
Im September 2023 herrschte Goldgräberstimmung bei den Stadtwerken Stuttgart. Sie erhielten den Zuschlag für den Bau von Windkraftanlagen (WKA) am Standort Zollernalb. Zusammen mit dem Unternehmen Uhl Windkraft wollten sie auf dem Gebiet entlang der Gemeindegrenzen von Grosselfingen, Haigerloch, Rangendingen und Hechingen 8 WKA mit einer installierten Gesamtleistung von ca. 58 MW bauen. Nach ihren Rechnungen hätten diese ca. 60.000 Drei-Personen-Haushalte im Jahr mit Ökostrom versorgen können. Doch bevor dies konkret wurde, mussten sie entsprechende Gutachten einholen. Dabei sorgten die Windmessungen für Ernüchterung. Denn diese ergaben, dass die Windstärke etwa 10 bis 15 % unter den prognostizierten Annahmen liegen. Somit ist aus Sicht beider Investoren ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlagen nicht gegeben. Der Technische Geschäftsführer der Stadtwerke Stuttgart bedauert dies sehr. Aber „gleichzeitig stehen wir für einen verantwortungsvollen und glaubwürdigen Ausbau der erneuerbaren Energien – dazu gehört auch, Projekte nicht weiterzuverfolgen, wenn sie sich wirtschaftlich nicht umsetzen lassen“, wird er in der Pressemeldung zitiert. Für die beiden Investoren ist es sicherlich ärgerlich, da sie schon die Genehmigungsanträge eingereicht und die Pachtverträge mit den Gemeinden geschlossen hatten. Die Genehmigung für die WKA sollte im Laufe dieses Jahres erfolgen. Doch Naturschützer können nun aufatmen, da das Waldgebiet (das auch Touristen anzieht) nicht mehr als Standort für WKA in Frage kommt.
Quelle: Schwäbische, 22.01.26, www.schwaebische.de/regional/zollernalb/rangendingen/7-windraeder-sollten-60-000-haushalte-versorgen-doch-ploetzlich-steht-alles-infrage-4289797
Dieses Ereignis zeigt, dass auf Prognosen kein Verlass ist. Jahrelange Windmessungen sind notwendig, um die Wirtschaftlichkeit eines Windparks zu beurteilen. Am Weißen Stein lief bisher keine Windmessung, am benachbarten Lammerskopf ließ die Stadt Heidelberg 2024 eine Windmessung von 3 Monaten durchführen. Über die Schwachstellen dieser Messung haben wir bereits in der Ausgabe 2025 KW21 berichtet, über das mit dem Klimawandel verbundene „Windstilling“ (ein zunehmendes Problem für WKA) in der Ausgabe 2026 KW4. Und wenn von einer „installierten“ Leistung von WKA die Rede ist, klaffen oft große Unterschiede zur weitaus niedrigeren „realen“ Leistung.
Nächstes Monatstreffen: Donnerstag, 12.02.26 um 19.30 Uhr im Neuen Ludwigstal. Interessierte sind herzlich willkommen.
Kontakt: karin.reinhard12@gmail.com, Spendenkonto DE96 6709 2300 0033 3033 27.
Weitere Infos: gegenwind-bergstrasse.de
Dr. R. Kraft