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Wiederaufbau der St.-Anna-Kapelle in Kiebingen im Jahr 1955

Vor 70 Jahren wurde in Kiebingen die einstige St.-Anna-Kapelle am Ende der Froschgasse unterhalb des Pfarrhauses wieder aufgebaut, da sie sich in einem...
Urkunde
Handschriftlich gefertigte Urkunde aus dem Jahre 1955 von Alfred RaidtFoto: A. Raidt

Vor 70 Jahren wurde in Kiebingen die einstige St.-Anna-Kapelle am Ende der Froschgasse unterhalb des Pfarrhauses wieder aufgebaut, da sie sich in einem sehr schlechten Zustand befand. Heute erinnert nichts mehr an sie. Sie ist verschwunden. Von großem Wert sind deshalb die Erzählungen von älteren Einwohnern. Sie berichteten, dass jeweils am Vorabend des St. Anna Tages von Nachbarn und „Annabasen“ an der Kapelle ein Rosenkranz gebetet wurde.

Alfred Raidt, der Vater von Mathias und Urban Raidt, hat die weiter zurückreichenden mündlichen Überlieferungen in einer Urkunde 1955 schriftlich festgehalten. Die Legende besagt, dass eine Magd die Kapelle gestiftet hat. Anlass war ein Gelöbnis, weil sie vor Soldaten Zuflucht und Rettung hinter einem Holderbusch fand. In welchem Jahr sich dies ereignet hat, ist unbekannt.

14 freiwillige Helfer, darunter Maurer, Steinhauer und Flaschner, haben die Kapelle 1955 neu errichtet. Sie sind in einer Urkunde aufgelistet, die ich vor vielen Jahren von unserem früheren Schulleiter Erich Dierberger in Kopie erhalten habe.


Am dritten Adventsonntag im Jahr 1961 wurde die neu gebaute Heilig-Geist-Kirche eingeweiht. Weil man nun bei Beerdigungen den Weg von der Kirche über die stark befahrene Ortsdurchfahrt zum Friedhof nehmen musste, wurde nach einer neuen direkten und sicheren Straßenverbindung über die Froschgasse gesucht. Die einzige Möglichkeit war eine Straße durch den Pfarrgarten. Dies hatte jedoch zur Folge, dass die Kapelle in den späten 1960er Jahren weichen musste. Sie wurde abgebrochen und nie mehr neu aufgebaut.

Unsere älteren Einwohnern, Ottilie Wittel, Hildegard Raidt und Karl Langheinz, die damals in der Nähe der Kapelle wohnten, können sich sicherlich noch gut an die Kapelle im Pfarrgarten erinnern.

Anlässlich der Woche des Glaubens im vergangenen Jahr hat der 2. Vorsitzende des Kiebinger Kirchengemeinderats, Martin Günther, die von Kiebingen umgebenen Feldkreuze und Bildstöckle in einer Kurzbeschreibung aufgelistet. Bei einem Rundwanderweg haben die rund 20 Teilnehmer mehrere Wegzeichen und Kreuze in Kiebingen besichtigt und über diese Glaubensspuren gesprochen. Die Kiebinger Wegzeichen sollen das Bewusstsein für Spirituelles und Geschichtliches in Erinnerung rufen. Sicherlich hätte die St.-Anna-Kapelle einen würdigen Abschluss am Ende des Rundwanderwegs unterhalb des Pfarrhauses geboten.

Kiebingen, im Dezember 2025

Ottmar Raidt

Kapelle
Groß war die Beteiligung bei der Einweihung der St.-Anna-Kapelle im Frühjahr 1955.Foto: A. Raidt
Erscheinung
Amtsblatt der Stadt Rottenburg am Neckar, Ausgabe Kernstadt, Kiebingen
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Ausgabe 50/2025
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