
Eltern können ihre Kinder nicht immer beschützen – aber sie können sie stark machen. In der Warum AG der Mahlbergschule in Völkersbach lernen Kinder spielerisch Selbstbewusstsein, Selbstbehauptung und das Erkennen von Grenzen.
Was fühlt sich gut an und was ist eher unangenehm? Von einem Fremden im Bus angesprochen zu werden, das finden die meisten Kinder sehr unangenehm und zeigen ohne zu zögern mit dem Daumen nach unten. Daniela Feber, Anbieterin des Kursprogramms „Löwenstark“, geht mit den sieben Kindern in ihrem Kurs spielerisch verschiedene Situationen durch.
Situationen, die angenehm oder unangenehm sind, und solche, in denen sie sich vielleicht fürchten. Was sollen Kinder machen, wenn sie sich zum Beispiel nachts vor Gespenstern ängstigen? Die Kinder haben da schon Ideen, sollte ein Gespenst das jemals wagen: laut fluchen, eine Taschenlampe anmachen, einen Eimer Wasser parat haben. „Wichtig ist es, dass ihr jemandem Bescheid sagt“, erklärt Daniela Feber den Kindern. Die Kinder sind vor allem von ihrer Geschichte begeistert und wollen mehr hören.
An diesem Samstagvormittag geht es um Gewaltprävention, vor allem um Schutz vor sexueller Gewalt. Die Jungen und Mädchen im Alter von acht bis zwölf Jahren lernen, dass sie Nein sagen dürfen und auch sollen, wenn ihnen etwas unangenehm ist. Und sie lernen auch, andere zu respektieren und Abstand zu halten. Immer wieder greift Daniela Feber Situationen auf, die im Alltag der Kinder vorkommen: Wann beispielsweise dürfen sie ein Geheimnis für sich behalten und wann sollten sie das nicht tun? Wann empfinden sie eine Berührung als unangenehm? Und wie sagt man eigentlich so richtig „Nein“? Im Kurs haben die Kinder schon die goldenen Regeln des mutig Stehens gelernt: Füße auseinander, Schultern gerade und dem Gegenüber in die Augen sehen.
Die Warum AG der Mahlbergschule hat die Löwenstark-Prävention ins Angebot aufgenommen, um die Kinder zu informieren, aber nicht zu ängstigen, erklärt Carmen Schneller. Sie ist Mutter einer Grundschülerin und ist in der Arbeitsgemeinschaft aktiv. Die AG gebe es schon lange, erzählt sie. Nachdem die Mittel weggefallen seien, hätten die jeweiligen Grundschuleltern das Angebot weiterleben lassen. Meist gehe es um Wissensvermittlung – um Musik, Natur, Technik. Die Kinder lernen, wie es im Schwimmbad hinter den Kulissen aussieht, wo das Abwasser hingeht, welche Wiesenkräuter heilende Kräfte haben und mehr. Für die Kinder der Grundschule werden Besichtigungen und Ausflüge gemacht, selbst organisiert und zum Selbstkostenpreis.
An den Kursen von Daniela Feber dürfen auch Kinder anderer Schulen teilnehmen – sie ist Selbstbehauptungs- und Resilienz-Trainerin aus Gernsbach und bietet ihre Kurse in Schulen, Kitas und Vereinen an. Manchmal werden die Kurse über Fördervereine oder über Förderprogramme finanziert. Manchmal, wie bei der Mahlbergschule, sind es die Eltern selbst, die die Kursgebühren tragen. Feber ist es wichtig, Kinder frühzeitig zu stärken und auch die Eltern einzubeziehen. Sie dürfen in den Kursen dabei sein; sie wissen, was ihre Kinder gelernt haben und können zu Hause daran anknüpfen. Und die Kinder? Die sitzen mit Daniela Feber auf Kissen auf dem Boden im Klassenzimmer und reden völlig frei, unbeeindruckt davon, dass Eltern anwesend sind.
In den nächsten Geschichten geht es um Gefühle, aber auch um Rechte von Kindern, um Verletzendes und um Mutproben. Es wird reihum gelesen und kurz darüber gesprochen. Zum Abschluss gibt es für alle Armbänder: „Ich bin perfekt“, „Ich bin mutig“, „Ich bin stark“ – bunte kleine Starkmacher. Die Kinder sind begeistert, kein bisschen müde und wollen eigentlich nur eins: weitermachen.
Die Kurse an der Mahlbergschule sind nun beendet. Eltern, die sich für das Programm interessieren, können auf das nächste Angebot warten oder mit ihren Kindern in anderen Schulen teilnehmen. Mehr dazu unter www.loewenstarkimlebenpbdf.de. (fri)