Die Fußball-Weltmeisterschaft geht vom 11. Juni bis 19. Juli in Mexiko, Kanada und den USA über die Bühne / Lutz Wagner, Ex-Schiedsrichter, TV-Experte und Lehrwart des Deutschen Fußball-Bundes, äußert sich und gibt einen Tipp ab
„Die Herausforderung wird sein, alle Schiedsrichter auf eine gemeinsame, transparente und praxisnahe Linie zu bringen“
Region ..... von Hans-Joachim Of
Lutz Wagner zählt mit fast 200 Bundesliga-Spielen und mehr als 100 Zweitliga-Einsätzen bis heute zu den Schiedsrichtern mit den meisten Berufungen. Zum Ende der Saison 2009/10 hatte der heute 63-Jährige nach Erreichen der Altersgrenze seine Laufbahn als Schiedsrichter beendet und fungiert aktuell als Schiedsrichter-Beobachter in der Bundesliga – oft in der Arena in Sinsheim bei den Spielen der TSG Hoffenheim. Als Lehrwart des Deutschen Fußball-Bundes ist der gebürtige Hesse an der Basis tätig und fungiert darüber hinaus als Redner und Referent. Bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 war Lutz Wagner als gefragter TV-Experte im Einsatz, ebenso bei den aktuellen Spielen in der Champions-League. Als profunder Kenner seiner Zunft wird er zudem für die ARD und Servus-TV aus Österreich die komplette Fußball-Weltmeisterschaft im Juni und Juli 2026 begleiten und einzelne Szenen aus Sicht des Unparteiischen kommentieren. Lutz Wagner ist beim nächsten Fortbildungs-Lehrgang der „Fußballtrainer-Vereinigung Kreis Bruchsal“ auf der Sportschule Schöneck im Januar 2027 als Gastreferent eingeladen und wird sich dann auch mit Verbandssportlehrer Rainer Scharinger austauschen.
Wie stehen die Chancen des deutschen Teams bei der anstehenden WM und wie beurteilen Sie die Preissituation bei den Tickets ?
Wagner: Ich bin ein großer Fan unserer Nationalmannschaft und kann mir vorstellen, dass unsere Mannschaft bis ins Viertelfinale, vielleicht sogar bis ins Halbfinale kommt, denn das Potential ist vorhanden. Dann ist sowieso alles möglich. Bei den Eintrittskarten wäre es natürlich wünschenswert, wenn sich auch der normale Fan ein Ticket leisten kann, zumal für die Anhänger aus anderen Ländern in Europa, Afrika, Asien oder Australien/Neuseeland die Flugkosten hinzukommen.
Die WM findet in den drei verschiedenen Ländern Mexiko, Kanada und den USA statt. Eine gute Entscheidung?
Wagner: Das ist natürlich eine politische Entscheidung. Ich glaube, der Flair ist besser, wenn ein solches Turnier in einem oder vielleicht in zwei Nachbarländern ausgetragen wird, was natürlich auch ökologische Gründe hat. Dadurch würden die Reisen für die Fans angenehmer und für die Umwelt besser.
Ist die WM durch die aktuelle Weltlage und die besondere Rolle der USA politisch zu sehr aufgeheizt und im Fokus?
Wagner: Ich hätte gerne die Trennung von Sport und Politik. Ein Sportler ist vor allem daran interessiert, sein Land zu vertreten und Erfolg zu haben. Dafür haben alle lange trainiert. Man denke nur an die Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau. Da fiebern alle Athleten darauf hin, stellen jahrelang ihren Trainingsplan darauf ein – und dann boykottiert Deutschland wie auch die USA die Spiele, während die DDR teilnahm. Viele sahen sich um die Olympiateilnahme gebracht. Diese Olympiade war durch die damalige Teilung Deutschlands und den Kalten Krieg geprägt. Heute gibt es die bekannten neuen Herausforderungen mit all den Krisen auf der Welt.
Wer wird Weltmeister?
Wagner: Ich glaube, es gibt vier, fünf Kandidaten und denke, dass Spanien ganz weit vorne ist. Natürlich gehört auch Frankreich dazu - und Deutschland, wenn der Bundestrainer die richtige Mischung findet. Die Herausforderung wird sicher sein, wer mit den Verhältnissen und Gegebenheiten in den drei Ländern am besten zurecht kommt.
Was erwarten Sie aus Sicht eines Schiedsrichters von der WM. Gibt es Neuerungen in Sachen VAR?
Wagner: Die Herausforderung wird sein, alle Schiedsrichter auf eine gemeinsame, transparente und praxisnahe Linie zu bringen, da wir ja Schiedsrichter aus fünf Kontinenten mit unterschiedlichen Voraussetzungen haben. Körperlich fit sind bestimmt alle und auch die Fachkompetenz haben sie, jedoch eine völlig unterschiedliche Wettkampfpraxis. Zudem gilt es natürlich, die Neuerungen sinnvoll zu integrieren und auf Fair Play wird besonderes Augenmerk liegen. Darauf sind die Schiedsrichter bereits vorbereitet, zudem hat der VAR mehr Überprüfungsaufgaben. Aktuell wird auch eine gegebene Gelb-Rote Karte überprüft und bei klaren Fehlern beim Eckstoß wird ebenfalls eingegriffen. Kurzum kommt wieder einiges, auch an administrativen, zusätzlichen Aufgaben auf die Schiedsrichterteams zu. Sicherlich wird es eine echte Herausforderung und nicht einfacher. Doch die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft ist bei uns allen da, zumal ich selbst als Experte für die ARD und Servus-TV in Österreich die komplette WM begleiten darf.
Text/Foto: Hans-Joachim Of


