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Dies und das

//Wir stellen vor: Kunsthandwerk im Oberen Enztal//

Alexandra Mayer – Filzgestalterin aus Leidenschaft In Nonnenmiß wohnt eine Künstlerin, deren Filzskulpturen dem einen oder anderen bestimmt schon...
Alexandra Mayer ist Filzgestalterin mit Leib und Seele - wie man schon an den Ohrhängern aus Filz erkennen kann.Foto: Claudia Benz

Alexandra Mayer – Filzgestalterin aus Leidenschaft

In Nonnenmiß wohnt eine Künstlerin, deren Filzskulpturen dem einen oder anderen bestimmt schon einmal ins Auge stachen – zum Beispiel bei der Ausstellung regionaler Künstler im Schaufenster der ehemaligen Trachtenstube Streicher in Enzklösterle oder an einem Stand beim Weihnachtsmarkt in Enzklösterle, beim dortigen Heidelbeerfest oder beim Adventsmarkt in Sprollenhaus. Eines ihrer vielleicht auffälligsten Werke ist ein Kuhkopf mit Bollenhut. Die Rede ist von Alexandra Mayer, Filzgestalterin mit Leib und Seele.

Alexandra Mayer ist verheiratet, hat fünf erwachsene Kinder und ist seit 36 Jahren als Physiotherapeutin tätig. Daneben findet sie aber auch immer wieder Zeit, um ihrer künstlerischen Leidenschaft nachzugehen. Ihre Liebe zum Filzen entdeckte Alexandra Mayer, als eine Freundin mit ihr filzte und dann eine Elternarbeit in der Waldorfschule ihrer Kinder sich auch um dieses vielfältige Kunsthandwerk drehte.

Im Jahr 2021 begann Alexandra Mayer sogar eine dreijährige Ausbildung zur Filzgestalterin an der Filzschule in Oberrot bei Schwäbisch Hall. Aufgrund von Corona dauerte die Ausbildung etwas länger als geplant, doch im vergangenen Jahr konnte sie ihre Abschlussarbeit schließlich vorlegen.

Schon in der Steinzeit wurde gefilzt, und bis heute hat diese uralte Technik nichts an ihrer Faszination verloren. Es ist fast ein Mysterium, wie aus Schafwolle, Wasser und Seife durch Reibung und Wärme ein festes, elastisches, isolierendes, nicht brennbares Material wird, das in einer Vielzahl von technischen Produkten verwendet wird, aus dem sich aber auch Kleidung oder Zeltdecken fertigen lassen – und natürlich auch Dekorationsgegenstände aller Art. Der Fantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt, und Alexandra Mayer hat wahrlich eine Menge Fantasie – und dazu auch noch das nötige handwerkliche Geschick.

Filztechniken

Es gibt über 400 verschiedene Schafrassen und jede hat ein anderes Fell. Wenn die Sprache auf Schafe und ihre Wolle kommt, ist Alexandra Mayer ganz in ihrem Element und sprudelt nur so vor Begeisterung. Die unterschiedliche Beschaffenheit und Färbung der Wolle nutzt sie ganz bewusst aus, um ihren Kunstwerken jeweils einen besonderen Charakter zu verleihen.

Beim Nassfilzenwird gekämmte Wolle mit Wasser und Seife so lange bearbeitet, bis sich die Wollfasern verzahnen und Filz entsteht. Unter Alexandra Mayers Händen entstehen daraus dann beispielsweise Lampenschirme, aber auch Bilder oder Decken, die anschließend jeweils noch mit bunten Motiven verziert werden.

Für ihre gefilzten Felleverwendet Alexandra Mayer möglichst ganze Vliese. Um so ein Vlies zu erhalten, muss der Schafscherer eine besondere Technik anwenden, damit die Rohwolle eines ganzen Schafes am Stück bleibt. Dabei steht die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt: Aus frisch geschorener Wolle entstehen ohne Chemie, nur mit Wasser, Seife und Muskelkraft neue gefilzte Felle und ein wertvoller Rohstoff erhält wieder Bedeutung, statt entsorgt zu werden. Die Sitzkissen, die auf diese Weise entstehen, sind sehr angenehm weich und warm – und doch schwitzt man nicht, denn die Feuchtigkeit kann gleich wieder aus dem Fell entweichen.

Trockenfilzennennt man die Technik, bei der das Verzahnen der einzelnen Wollfasern mit Hilfe einer Filznadel herbeigeführt wird. Diese hat ganz feine Widerhaken und beim Hineinstechen in die übereinandergelegte gewaschene und gekämmte Schafwolle verhaken sich die Fasern immer mehr. Um eine massive Form zu erhalten, muss man natürlich ganz oft stechen, doch auf diese Weise kann Alexandra Mayer die verschiedensten kompakten Formen hervorbringen. Das sind oft Schaf- oder Kuhköpfe, die tatsächlich lebenden Vorbildern nachempfunden sind und alle einen Namen haben, aber zum Beispiel auch Rehköpfe mit echtem Gehörn oder kleine Tierfiguren.

Meditatives Arbeiten mit vielfältigem Werkstoff

Bei ihren Arbeiten kommt am Ende nicht immer das heraus, was sich Alexandra Mayer vorgenommen hat. „Der Filz macht, was er will“, sagt sie lachend. „Die Fasern entwickeln ein Eigenleben und es ist jedes Mal eine Überraschung, was sich entwickelt.“ Das Filzen bezeichnet die sympathische Künstlerin als eine meditative Tätigkeit, bei der die Hände arbeiten und der Kopf frei wird.

Und weil Alexandra Mayer so gerne filzt und dabei eine Vielzahl wunderschöner Objekte herstellt, verkauft sie diese auch. Entweder bei sich daheim in Nonnenmiß oder auf den schon erwähnten Ständen in der näheren Umgebung. Auf ihrem Instagram-Account allerleigefilztes kann man sich informieren, an welchen Märkten sie teilnimmt. Und gerne gibt sie ihre Leidenschaft für das alte Kunsthandwerk auch weiter und bietet Filz-Kurse bei sich zu Hause an. (cb)

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exklusiv online
von Stadt Bad WildbadRedaktion NUSSBAUM
29.05.2026
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