
Selten kommt es vor, dass ein Wirtshaus mit gutem Zuspruch (ohne Änderung des Angebots) umbenannt wird. Doch in Wiesental haben wir einen solchen Fall. Zunächst gab es das Lokal „Stadt Mannheim“, dann den Engel“. Heute befindet sich im ehemaligen Engel das „Ama“ (Amadeus).
Ursprünglich existierte als Mannheimer Straße nur der Bereich zwischen Kirche und (heutigem) Marktplatz. Ab 1870 wurde die Mannheimer Straße nach und nach „in Richtung Mannheim“ weitergeführt. 30 und 40 Jahre später gab es noch etliche freie Flächen.
1912 beantragte der Metzger Peter Groß für das Grundstück Mannheimer Straße 46 die Genehmigung für den Bau einer Gastwirtschaft. Das 1913 erbaute Wirtshaus hieß zunächst, der Lage und dem Straßennamen entsprechend, „Stadt Mannheim“. 1922 erfolgte eine Umbenennung in „Engel“. Religiöse Bezeichnungen im Land wie Engel, Dreikönige, Lamm, Kreuz oder Krone waren schon früh gebräuchlich.
1938 befindet sich in dem Gebäude eine Wirtschaft, ein Schlachthaus und ein Metzgereibetrieb sowie Wohnungen. 1949 ist die Witwe Elisabeth Groß, geb. Gentner, als Inhaberin aufgeführt, 1950 Richard Heger als Nachfolger und Pächter. Er beantragte als erster Wiesentaler die Aufstellung eines Spielautomaten unter der Bezeichnung „Geschicklichkeitsspiel“.
1952 ist Johanna Groß, Schwiegertochter von Elisabeth Groß, als Pächterin benannt. Noch im selben Jahr übernahm Josef Groß, später Nikolaus Scheidt, sodann Anton Schönecker den „Engel“ mit Schlachtstätte und Fleisch- und Wurstverkauf. Ihm folgte 1958 Robert Keim. 1966 ist Metzgermeister Johann Heger der Betreiber. 1968 endet die Geschichte der Gaststätte nach nur 55 Jahren.
Von 1970 bis 1976 wird daraus der „Club 19“. 1973 bekommt Heinrich Oestreicher die Erlaubnis für einen Barbetrieb. Dann folgt die Zeit als „Happy Night“. Am 28. August 1987 startet das „Café-Bistro Amadeus“ mit einer Eröffnungsparty „Karibische Nacht“ in Wiesental. Der derzeitige Wirt heißt Stefanos Christoforidis.
(W. Schmidhuber)


