Das Projekt wird auf den Arealen Campus Nord und Campus Süd im Industriepark Philippsburg, dem Gelände des ehemaligen Goodyear-Werks mit rund 26 Hektar Grundstücksfläche, einen Hyperscale-Rechenzentrums-Campus mit direktem 380 KV-Netzanschluss und Batteriespeicher entstehen. Im Rahmen eines Pressegesprächs im Philippsburger Rathaus, an dem auch die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderates teilnahmen, stellte Geschäftsführer Markus Wirth das Projekt „EnGriDa“ vor. Dieses steht für eine integrierte Energie-, Netz und Datenplattform am Standort. Der Name verbindet die drei Säulen Energy, Grid und Data. „Die Größenordnung wird bundesweit einmalig sein“, so Wirth, der im Anschluss auch den gesamten Gemeinderat in einer öffentlichen Sitzung informierte.
Mit dem Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplanes fällt der Startschuss des Projekts, wobei die Wirth Gruppe zusammen mit der Stadt Philippsburg das Bauleitplanverfahren für das Sondergebiet „DEC Daten.Energie.City“ anstößt. Markus Wirth, der aktuell mit sechs potentiellen Partnern Gespräche führt und verhandelt, sprach von einer Gesamtinvestitionssumme zwischen 15 und 20 Milliarden Euro. Der erste Bauabschnitt soll 2029/30 erfolgen. Das Unternehmen Wirth-Gruppe mit Markus und Andreas Wirth ist stark im Solar-Sektor aktiv und hat in den vergangenen Jahren über 2,5 GW an erneuerbarer Leistung realisiert. Zu den Tätigkeiten gehören Solarenergie-Projekte und Batteriespeicher.
„Die Abwärme soll künftig Philippsburger Haushalte versorgen, perspektivisch auch weitere Kommunen am Oberrhein wie Hockenheim, Waghäusel, Oberhausen-Rheinhausen sowie MVV, Stadtwerke oder Industrie“, betonte Philippsburgs Bürgermeister Stefan Martus, der weiter ausführte: „Wir haben gezeigt, dass wir in Philippsburg Energie hinbekommen.“ Der Netzanschluss auf der bestehenden 380-kV-Höchstspannungsebene am ehemaligen Standort des Kernkraftwerks Philippsburg sei durch einen mit TransnetBW geschlossenen Vertrag gesichert. Zur Verbindung errichtet EnGriDa in räumlicher Nähe der Schaltanlage auf der Rheinschanzinsel ein eigenes Umspannwerk sowie unterirdische Kabeltrassen zum Industriepark. Das Vorhaben wird als Bebauungsplan Sondergebiet „DEC Daten.Energie.City“ in einem gemeinsamen Plangebiet entwickelt. Stadt und Vorhabenträger haben sich darauf verständigt, das Verfahren in enger und transparenter Abstimmung mit dem Landratsamt Karlsruhe und Fachbehörden zu führen.
Bürgermeister Stefan Martus zum Projekt:“ Philippsburg ist seit Jahrzehnten Energiestandort für ganz Baden-Württemberg und hat eine starke, industrielle Tradition. Erst Kernkraft, dann der ULTRANET-Konverter und demnächst einer der größten Batteriespeicher Deutschlands, perspektivisch grüner Wasserstoff. Nun kommt mit EnGriDa auch digitale Infrastruktur in einer Größenordnung, die nationale Bedeutung hat. Wir gestalten unseren Strukturwandel selbst, statt zu warten, bis ihn andere für uns gestalten.“ Damit bekomme man in der Kommune ein Stück weit das zurück, was mit der Schließung von Goodyear an Arbeitsplätzen und Wertschöpfung verloren gegangen sei. Martus: „Qualifiziert, zukunftsfest, mit nachhaltigen Gewerbesteuereinnahmen. Wir nutzen industrielle Flächen, die wir haben, statt neue Grünflächen zu versiegeln.“
Ein wesentlicher Bestandteil des Vorhabens ist die Auskopplung der bei der Datacenter-Kühlung anfallenden Niedertemperatur-Abwärme, wobei die Wärmewende in Deutschland eigentlich noch gar nicht richtig gestartet sei, hieß es. Markus Wirth: „Die Wirth Gruppe ist ein regional verwurzeltes Familienunternehmen mit Sitz in Waghäusel, wenige Kilometer von Philippsburg entfernt. Wir investieren hier nicht von außen, sondern in unsere eigene Heimatregion, und das mit einem Generationenhorizont. EnGrida ist mehr als ein Rechenzentrumsprojekt: Wir verbinden Energie, Netz und Daten zu einer integrierten Plattform und nutzen dabei eine der wertvollsten Infrastrukturen, die Deutschland besitzt, die bestehende 380-kV-Anbindung am ehemaligen KKP-Standort. Es wäre volkswirtschaftlich kaum zu rechtfertigen, diese Höchstspannungsinfrastruktur nicht für die digitale Souveränität unseres Landes nutzbar zu machen. Wir tun das auf einem Brownfield, mit Abwärmenutzung für die Region und in echter Partnerschaft mit der Stadt Philippsburg und ihren Bürgerinnen und Bürgern. Der Standort gehört uns seit über sieben Jahren, und für uns war immer klar, dass es keinen Besseren gibt.“
Auch die Geschäftsführung von TransnetBW hat sich bereits geäußert und betont, dass mit dem Anschluss dieses ersten Rechenzentrums an das Höchstspannungsnetz von TransnetBW ein wichtiger Meilenstein erreicht sei. Man bringe neue digitale Infrastruktur ans Netz und schaffe damit eine zentrale Voraussetzung für Wertschöpfung und Zukunftsfähigkeit in der Region Philippsburg, insbesondere für Batteriespeicher und Rechenzentren. Fakt ist: Gleich fünf große Datenautobahnen führen direkt zum Standort. Damit ist Philippsburg digital so gut angebunden wie nur wenige Orte in Deutschland – vom Industriestandort am Oberrhein zum digitalen Knotenpunkt der Republik. Markus Wirth: „Das Projekt ist keine Utopie. Wir müssen die Chance in Philippsburg nutzen. Wenn bis Ende des Jahres die Partner feststehen, kann es losgehen.“ Und Philippsburgs Rathauschef Stefan Martus, der von den vier D – Digitalisierung, Datacenter, Demokratie und Dekarbonisierung - und der Realisierung eines Stadtwerkes sprach: „Durch dieses Projekt kann die ganze Stadt langfristig Wärme aus dem Datacenter beziehen. Günstig, CO2-frei und krisensicher.“
