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Schwäbisches Urgestein verstorben

Wildberg trauert um Walter Schultheiß

Schauspieler, Autor, Maler, Humorist: Walter Schultheiß hatte so viele Talente, dass man ihn kaum beschreiben kann.
Foto: Privat

Sein Leben war ein Abenteuer, sein Charakter unvergleichlich, seine Liebe zu seiner Familie unermesslich. Noch zu seinem 98. Geburtstag im Mai sagte er mit Blick auf das Älterwerden: „Man muss stets annehmen, was kommt.“ Genau das tat Wildbergs geschätzter Ehrenbürger am 22. Dezember 2025, als er die Bühne dieser Welt für immer verließ.

Im Schwabenland und darüber hinaus war Walter Schultheiß bekannt und wurde geschätzt. Seine Bühnenkarriere begann 1947 in der Operette „Maske in Blau“, wahrhaft berühmt machte ihn seine Rolle in den Straßenkehrer-Sketchen im ehemaligen Süddeutschen Rundfunk. Ab 1963 unterhielt er 20 Jahre lang zusammen mit Werner Veidt die Radiozuhörer. Bis ins hohe Alter wirkte Walter Schultheiß bei diversen Produktionen mit. Die Leidenschaft für die Bühne begleitete ihn und machte auch einen Teil von ihm und seinem Wesen aus. Seine unnachahmliche Art machte ihn zu einem echten Publikumsliebling. Humor, Wortwitz, punktgenaue Pointen und seine warmherzige Art machten Walter Schultheiß auch privat zu einem immer interessanten Gesprächspartner. Im Gegensatz zu seiner unbeschwerten und lockeren Art, war er bei der Arbeit stets diszipliniert und konzentriert. Viele Szenen gelangen ihm bereits im ersten Durchlauf.

„Man muss alles in Maßen zu sich nehmen, nicht nur mit Maßkrügen.“ Diesen Satz hat Walter Schultheiß geprägt. Und so bestand sein Leben nicht nur aus öffentlichkeitswirksamen Auftritten. Seine Familie, seine verstorbene Frau Trudel Wulle, sein Sohn Götz und seine zwei Enkelkinder, waren der Mittelpunkt seines Lebens. Für sie schlug sein Herz bis zum letzten Tag. Der Tod seiner Frau, der Liebe seines Lebens, hat Walter Schultheiß schwer getroffen. Walter Schultheiß und Trudel Wulle waren seit 1950 verheiratet. Sie waren Partner, unzertrennlich und – obwohl beide eigenständige Charaktere waren – wie eine Einheit. Seine letzten Tage verbrachte Walter Schultheiß, sonst ein Freund von Begegnungen, daher im Kreise seiner Familie und Freunde. „Meine wirkliche Heimat sind meine Frau und mein Sohn“, sagte er einst. Nichtsdestotrotz blieb er über die Geschehnisse in seiner Wahlheimat Wildberg stets informiert. Zum Schäferlauf 2022 schaute er noch beim Schäferlaufmorgen am Rathaus vorbei. Denn, wie er einst sagte: „Heimat ist mehr als Haus und Garten.“ Walter Schultheiß nahm nie ein Blatt vor den Mund. Bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Wildberg am 22. Januar 2016 scherzte er noch: „Mein Sohn Götz achtet streng darauf, dass ich meine Medikamente pünktlich einnehme – man möchte ja gesund sterben.“

101 Jahre lang hatte Walter Schultheiß ein erfülltes und vor allem ereignisreiches Leben. Ein Leben, aus dem er gerne erzählt hat. Bei so mancher seiner Geschichten konnten die Zuhörer einfach nur staunen. Und sicher waren das nicht einmal alle.

Walter Schultheiß wird eine Lücke im Leben vieler hinterlassen. Doch in Vergessenheit wird er sicher niemals geraten. Und so wird ein Teil von ihm weiterleben. Denn wie Immanuel Kant sagte: „Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, ist nicht tot. Er ist nur fern. Tot ist nur, wer vergessen wird.“ In diesem Sinne wurde die Straße im Baugebiet „Sonnenrain“ nach Walter Schultheiß benannt.

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUM
10.01.2026
Dieser Inhalt wurde von Nussbaum Medien weder erfasst noch geprüft. Bei Beschwerden oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte an den zuvor genannten Erfasser.
Orte
Wildberg
Kategorien
Kultur