Das erste päpstliche Lehrschreiben von Papst Leo XIV im zweiten Jahr seines Pontifikats mahnt, sich nicht von KI beherrschen zu lassen, sondern sie zu „entwaffnen“.
In Abschnitt 110 heißt es dort „Schließlich möchte ich einen Begriff benutzen, der mir am Herzen liegt: ‚entwaffnen‘. KI zu entwaffnen bedeutet, sie der Logik des bewaffneten Wettbewerbs zu entziehen, der heute nicht mehr nur militärischer, sondern auch wirtschaftlicher und kognitiver Natur ist. Bei diesem Wettrennen geht es um den leistungsfähigsten Algorithmus und die größte Datenbank, um einen geopolitischen oder kommerziellen Vorsprung gegenüber allen anderen zu festigen. Entwaffnen bedeutet, diese Gleichsetzung von technischer Macht und dem Recht zu herrschen aufzubrechen. Entwaffnen bedeutet nicht, auf die Technologie zu verzichten, sondern zu verhindern, dass sie den Menschen zu beherrscht.“
Univ.-Prof. Dr. Klaus Zierer, Ordinarius für Schulpädagogik, Universität Augsburg, hat am 28. Mai 2026 eine hervorragende und treffende Pressemitteilung zu dieser Enzyklika veröffentlicht. Sie lautet:
„Menschlichkeit in den Mittelpunkt: Durch Bildung KI entwaffnen!“
Professor Klaus Zierer zieht erziehungswissenschaftliche Konsequenzen aus der Enzyklika „Magnifica humanitas“ (MH) von Papst Leo XIV: „Humanistische Wende in der Pädagogik ist überfällig“
Papst Leo XIV. legt mit seiner ersten Enzyklika den Finger in die globale Wunde: Bei aller Digitalisierungseuphorie, wie sie derzeit in so vielen gesellschaftlichen Sektoren zu vernehmen ist, laufen wir Gefahr, die Kontrolle über die Technik zu verlieren. Daher räumt er im 4. Kapitel seiner ersten Enzyklika der Bildung im Kontext der globalen digitalen Herausforderungen einen zentralen Stellenwert für die „Wahrheit als Gemeingut“ (MH 132 – 147) ein:
„In einer Zeit, in der die Wahrheit oft Interessen und Kommunikationsstrategien untergeordnet wird, kommt der Bildungswelt eine entscheidende Bedeutung zu. Doch die rasanten technologischen Veränderungen machen deutlich, wie unvorbereitet wir im Bildungsbereich sind. Die allgegenwärtigen digitalen Medien schaffen eine Kultur der Unmittelbarkeit und Überstimulation, die angesichts des Aufwands, der für die Suche nach der Wahrheit erforderlich ist, zu Ermüdung, Langeweile und Apathie führt.“ (MH 139).
Mit diesen Worten prangert Papst Leo XIV. eine naive Digitalisierung an, die sich allein dadurch zeigt, möglichst viel Technik in die Klassenzimmer zu bringen, dabei aber ihren Grundauftrag der Bildung vergisst. Dieser ist im Kern ganz anders gelagert, wie die Suche nach Wahrheit zeigt. So weist er der Schule eine „zentrale Rolle“ zu (vgl. MH 143–147), insofern sie „der Ort (ist), an dem die neuen Generationen lernen können, die Wahrheit zu suchen und zu lieben, sich mit dem Sinn des Lebens und mit der Würde eines jeden Menschen auseinanderzusetzen.“ (MH 143).
„Der Bildungsbereich tut deshalb gut daran, sich mit der Analyse und den Schlussfolgerungen von Papst Leo XIV zu beschäftigen, zumal der Heilige Vater auch als studierter Philosoph und Mathematiker über sein oberstes Lehramt hinaus interdisziplinäre Impulse und Maßstäbe im globalen Diskurs setzt, die gerade einer in den letzten Jahren massiv verengten Forschungsperspektive in der Erziehungswissenschaft wieder weite Horizonte und fundierte Grundlagenreflexion ermöglichen kann.“ (Quelle: die-pädagogische-wende.de/durch-bildung-ki-entwaffnen/ (Ende Teil 1).
In Teil 2 und 3 werden die von Zierer genannten grundlegenden Aspekte für eine humane Bildung dargelegt:
(1) Menschenwürde und Ehrfurcht vor dem Leben als pädagogische Leitmotive
(2) Pädagogik vor Technik
(3) Schule und Familie als Orte der Bildung für das Individuum und die Gemeinschaft.
Und: Vielleicht sollte man nicht von KI sprechen (künstliche Intelligenz), denn mit Intelligenz hat dieses System nichts zu tun, sondern von AD (automatisierte Datenverarbeitung) oder SVM (statistische Vorhersagemodelle), dann wäre vielleicht das Vertrauen in diese Technik gebrochen.
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