Aus dem Spiegel-Artikel vom 16. April 2026 „Macht die KI uns dumm?“ stehen heute drei weitere Fragen im Fokus: „Haben die Lehrer Angst vor KI? Wie macht man Lehrpläne, wenn noch keiner weiß, was sie bewirken? Darf man KI ohne Führerschein nutzen?“
Zumindest misstrauisch seien die Lehrer gegenüber der neuen Technologie. Das zeige das aktuelle „Deutsche Schulbarometer“ der Robert-Bosch-Stiftung (Umfrage vom 11.11. bis 2.12.2024, 1.540 teilnehmende Lehrkräfte). Darin wurde deutlich: Ein Drittel glaube, das kritische Denkvermögen der Schüler leide unter KI. Ein weiteres Drittel der Lehrer verzichte bei der Unterrichtsvorbereitung ganz auf KI-Tools, und die meisten wüssten nicht, wie durch die neue Technologie Lernen verbessert werden könne. Sehr sicher im Umgang mit KI-Tools fühlten sich dagegen nur 6 %, eher sicher 32 %. Das bedeute, dass die Schüler mit dieser Technologie vielerorts alleingelassen würden.
Die Sicht der Schüler zeigt eine Umfrage von Infratest im Auftrag der Vodafone-Stiftung (2024). 1.500 Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren waren gefragt worden, wie sie KI nutzen. 38 % der Schüler gaben an, KI sei in ihrer Schule kein Thema, genauso viele, dass es dazu keine klare Regelung in der Schule gebe, und 7 %, dass die Nutzung von KI ihnen grundsätzlich verboten sei.
Für Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, gibt es deshalb Aufholbedarf bei KI: „Schule ist hier weder alltagsgerecht noch zukunftsorientiert.“
Ein Problem sei die Erstellung von Lehrplänen, wenn noch keiner wisse, was sie bewirkten, denn für solide Studien brauche es Zeit, und bis zu den Ergebnissen und deren Bewertung sei das KI-Modell, mit dem die Studie durchgeführt worden sei, veraltet.
In fast allen Bundesländern gebe es zwar Handreichungen für Lehrende, um die Schüler an die Nutzung von KI heranzuführen, diese blieben jedoch hinsichtlich der Methode oftmals vage. Das größte Problem: Grundsätzlich sei offen, welche Leistungen im Zeitalter der KI überhaupt erforderlich seien.
Wie ein Führerschein für KI in Schulen aussehen könnte, zeigt ein Beispiel aus einer 10. Klasse eines Gymnasiums in Wuppertal. Daran wird deutlich, wie durch geeignete Problemstellungen Schüler erfahren und beurteilen können, dass KI nicht immer recht hat. So können die Jugendlichen ein kritisches Bewusstsein für den Umgang mit KI entwickeln, weil sie verstehen, dass ein Chatbot eigentlich eine „Wahrscheinlichkeits-Vorhersagemaschine“ ist – und nicht mehr.
Und: Wer bei allem den Chatbot befrage, der schränke irgendwann die Fähigkeit ein, kritisch zu denken, sage Lehrer Urban. „Das Gehirn ist wie ein Muskel, der trainiert werden muss.“ Würde es nicht mehr trainiert, gingen Kompetenzen verloren. Bei einem KI-Führerschein ginge es deswegen darum, die Risiken der KI nicht zu verteufeln, sondern aufzuzeigen, wie mit KI Leistungen verbessert werden könnten.
So werden im Unterricht von Felix Urban im Rahmen des KI-Führerscheins auch Apps erstellt, mit denen sich ein typisches Schülerproblem lösen lässt. Z.B.: wie man durch ein entsprechendes Tool zu mehr mündlicher Beteiligung im Unterricht motiviert werden kann. „Die App zählt, wie oft man sich gemeldet hat“, erklärt ein Schüler. „Und wenn man sich selten traut – aus Angst, eine falsche Antwort zu geben – erscheint auf dem Display der Satz: ‚Du musst nicht perfekt sein.‘“ (Quelle: www.spiegel.de/wissenschaft/man-fuehlt-sich-dann-son-bisschen-bloed-a-688913b0-3ef0-4868-83b6-e88937dc983b)
Was in diesem Artikel grundsätzlich offen bleibt, ist das Thema der gesundheitlichen Belastung der Schüler durch WLAN beim Arbeiten mit Chatbots sowie die grundlegende pädagogische Frage des „Cui bono?“ (Wem nützt es).
Der Artikel ist ein wichtiger Impuls, aber er zeigt auch, dass es eine Sicht braucht, die gesundheitliche Risiken einbezieht– sonst könnte KI am Ende nicht die Lösung, sondern ein neues Problem sein.
„Die Ingenieure des Silicon Valley haben schon vor langer Zeit aufgehört, Computer zu programmieren, und sich stattdessen der Programmierung menschlichen Verhaltens zugewandt.“
*(Giuliano da Empoli, „Die Stunde der Raubtiere“, S. 76, C.H.Beck, 2025, aus: die-pädagogische-wende.de/wp-content/uploads/2026/05/BfhB_2026_Stellungnahme_Expertenkommission_Pub.pdf) Ende Teil 2.
In Teil 3 geht es dann um die letzten vier Fragen im Artikel: „Macht die KI uns dumm?“: „Kann KI Jugendliche auch klüger machen? Warum fällt man so leicht auf die Chatbots rein? Stimmt es, dass KI das Hirn schrumpfen lässt? Sollen schon Grundschüler mit Chatbots lernen?“
Passend zum Thema: Prof. Dr. Dr. Gertraud Teuchert-Noodt: „Die KI-Sackgasse für das menschliche Gehirn – Können wir der noch entkommen? Erkenntnisse aus der Entwicklungsgeschichte der Menschheit und des Kindes.“ Donnerstag, 11. Juni 2026, Neckartenzlingen, Aula der Auwiesenschule. Beginn: 19.30 Uhr. Herzliche Einladung.
Wir freuen uns über neue Mitglieder im InfoMobilFunk Neckartenzlingen und Umgebung, Ortsgruppe im Mobilfunk Bürgerforum e. V.
Die Vorsitzenden: Prof. a. D. Helmuth Kern, Bert Hauser
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