„Ihr spielt doch eh nur mit den Kindern!“ Ein Satz, den viele von uns kennen. Er zeigt auch, wie wenig man doch darüber weiß, was dieser Beruf wirklich bedeutet.
Wenn der Dienst beginnt, bedeutet das nicht, dass wir erst kurz zuvor hier ankommen. Vorab müssen wir noch viele „Handgriffe“ tätigen. Ab diesem Moment beginnt ein Arbeitstag, den man nur begrenzt planen kann. Wir wissen morgens nicht, wann wir was trinken oder kurz auf die Toilette können. Das geht dann, wenn jemand anderes übernimmt, weil wir die Kinder nicht einfach alleine lassen können. Es gilt, 100 % Aufmerksamkeit und die volle Verantwortung zu tragen. Zwischen Lärm, Toben und Streiten brauchen sie vor allem Hilfe. Jeden Tag begegnen uns Gefühle. Kinder, Eltern und Kolleginnen bringen ihre Emotionen mit (Traurigkeit, Überforderung, Freude, Stress, Angst, Wut …) und wir müssen stabil bleiben, damit sich alle regulieren können. Manchmal war der Morgen vielleicht schon chaotisch und oft sind wir die erste Person, die dieser Stimmung begegnet. Wir versuchen jeden Tag Sicherheit zu geben, Beziehungen aufzubauen, Entwicklungen zu begleiten, Kinder stark zu machen. Dies passiert nicht nebenbei. Es passiert parallel zu Aufsichtspflicht, pädagogischer Arbeit, Dokumentation, Gesprächen, Teamarbeit u. v. m.
Kindergarten ist heute hochprofessionelle Beziehungsarbeit. Und trotzdem hört man oft: „Ihr spielt ja nur“. JA, wir spielen! Aber Spielen ist Lernen, Beziehungsaufbau, Entwicklung, Begleitung und das verlangt Verantwortung, emotionale Präsenz, pädagogische Kompetenz und sehr viel Herz. Jeden einzelnen Tag! Wir tun es, weil wir Kinder stärken möchten, weil wir an Entwicklung glauben und weil wir wissen, wie wichtig die ersten Jahre sind. Dieser Beruf braucht mehr als nur Freude an den Kindern – er braucht Leidenschaft, Stabilität, Geduld und vielleicht auch ein bisschen mehr Verständnis und Sichtbarkeit von außen. Schlussendlich kann KI vielleicht unterstützen, aber unseren Beruf niemals ersetzen!