…, dass ein Akkordeonorchester aus verschiedenen Stimmen besteht?
In den kommenden Wochen möchten wir nach und nach die verschiedenen Gruppen unseres Orchesters vorstellen. Nachdem letztes Mal unsere 3. Stimme im Mittelpunkt stand, ist heute die 4. Stimme an der Reihe.
Wer von außen auf ein Orchester schaut, achtet meistens zuerst auf die Melodie: die glänzenden hohen Töne, große Soli oder die schnellen Läufe. Doch irgendwo zwischen Bass, Schlagzeug und dem allgemeinen musikalischen Chaos sitzt die 4. Stimme – selten im Rampenlicht, aber unverzichtbar dafür, dass das Stück überhaupt ins Rollen kommt.
Während andere Stimmen sich in Melodien verlieren, sorgt die 4. Stimme dafür, dass alles zusammenbleibt. Und wenn der Bass einmal aus dem Takt gerät, wird notfalls eben gegen den Bass gespielt, irgendwer muss den Laden schließlich zusammenhalten.
Musikalisch besteht der Alltag oft aus vielen Dreiklängen und Wiederholungen. Nicht immer spektakulär, aber genau diese scheinbar einfachen Figuren geben dem Stück Stabilität und Bewegung. Die 4. Stimme spielt vielleicht nicht die Melodie, aber ohne sie würde vieles schlicht stehen bleiben.
Besonders spannend wird es, wenn auf einmal hohe Töne oder plötzlich alleinstehende Töne auftauchen. Dann macht sich gerne kollektive Verwirrung breit: Wer hat den Einsatz? War das jetzt ein Kreuz oder doch ein b? Kreuze werden ohnehin erstaunlich oft mit b vertauscht, immer öfter auch mit Überzeugung.
Leise spielen hingegen ist eher ein theoretisches Konzept, und während im restlichen Orchester ungefähr 30 Leute sitzen, versucht die 4. Stimme zu dritt so zu klingen, als wären sie mindestens genauso viele.
Am Ende ist die 4. Stimme sicherlich nicht die größte Stimme und vielleicht auch nicht die Stimme, die man nach dem Konzert im Kopf bleibt. Aber sie ist die Stimme, die das Orchester trägt, antreibt und zusammenhält. Irgendwo zwischen Rhythmusmaschine, musikalischem Überlebensinstinkt und einer Portion kontrolliertem Chaos.


