Wie die Gier, in den Genuss einer Erbschaft zu kommen, die Charaktere von Menschen verändert – das hat ein volles Pfarrheim in Huttenheim erleben dürfen. Die neunköpfige Theatergruppe bot nicht nur höchst amüsante Unterhaltung, sondern hob dabei auch den moralischen Zeigefinger. Welche Verspottung manche Zeitgenossen in Kauf nehmen, um ans Geld zu kommen, ließ sich fast drei Stunden lang nachvollziehen. Auf Wunsch des verstorbenen Onkels führten die Angehörigen ein demütigendes, lächerliches Ritterdrama auf.
„Hermann und die Plunderhosen“ hieß die begeistert verfolgte Komödie. Nach dem zweiten Akt wechselte der Ort des Geschehens vom trauten Wohnzimmer in einen düsteren Rittersaal. Die erwartungsvollen Erben führten sich dort als mittelalterliche Gestalten in albernen Kostümen und Plunderhosen auf. Klischees und Klamauk, Wirrungen und Wendungen kennzeichneten die Aufführung. In feinen Details kam allzu Menschliches zum Vorschein.
Nach seinem Tod lässt Onkel Hermann die „Erbpuppen tanzen“, als die habgierige Verwandt- und Bekanntschaft bereits Pläne schmiedet, wie sie den möglichen Reichtum ausgeben soll. Aufgrund eines Gerüchts hat der Feuerwehrkommandant in freudiger Erwartung eine neue teure Spritze bestellt, der Neffe einen BMW. Doch dann taucht plötzlich die Geburtsurkunde eines unehelichen Sohnes auf.
Der Leichenschmaus wird zum letzten großen „Auftritt“ des Dahingeschiedenen. Arglistig bringt er die nach der Erbschaft lechzende Runde dazu, sich bis auf die Knochen zu blamieren. In einer vor seinem Tod aufgenommenen Videobotschaft liest der Erbonkel den Hinterbliebenen die Leviten und verkündet seinen letzten Willen. Werde dieser nicht erfüllt, gebe es keinen Cent. Die Verlockung verleitet dazu, ein schwachsinniges Ritterspiel aufzuführen.
Ihr Bestes gaben die Akteure und füllten die Textvorgaben mit Leben. Zum Großaufgebot gehörten Markus Heil als trotteliger Ehemann, Klaus Bachert als Bruder, beide von den Raff-Gattinnen unterdrückt: Christa Wolf und Mariella Binder. Ihr schauspielerisches Können zeigten auch Jürgen Scholz, Nina Zirkelbach, Jürgen Bachert, Heike Covic, Sonja Zirkelbach und Oliver Harrass.
Als Souffleuse und Regieanweiserin wirkte Brigitte Notheis, für die Maske zeichnete Annemarie Hofheinz verantwortlich. Die Aufgabe als Fahnenträger übernahm Heinz Tirolf.
W. Schmidhuber