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Kirche & Religion

„Wir wollten eigentlich nur die Kirche streichen“

St. Cyriak baut Zukunft im Kirchenraum Das Gemeindeteam St. Cyriak informierte über den Einbau von Gemeinderäumen in die Kirche und die damit verbundene...
Architektin Svenja Bakran stellt sich vor.Foto: Lukas Laier

St. Cyriak baut Zukunft im Kirchenraum

Das Gemeindeteam St. Cyriak informierte über den Einbau von Gemeinderäumen in die Kirche und die damit verbundene Spendenkampagne. Baustart ist nach der Kerwe.

Der anstehende Einbau von Gemeinderäumen in die St. Cyriak-Kirche bewegt die Dielheimer. Das Interesse an der Gemeindeversammlung im Pfarrsaal war so groß, dass Stühle dazugestellt werden mussten. Auch Bürgermeister Glasbrenner und Mitglieder des Gemeinderats kamen. Zunächst erklärte Jürgen Ritz vom Gemeindeteam, welche Veränderungen auf die Gemeinde St. Cyriak in der neuen Pfarrei zukommen. Der Gottesdienstplan in der seit dem 1. Januar bestehenden Kirchengemeinde Wiesloch sieht vor, dass in jeder Gemeinde in vier von sechs Wochen eine Messfeier stattfindet.

Fünfzehn wiederberufen

In Dielheim sei man aber in der glücklichen Situation, dass Rudolf Grammetbauer als Priester im Ruhestand diese Lücke fülle, „so lang er kann und will“, sodass jede Woche in Dielheim die Eucharistie gefeiert werden kann. Positiv wertete Jürgen Ritz auch, dass das Pfarrbüro mindestens bis zum Ende der Bauarbeiten geöffnet bleiben kann wie bisher. Stolz sei man darauf, dass drei Personen aus dem Gemeindeteam in den Pfarreirat gewählt wurden: Judith und Sabine Moser, Letztere ist auch im Pfarreivermögensverwaltungsrat vertreten, sowie Jürgen Ritz als Vorstandsmitglied des Rates.

Gemeindeteam-Sprecherin Beate Ringel rief wach, welche Aktionen vom Gemeindeteam seit 2015 umgesetzt oder angeregt wurden. Darunter sind die Gestaltung von Wort- und Familiengottesdiensten, das Adventskranzflechten, das wöchentliche Mittagessen für Senioren, das Fastenessen sowie das Cyriak-Fest jeden Sommer. Mehr als fünfzehn Gemeindemitglieder stellten sich anschließend zur Wiederberufung. Die fand unkompliziert mit Handzeichen statt und wurde mit viel Applaus abgeschlossen.

13 Jahre in Planung

„Es war einmal … und ich war dabei“ begann Jürgen Ritz mit dem mit Spannung erwarteten Hauptteil des Abends zum Kirchenumbau. Geschlagene 13 Jahre läuft die Planung für den Einbau von Gemeinderäumen im Kirchenrund bereits. Ursprünglich war geplant, die Kirche nur zu streichen. Weil das Erzbistum Freiburg jedoch feststellte, dass der Gebäudebestand der Gemeinde von Pfarrsaal über das Edith-Stein-Haus bis hin zum Pfarrhaus mit dem großen Garten in Zukunft nicht haltbar sei, wurde zur Grundbedingung für die Renovation gemacht, dass die Gemeinde die genannten Gebäude aufgibt und stattdessen Gemeinderäume in die Kirche einbaut.

Zunächst war ein zweigeschossiger Einbau vorgesehen. Als während der Corona-Pandemie dann die Baupreise explodierten, musste der Bauausschuss die Kosten um über 1 Million Euro senken. Das gelang mit einer eingeschossigen Variante in Kombination mit der Umnutzung der Sakristei als Küche und Toiletten-Raum. „Ich bin beeindruckt, wie viel Zeit und Herzblut der Bauausschuss hier investiert“, begann Svenja Bakran, Architektin beim Erzbischöflichen Bauamt Heidelberg, die Präsentation der Pläne.

Unkomplizierte Zusammenarbeit

Für deren Umsetzung liegt seit Monatsbeginn die Baugenehmigung vor. Sie lobte die unkomplizierte Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde Dielheim, die es möglich gemacht habe, dass der Bauantrag nach nur drei Monaten durchgegangen sei. In einnehmender Weise stellte Bakran das Bauvorhaben vor und nahm Einwände aus dem Publikum ernst. Sie betonte, dass die eingeschossige Variante des Einbaus den Vorteil habe, dass die Küche und WCs nun nicht mehr direkt an den Altarbereich grenzen, sondern ausgelagert sind im Sakristei-Anbau, wodurch keine Probleme durch Feuchtigkeit und Gerüche nicht mehr zu befürchten seien. Neben dem Anbau entsteht ein direkter Eingang zum Gemeindeteil.

Jugendraum im EG

Der Altar wird ein Stück nach vorne versetzt, damit im Kirchenrund der 77 m² große Gemeindesaal gebaut werden kann. Damit ist er circa ein Drittel kleiner als der jetzige baufällige Pfarrsaal und bietet Raum für 96 Stuhlplätze. Der Umgang im Kirchenrund soll zusätzlich als Aufenthaltsbereich dienen. Um ihn heller und zugänglicher zu gestalten, werden dort drei Eingänge geschaffen. Damit es nicht schallt, sind die Seiten des Gemeindesaals um 5 Grad angeschrägt, was laut Bakran aber nicht auffallen werde. Im Erdgeschoss entsteht neben dem Gemeindesaal ein Jugendraum. Lagermöglichkeiten gibt es künftig in zwei Räumen über dem Gemeindesaal sowie im Kirchenraum an den Seiteneingängen des Langhauses, die geschlossen werden. Im Gegenzug bekommt die Kirche ihren alten Eingang rechts vom Josefsaltar zurück und erfährt somit eine Öffnung hin zum Dorfplatz. Rund um den neuen Altarbereich wird es flexible Bestuhlungsmöglichkeiten geben, die Bänke im Langhaus bleiben erhalten.

Unruhe beim Heizkonzept

Erste Unruhe im Publikum kam auf, als Oliver Sauer, der technische Leiter des Umbaus, das Heizkonzept vorstellte. Da eine Fußbodenheizung mit über 350.000 Euro nicht zu finanzieren gewesen wäre, wird der Bereich rund um den Altar mit Infrarot-Heizstäben von der Decke erwärmt. Die Bänke vor dem Altarbereich werden mit einer Sitzheizung ausgestattet, die Bänke beim Haupteingang werden aber nicht beheizt. Hier könne man bei Bedarf mit Wärmesitzkissen arbeiten. Auch würden überall in der Kirche spezielle Steckdosen eingebaut, um später mit mobilen Heizstrahlern ergänzen zu können, wo es an Wärme fehlt. „Das ist ein zukunftsfähiges Konzept für diese Kirchengröße“, sagte Sauer. „Wir beheizen zukünftig die Personen, nicht den Raum.“ Das sei auch eine sinnvolle Vorgabe der Erzdiözese, um die Energiekosten gering zu halten. Ritz erinnerte daran, dass die aktuelle Heizung um 3 Uhr nachts angeschaltet werden muss, damit es bei der sonntäglichen Messfeier um 10:30 Uhr einigermaßen warm sei. Dieser Aufwand stünde in keinem Verhältnis.

4,2 Mio. für Umbau

Der für die Projektsteuerung zuständige Hermann Sommer verkündete, dass der Bau in Absprache mit der politischen Gemeinde Dielheim nach der Kerwe beginne, damit der Dorfplatz ohne Einschränkungen genutzt werden könne. Sommer betonte, dass der 4,2 Millionen teure Umbau außergewöhnlich hoch von der Erzdiözese bezuschusst sei, die 60 Prozent der Kosten trägt. Das sei außergewöhnlich. Matthias Stöhr, Leiter des Erzbischöflichen Bauamts Heidelberg, ergänzte aus dem Publikum heraus, dass ein Zuschuss in dieser Höhe sogar einmalig sei. Im Gegenzug erwartet die Erzdiözese, dass die Gemeinde einen Eigenanteil von 100.000 Euro einwirbt. Nico Wagenblass vom Fundraising-Team gab bekannt, man strebe sogar an, 300.000 Euro einzuwerben. Der Hintergrund ist, dass die Küchenausstattung extra bezahlt werden muss und dass die Dielheimer sich eine Trennwand zwischen dem Kirchen- und Gemeindebereich wünschen, die vom Boden bis zur Decke reicht.

Abschied und Aufbruch

Svenja Bakran bestätigte, dass die Wand auch nachträglich in voller Größe gebaut werden könne. Aus Kostengründen ist aktuell eine nur 3,8 Meter hohe Wand zur sichtbaren Trennung vorgesehen. Dadurch ist es laut dem Gemeindeteam nicht möglich, eine Veranstaltung parallel zum Gottesdienst vorzubereiten, weil das zu laut wäre. Zudem fürchtet man Essensgerüche in der Kirche. „Der Umbau wird ein Abschied und ein Aufbruch zugleich. Wir kämpfen dafür, dass er so gut wie möglich wird“, motivierte Wagenblass die Versammelten. „Und dieser Umbau geht alle in Dielheim etwas an, nicht nur die Kirchenbesucher – und wenn es nur der Moment an der Kerwe ist, dass ich die Toilette der Kirche nutzen kann statt des WC-Wagens.“

Spendenkampagne ab 27.6.

Die Spendenkampagne beginnt am Samstag, 27. Juni, wenn alle Chöre Dielheims und der Musikverein für ein Benefizkonzert zusammenkommen. Dass der Spendenaufruf unter einem guten Stern steht, zeigte ein Kuvert im Briefkasten einige Tage vor der Gemeindeversammlung. Ein anonymer Spender hatte 5000 Euro hineingelegt, dazu einen Zettel, auf dem stand: „Die Wand muss her!“ Pfarrer Stefan Schaaf, selbst Mitglied im Bauausschuss, stellte den Umbau unter Gottes Segen: „Segne die Umbauarbeiten, damit die Kirche mit dem neu eingebauten Gemeinderaum ein Ort des Friedens und der Geborgenheit für alle wird. Gott segne euch, mit dem Mut, Altes loszulassen und mit dem Vertrauen, dass das Neue gut wird.“ Bei Brot und Wein wurde noch lange diskutiert an diesem Abend. Trotz mancher Sorgen war zu spüren: Wir schaffen das gemeinsam. (ll)

Pfarrer Schaaf spricht den Segen.Foto: Lukas Laier
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von Röm.-Kath. Kirchengemeinde WieslochRedaktion NUSSBAUM
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