
Rund 7000 Besucherinnen und Besucher strömten zur diesjährigen Enzbeleuchtung nach Bad Wildbad – mehr als je zuvor. Doch der stimmungsvolle Abend fand für den einen oder anderen Bahnfahrer ein jähes Ende: Die Rückfahrt mit der Enztalbahn geriet zum Fiasko. Besonders der Zug um 23.05 Uhr – direkt nach dem großen Feuerwerk – war völlig überfüllt. Einige Fahrgäste mussten zurückbleiben, andere wurden in die Bahn gequetscht. Die Türen ließen sich nur mit Mühe schließen.
Dabei hatte die Touristik Bad Wildbad GmbH im Vorfeld mit der Anreise per Bahn geworben – und selbst dafür bezahlt, dass die AVG zur Enzbeleuchtung zusätzliche Wagen einsetzt. "Das war so vereinbart – wie auch schon im letzten Jahr", betont Geschäftsführerin Stefanie Bott. "Im Gegenzug durften alle, die ein Eintrittsbändchen oder eine Vorverkaufskarte hatten, kostenfrei mit der Bahn fahren. Genau deshalb haben wir den Vorverkauf früh gestartet."
Dass ausgerechnet die Bahn um 23.05 Uhr – die nach Ende des Feuerwerks die größte Menschenmenge befördern sollte – nur mit einem Wagen fuhr, sorgt bei Bott für Ärger: „Gerade an dieser Stelle hat es die meisten getroffen. Ältere Menschen, Familien mit kleinen Kindern – die standen verzweifelt an der Haltestelle oder mussten ein Taxi nehmen. Das war ein absolutes Negativerlebnis für viele Gäste.“
Auch die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) nimmt die Kritik ernst. Auf Anfrage des Wildbader Anzeigers teilt Pressesprecher Schirin Redzepovic mit:
„Anlässlich der Enzbeleuchtung in Bad Wildbad können wir bestätigen, dass uns Beschwerden zur Rückfahrt mit der Bahn zugetragen wurden. Für die Rückfahrt war ursprünglich eine Verstärkerfahrt mit zwei Fahrzeugen vorgesehen. Leider konnte der von den Aufgabenträgern zusätzlich bestellte Wagen aus betrieblichen Gründen nicht in Bad Wildbad eingesetzt werden.“
Man bedaure die Unannehmlichkeiten sehr, so Redzepovic weiter. „Im Nachgang werden wir, wo sinnvoll, Kompensationen im Rahmen der Mobilitätsgarantie prüfen. Wir bitten die betroffenen Fahrgäste deshalb, sich an unsere Servicestelle ‚Lob und Tadel‘ unter lobundtadel@kvv.de zu wenden.“
Erstattungen möglich – auch bei kostenloser Fahrt
Trotz des kostenfreien Angebots können laut AVG auch mögliche Taxikosten oder andere Auslagen geltend gemacht werden. Das Eintrittsbändchen oder die Vorverkaufskarte werde als gültiges Kombiticket gewertet – und falle somit unter die Mobilitätsgarantie.
Bott bekräftigt: „Wer nachweislich wegen der überfüllten Bahn nicht mehr mitgekommen ist und ein Ticket vorzeigen kann, sollte die entstandenen Kosten unbedingt einreichen. Das ist das Mindeste.“
Besonders ärgerlich sei für Bott, dass der Fehler der AVG in den Augen der Besucher bei der Touristik lande. „Wir haben mittlerweile rund 20 Beschwerden per E-Mail und Nachricht erhalten – die alle beantwortet werden wollen. Das kostet Zeit, Geld und vor allem Vertrauen.“ Noch gravierender sei der Eindruck, den Gäste mit nach Hause nähmen: „Für viele sah es so aus, als hätten wir das verbockt. Dabei haben wir gezahlt, organisiert und kommuniziert – und standen am Ende genauso fassungslos an der Haltestelle.“
Bott kündigt Konsequenzen an: „Wir behalten uns vor, die Rechnung an die AVG nicht vollständig zu bezahlen. Schließlich wurde die Leistung, für die wir gezahlt haben, nicht wie vereinbart erbracht.“ Die Touristik sei dazu aktuell in Verhandlungen mit dem Verkehrsunternehmen.
Erst eine Stunde später, um 0.05 Uhr, fuhr die Bahn wieder mit zwei Wagen – für viele zu spät. Bott selbst war an der Haltestelle und kam mit Gästen ins Gespräch: „Ich habe eine Familie aus Vaihingen/Enz getroffen, die ihr Auto in Pforzheim geparkt und extra die Bahn genommen hat – wie empfohlen. Die waren völlig frustriert. Und das kann ich verstehen.“
Ihr Fazit fällt deutlich aus: „So ein Abend darf nicht so enden. Wir brauchen Verlässlichkeit gegenüber unseren Gästen – sonst kommen sie beim nächsten Mal nicht mehr mit der Bahn. Und vielleicht auch nicht mehr zur Enzbeleuchtung.“ (mm)