
Das Stadtarchiv stellt ab sofort mit einer kleinen Vitrinenausstellung Gaststättenakten vor, die einen sprechenden Einblick in ein farbiges Kapitel Stadtgeschichte geben.
Bereits vor fast fünfzig Jahren erhielt das Stadtarchiv einen Bestand mit historischen Gaststättenakten. Die knapp 300 Akten aus Reutlingen und den Bezirksgemeinden stammen vor allem aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert und entstanden bei der Beantragung sogenannter „Wirtschaftskonzessionen“, Zulassungen für den Betrieb einer Gastwirtschaft oder eines anderen gastronomischen Betriebs, in dem Alkohol ausgeschenkt werden sollte. Die stadtgeschichtlich wichtigen Unterlagen wurden vor Kurzem archivisch erschlossen und stehen nun zur Benutzung bereit.
Für die Erteilung einer solchen Wirtschaftskonzession wurde in Württemberg seit 1855 die Überprüfung der persönlichen Eignung des Gastwirts und der baulichen Eignung des Gebäudes nötig. Damit bilden die Archivalien Quellen für die Geschichte einzelner Reutlinger Gaststätten, die über die Pächter und Besitzer, aber auch über Namenswechsel oder bauliche Veränderungen um die Jahrhundertwende Aufschluss geben. Darüber hinaus dokumentieren die Gaststättenakten auch immer wieder das wirtschaftliche und räumliche Wachstum Reutlingens im frühen 20. Jahrhundert. Gezeigt werden stellvertretend Akten zur Eröffnung eines Kiosks an der 1928 eröffneten Straßenbahnhaltestelle in Altenburg, in denen sich der Straßenbahnbetrieb als wirtschaftlicher Faktor konkret niederschlug.
Die Ausstellung der Wandvitrinen vor den Diensträumen des Stadtarchivs im Erdgeschoss des Rathauses kann jederzeit zu den Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden.