
Bereits zum zehnten Mal fand Anfang Februar 2026 die Woche für Demokratie und Toleranz statt. Das Programm beeindruckte durch eine große Vielfalt und innovative Angebote. Der inhaltliche Schwerpunkt für der aktuellen Themenwoche lautete Solidarität.
Oberbürgermeister Marco Siesing und Milena Brodt (DGB-Kreisvorsitzende) begrüßten die Gäste bei der Eröffnungsveranstaltung am 2. Februar im Jugendhaus, bevor die Dortmunder Professorin Ricarda Steinmayr den Auftaktvortrag mit dem Titel "Einsamkeit – geht uns alle an!" gestaltete.Sie stellte die aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung „Einsamkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt“ vor. Dabei wurde deutlich, dass Einsamkeit eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung ist, die bei weitem nicht nur die ältere Generation betrifft, sondern genauso auch Jugendliche und junge Erwachsene. Dabei gibt es Risikofaktoren wie z.B. Armut, die das Erleben von Einsamkeit zusätzlich verstärken. Die Referentin wies darauf hin, dass es besonders darauf ankommt, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen. Dies kann im direkten Umfeld, also in Familie und Nachbarschaft geschehen, aber auch durch das Zurverfügungstellen von sozialen Treffpunkten und Angeboten in der Stadt oder im Stadtteil.
Am folgenden Tag fand bei der Volkshochschule (vhs) ein Info-Vormittag für ältere Menschen zum Thema „Sicher vor Betrug im Internet!“ statt. Mit 35 Teilnehmern war die Veranstaltung komplett ausgebucht. Es referierten Silke Sitzler (Polizeioberkommissarin) und Jan Pillmeier (vhs). Abends wurde gemeinsam mit Cinema Paradiso der Dokumentarfilm „Solidarity“ gezeigt. Der Regisseur David Bernet blickt dabei Fachleuten im Bereich der Solidarität über die Schultern und versucht zu ergründen, wie weit die menschliche Solidarität reicht. Seine Kernbotschaft: Solidarität ist auch in Zukunft dringend notwendig, da die Welt nicht in derselben Geschwindigkeit Lösungen bereithalten kann, in der die Probleme entstehen.
Ein Online-Seminar für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte mit dem Titel„Das Agency-Konzept: Wie Projektarbeit junge Menschen zu solidarischem Handeln anregen kann“ wurde von Bernhard Edin (Realschullehrer, Vorstand KZ-Gedenkstätte Neckarelz) durchgeführt. Dabei wurde Edin durch einen ehemaligen Schüler seiner Geschichts-AG unterstützt. Dieses Seminar fand in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) statt. Am selben Abend konnten Quiz-Fans an einem Pub-Quiz im Quints teilnehmen, wobei vielfältige Fragen zu den Themenfeldern Wahl, Politik und Kultur zu beantworten waren. Sechs Teams rätselten um die Wette. Das Quiz hatte die vhs in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung auf die Beine gestellt.
Ibraimo Alberto war donnerstags im SAM Café am Burgplatz zu Gast und stellte sein Buch „Ich wollte leben wie die Götter“ vor; eine spannende autobiografische Erzählung, die davon handelt, wie hart sich der in Mosambik geborene Autor die Ausreise nach Europa erarbeiten musste und was mit seinen Träumen geschah, als er 1981 zunächst in der DDR und später dann in Westdeutschland, also im „Land der Götter“ angekommen war. Diesen Abend hatte das Bündnis für Toleranz gemeinsam mit der Agenda-Gruppe „Internationale Begegnung“ und der Sinsheimer Arbeitsgemeinschaft Migration veranstaltet.
Das Seniorennetzwerk Sinsheim bereicherte das Programm ebenfalls mit zwei Angeboten. So fand im evangelischen Gemeindesaal ein Generationendialog zum Thema „Gemeinsam solidarisch leben?!“ statt, bei dem sich die Teilnehmer in einer engagierten Diskussion die Frage stellten, wie ältere und jüngere Generation besser zueinanderkommen können. Es war deutlich vernehmbar, dass die Älteren teilweise gut verstehen, dass bei den Jüngeren das Vertrauen in die Zukunft und in die Verlässlichkeit der sozialen Sicherung verloren geht. Tags darauf wurde unter dem Motto „solidarisch statt solo“ zum gemeinsamen Singen in den katholischen Gemeindesaal eingeladen.
Auch in diesem Jahr setzte die Themenwoche einen besonderen Akzent bei der Demokratiebildung von Kindern und Jugendlichen. So wurden mit allen achten Klassen der Theodor-Heuss-Schule, der Kraichgau Realschule und des Wilhelmi-Gymnasiums Workshops mit dem Titel „Achtung! – Meine Meinung …“ durchgeführt. Die Schüler erfuhren, was der Unterschied zwischen einer Meinung und einer Behauptung ist und wodurch eine Aussage zu einer Beleidigung werden kann. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sie reagieren können, wenn jemand in ihrem Beisein beleidigt wird.
Zum Abschluss der Themenwoche fand am 6. Februar in der Halle der Carl-Orff-Schule ein „solidarisches Fußballturnier“ statt, an dem fünf Mannschaften teilnahmen. Dazu hatten das Fanprojekt Hoffenheim und das Jugendhaus Sinsheim eingeladen. Anders als bei klassischen Fußball-Turnieren wurden die Spiele mit kleinen Handicap-Runden gespielt, die Zusammenarbeit, Teamgeist und gegenseitige Unterstützung förderten. Bei den Spielen ging es trotz des solidarischen Grundgedankens ordentlich zur Sache und die Teams beeindruckten mit hohem Tempo und spielerischer Qualität.
Im Rahmen der Woche für Demokratie und Toleranz wurde ein Plakatwettbewerb ausgeschrieben, bei dem Kinder und Jugendliche zwischen 6 und18 Jahren ein Din A2-Plakat zum Thema Solidaität gestalten konnten. Die besten Plakatentwürfe wurden bei der Auftaktveranstaltung prämiert und sind noch bis zum 27. Februar im Rathaus-Foyer ausgestellt. Dort kann auch ein Rückblick auf „10 Jahre Woche für Demokratie und Toleranz“ besichtigt werden. Ebenfalls bis Ende Februar ist bei der Buchhandlung Doll ein Büchertisch zum Thema Solidarität eingerichtet.
Die Themenwoche wird in Verantwortung des DGB Nordbaden und des städtischen Kinder- und Jugendreferats durchgeführt. Bereits im April werden sich die Mitglieder des Organisationsteams treffen, um erste Gedanken für das Programm 2027 auszutauschen.