
Man sollte nichts auf dem Kerbholz haben, wenn man zum feierlichen Amtswechsel eines Leitenden Oberstaatsanwaltes geladen ist. Am Montag dieser Woche hatte sich in der Stadthalle Museum ein hochrangiges Publikum aus den Reihen der Justizbehörden Baden-Württembergs versammelt, angefangen bei der Ministerin der Justiz und für Migration, Marion Gentges, und bei Generalstaatsanwalt Frank Rebmann, über einen Gutteil der Land- und Amtsgerichtspräsidenten sowie der Leitenden Staatsanwälte im Sprengel des Oberlandesgerichtes Stuttgart, bis hin zu Vertretern der Polizei, diverser Behörden und der Kommunen.
Grund war die feierliche Verabschiedung in den Ruhestand des Leitenden Oberstaatsanwaltes der Staatsanwaltschaft Hechingen, Jens Gruhl, sowie die feierliche Amtseinsetzung seines Nachfolgers, des Leitenden Oberstaatsanwaltes Dr. Alexander Hauser.
In der Praxis hat beides bereits Mitte des letzten Jahres stattgefunden, der Festakt bot aber Gelegenheit, sich ein Bild vom aktuellen Justizstandort Hechingen zu machen. Die Begrüßung oblag dem ständigen Stellvertreter des Leitenden Oberstaatsanwalts, Oberstaatsanwalt Ivo Neher.
Anschließend würdigte Ministerin Gentges den Einsatz von Jens Gruhl im baden-württembergischen Justizdienst und konstatierte „fachliche Exzellenz, Gestaltungswillen und einen Kompass für Verantwortung“ bei dem Juristen, der die Hechinger Staatsanwaltschaft von 2016 bis 2024 geleitet hatte und dabei federführend den Umzug in das neue Domizil in der Fürstin-Eugenie-Straße organisiert und begleitet hatte. „Sie haben Spuren hinterlassen“, so die Bewertung der Ministerin.
Dr. Alexander Hauser hat, wie Jens Gruhl, bereits etliche wichtige Stellen in der Justiz im Ländle durchlaufen, Gentges bescheinigte „fachliche Breite, analytische Tiefe und Verantwortungsbewusstsein“. Zuletzt hat Hauser im Justizministerium an verantwortlicher Stelle die Einrichtung eines Opferschutzes mit organisiert, dazu wurde an jedem Landgericht in Baden-Württemberg eine Stelle geschaffen – einzigartig innerhalb der BRD.
Dem scheidenden Gruhl galten die besten Wünsche für den Ruhestand, Dr. Hauser für die Arbeit in der Staatsanwaltschaft Hechingen, die er ja bereits ein knappes halbes Jahr erfolgreich leitet.
Bürgermeister Philipp Hahn lobte in seinem Grußwort den Justizstandort Hechingen, die Investition des Landes in das neue Domizil der Staatsanwaltschaft sowie den fortschrittlichen Einsatz der EDV bei der Hechinger Justiz. Hahn erklärte, es brauche eine starke Justiz, um klarzustellen, dass in einer Demokratie nicht das Recht des Stärkeren zähle, sondern die durch die Verfassung und Gesetze garantierten Rechte.
Die musikalische Umrahmung der Veranstaltung war Hauser’sche Familiensache: Im Tübinger Vokalensemble singt Ehefrau Dagmar Hauser mit, Sohn Paul Hauser wirkte als Cello-Solist. Bach, Debussy, Schubert und Brahms kamen auf professionellem Niveau zu Gehör. Ganz erstaunlich vor allem, wie ein einzelnes Cello den Europasaal des Museums füllen kann.
Den Schluss der Veranstaltung bildeten die Ansprachen von Jens Gruhl und Dr. Alexander Hauser. Beide zeigten sich würdevoll bescheiden: Die gute Arbeit ist insbesondere dem kollegialen Miteinander, dem Einsatz aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Staatsanwaltschaft geschuldet.
Das Schlusswort hatte Dr. Alexander Hauser, und der ließ, in Abwandlung eines früheren Gruhl’schen Ausspruches, wissen: „Wo die Staatsanwaltschaft Hechingen ist, ist vorne.“