
Wind ist unberechenbar – davon zeugen alte literarische Werke. In der Oper „Der Fliegende Holländer“ von Richard Wagner beklagt der Kapitän Daland einen heftigen Sturm, der sein Schiff in eine gefährliche Situation brachte, mit den Worten: „Wer baut auf Wind, baut auf Satans Erbarmen!“. In einem Wilhelm Busch zugeschriebenen Gedicht ruft ein ärgerlicher Windmüller: „Hat man Korn, so fehlt’s am Winde, hat man Wind, so fehlt das Korn.“
Doch nun kommt ein weiterer ungünstiger Faktor hinzu. Der Klimawandel bewirkt wegen der steigenden Temperaturen die Abnahme der Windgeschwindigkeit. Dieses Phänomen nennt sich „Wind Stilling“. Der Klimaforscher Gan Zhang von der University of Illonis Urbana-Champaign analysierte Klimasituationen in Szenarien mit großer Emission. Dabei stellte der Wissenschaftler einen Rückgang der Windgeschwindigkeit (d. h. Windstillstand) von bis zu ∼15 % während der Sommermonate in den nördlichen mittleren Breiten fest. Das hat spürbare Auswirkungen auf die Stromerzeugung durch Windkraft, da die Energieausbeute von Windkraftanlagen (WKA) sehr stark (in der 3. Potenz) von der Windgeschwindigkeit abhängt. Schon seit den 1960er Jahren sank die mittlere globale Windgeschwindigkeit laut Horizont Europe der EU pro Jahrzehnt um 0,5 km/h. Zhang sieht eine Verschärfung von Energieproblemen – auch wegen des zunehmenden Bedarfs an Klimaanlagen im Sommer in den dicht besiedelten Mittleren Breiten.
Quellen: Klimawandel gefährdet Stromproduktion der Windkraft, Robert Klatt, 05.08.2025, www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/umwelt/klimawandel-gefaehrdet-stromproduktion-der-windkraft-133710404
Studie: Gan Zhang 2025 Environ. Res. Lett. 20 034015
Angesichts dieser Erkenntnisse wundern wir von Gegenwind uns über den ungebremsten Ausbau der Windkraft – auch in Schwachwindgebieten. Denn gerade die Schwachwindgebiete sind am ehesten betroffen. Möglicherweise stehen gerade in diesen Gebieten wie in Baden-Württemberg in Zukunft die Rotoren meistens still. Tragischerweise müssen aber für die Windkraftanlagen viele Waldflächen weichen, die Tieren und Pflanzen als Habitat und den Menschen als Naherholungsgebiet dienen. Aber gerade beim Klimawandel sind Wälder unsere wichtigsten Verbündeten. Wir brauchen eine verlässliche, naturverträgliche und bezahlbare Energieversorgung.
Termine:
Freitag, 30.01.26, Politische Podiumsdiskussion über das Thema Energieversorgung. Beginn: 19 Uhr im Zehntkeller.
Monatstreffen: Donnerstag, 12.02.26 um 19.30 Uhr im Neuen Ludwigstal.
Kontakt: karin.reinhard12@gmail.com, Spendenkonto DE96 6709 2300 0033 3033 27.
Weitere Infos: gegenwind-bergstrasse.de.
Dr. R. Kraft