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Interkultureller Treffpunkt

Wurzelwerk: Gemeinschaftsgarten verbindet Kulturen

Im interkulturellen Gemeinschaftsgarten „Wurzelwerk“ treffen sich Menschen aus verschiedenen Ländern, um gemeinsam zu gärtnern, zu feiern und mehr.
Vera Nitsche am Eingang zu ihrem Gartenparadies.Foto: ch

In Wiesloch zwischen Friedhof und Waldangelbach liegt etwas versteckt ein besonderer Ort: Im interkulturellen Gemeinschaftsgarten „Wurzelwerk“ treffen sich Menschen aus verschiedenen Ländern, um gemeinsam zu gärtnern, zu feiern – und unterschiedliche Kulturen kennenzulernen.

Wer dem Radweg zwischen Wieslocher Friedhof und Leimbach folgt, passiert zunächst den Naturkindergarten – und entdeckt kurz darauf ein idyllisches Fleckchen. Auf rund 1.000 Quadratmetern ist hier ein lebendiger Garten entstanden, auf Grund, der von der Stadt zur Verfügung gestellt wird. Bunte Beete, eine Freifläche für Feste und ein Unterstand prägen das Gelände. Ein besonderer Blickfang ist der große Lehmofen, der bei Veranstaltungen wie den „Cooking Events“ genutzt wird.

Idee aus Engagement entstanden

Die Wurzeln des Projekts reichen ins Jahr 2015 zurück. Damals wollten einige Wieslocher mehr tun, als Geflüchteten nur bei Behördengängen zu helfen. Ihr Ziel: einen Ort schaffen, an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen und sich auf Augenhöhe begegnen. Vera Nitsche kam sehr früh und ganz zufällig dazu. „Ich bin mit dem Fahrrad vorbeigefahren und habe einen umgegrabenen Acker gesehen. Ein Schild kündigte die Entstehung des Projekts an“, erzählt sie. „Da wusste ich sofort, dass ich mitmachen will.“

Gemeinschaft gut organisiert

Rund 80 Mitgärtner von 0 bis 80 Jahren aus zwölf Nationen engagieren sich aktuell im „Wurzelwerk“, viele davon Kinder. „Ich nenne sie meine Gartenenkel“, sagt Nitsche. Ein neunköpfiges Leitungsteam organisiert das Miteinander. Mittlerweile sind echte Freundschaften entstanden, die über das gemeinsame Gärtnern hinausgehen. Jeder, der mag, kann ein eigenes Beet übernehmen.

Ein Farbsystem hilft bei der Orientierung: Grün markiert Gemeinschaftsflächen, Gelb mit Namen der privaten Beete. Auch das Gießen ist geregelt – mit einer einfachen Tagesanzeige mit Wäscheklammern direkt am Beet. Jährlich bringt sich jeder Mitgärtner etwa 20 Stunden ein. Die Aufgaben werden über eine Online-Liste koordiniert. Wer sich nicht von selbst meldet, wird immer angesprochen. „Spätestens nach der dritten Erinnerung läuft es“, sagt die Gärtnerin mit einem Augenzwinkern.

Naturgarten mit Wildtieren

Der Garten ist nicht nur ein sozialer Treffpunkt, sondern auch ein kleiner Naturraum. Ob im eigenen oder im Gemeinschaftsbeet, im Wurzelwerk wird ausschließlich ökologisch gegärtnert. Kunstdünger, Pestizide oder Insektizide sind im Gemeinschaftsgarten absolut verboten. Die naturnahe Fläche zieht viele Wildtiere an. Ein Mausmarder und sogar ein Mäusebussard wurden bereits gesichtet.

Auch Schmetterlinge wie der Schwalbenschwanz fühlen sich hier wohl. Heimische Vögel fühlen sich in den umliegenden Bäumen wohl und liefern ein Vogelkonzert in Dauerschleife. Ein Austausch mit einem Gemeinschaftsgarten bei München brachte zusätzliche Impulse. So entstand unter anderem die Idee eines „lebenden Zauns“, der zugleich als praktisches Material für den Garten dient.

Herausforderungen bleiben

Trotz der positiven Entwicklung gibt es auch Schwierigkeiten: Immer wieder kommt es im Sommer zu Erntediebstählen, oder auch Gartenmöbel wurden schon beschädigt. Jetzt weist ein Schild darauf hin, dass nur Mitglieder oder Gäste in Begleitung von Mitgliedern den Garten betreten dürfen. Die Stadt Wiesloch unterstützte das Projekt von Beginn an – zunächst mit der Fläche, später auch bei der Wasserversorgung.

„Die Stadt hat uns von Anfang an in allem immer super unterstützt und wir sind sehr dankbar“, lobt Vera Nitsche die gute Zusammenarbeit. Einziger Wermutstropfen sei die mittlerweile kostenpflichtige Toilettenanlage, die mittlerweile 50 Cent pro „Gang kostet“ und die vollautomatischen Türen für Unbehagen sorgen. Heute ist der Garten unter dem Dach der Bürgerstiftung organisiert, die auch die jährlichen Kosten von rund 1.000 Euro übernimmt.

„Anfangs war ich skeptisch, ob wir unsere Unabhängigkeit verlieren könnten“, sagt Nitsche rückblickend. „Aber die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend.“ Da der Garten für alle Mitglieder komplett kostenfrei ist, können alle sorgenfrei die Freiluftsaison genießen.

Mitmachen jederzeit möglich

Wurzelwerke gibt es seit über 20 Jahren in Deutschland. Wer Interesse hat, Teil der Wieslocher Gemeinschaft zu werden, kann sich bei Vera Nitsche melden. Weitere Informationen sowie Kontaktdaten auf wurzelwerkwiesloch.wordpress.com.

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