch eine städtische Wohnbaugesellschaft, Stärkung von Ehrenamt und Sport hat die zweifache Mutter im Fokus. Mit der neuen Mitte soll Lebensqualität geschaffen und Innenstadtattraktivität gestärkt werden. Bürgerbeteiligung will sie groß schreiben.
Wer kann die meisten Wähler überzeugen?
Oliver Marzian, seit sieben Jahren Eislinger Fachbereichsleiter Bürgerdienste und Stadtkämmerer, bezeichnete sich als bodenständig und verlässlich, mit gut 30 Jahren Erfahrung aus öffentlicher Verwaltung. „Es geht um Menschen und konkrete Lebenssituationen“, so der 53-Jährige. Seit 20 Jahren sei er in Eislingen verwurzelt, werde im Sinn der Bürger entscheiden, nichts versprechen, das nicht haltbar sei und er wisse, welche Stellschrauben gedreht werden müssen, um die Stadt voran zu bringen. Marzian will Bildung stärken, Schulneubauten und Erweiterungen vorantreiben, junge Familien unterstützen und für eine gute Versorgung von Senioren sorgen. Gute Nahversorgung, ausreichend Ärzte und ein Sanitätshaus hat er im Blick. Die neue Mitte soll zum lebendigen Wohlfühlort umgestaltet, modernem Wohnen und kreativem Gewerbe Raum gegeben werden, Bürgerbeteiligung will er forcieren. „Ich mache Wirtschaftsförderung zur Chefsache“, betonte er. Er möchte barrierefreie Mobilität für alle Verkehrsteilnehmer. Ehrenamt wolle er gezielt fördern, es sei die tragende Säule des Gemeinwesens. Grüne Lungen, statt grauer Flächen, besseren Hochwasser- und Naturschutz nannte er mit Blick auf die Umwelt.
Großen Respekt vor der Aufgabe und Verbundenheit zu Eislingen, verdeutlichte Uwe Reik. „Hier bin ich verwurzelt“, so der vierfache Vater. Der 52-Jährige Betriebswirt und Handwerksmeister im Elektrobereich ist seit zwölf Jahren Gemeinderat, er suche Lösungen, keine Ausreden. Das Wir-Gefühl möchte er stärken. Mit kommunalen Finanzen, Infrastruktur, Wohnraum, Arbeitsplätzen, sozialer Teilhabe nannte er Themen, die er im Blick habe. Direkter Kontakt mit den Bürgern sei ihm wichtig, Handel müsse gestärkt und offene Orte für Begegnung geschaffen werden. Eine kommunale Wohnbaugesellschaft gründen und Leerstände bekämpfen steht auf seiner Agenda. „Ein Herzensprojekt ist die Gründung einer Jugendfarm, wo sich Kinder frei entfalten können“, so Reik, durch Mitwirkung von Senioren könne es ein generationenübergreifendes Projekt werden. Der geplanten Bebauung des Lutherkirchen-Areals erteilt er eine klare Absage, will dort einen Ort der Begegnung im Grünen schaffen. Erneuerbare Energien sollen ausgebaut, neue Gewerbegebiete ausgewiesen werden, um den Wirtschaftsstandort zu stärken.
Die Kandidaten setzen unterschiedliche Schwerpunkte
„Eislingen hat enormes Potential“, sagte Ralph Kraus, der für eine Stadt eintritt, die gestaltet, statt verwaltet. Der 45-jährige Stadtplaner und Vater eines Sohnes lebt seit 30 Jahren in Eislingen, er kenne Verwaltung aus allen Perspektiven. Er kandidiere nicht für ein Amt, sondern für die Stadt. Kraus will auf Bürokratieabbau, moderne Verwaltungsstrukturen, Steuersenkungen, wirtschaftliche Entwicklung sowie nachhaltige Stadtplanung setzen. Familien sollen finanziell entlastet werden, der 45-Jährige will kostenloses Mittagessen in Kitas und Schulen sowie langfristig kostenlose Kitaplätzen etablieren „Wer Familien stärkt, stärkt die Zukunft unserer Stadt“, so Kraus. Auch der öffentliche Nahverkehr soll für Schüler und Senioren gratis werden. Er möchte Eislingen zur familienfreundlichsten Stadt der Region machen, einem Magneten für Lebensqualität, zum starken Wirtschaftsstandort und einer Stadt, die gestaltet.
Die Bürger nutzten die anschließende Fragerunde ausgiebig, löcherten die Kandidaten gut eine Stunde lang, teilweise gab es auch Fragen, die am guten Ton vorbei schrammten und schon deutlich unter der Gürtellinie lagen. Auch das direkte Gespräch mit einzelnen Kandidaten wurde im Anschluss noch rege genutzt. irs

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUM
25.02.2026
Dieser Inhalt wurde von Nussbaum Medien weder erfasst noch geprüft. Bei Beschwerden oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte an den zuvor genannten Erfasser.
Orte
Eislingen/Fils
Kategorien
Kommunalpolitik
Politik