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TechnologieRegion Karlsruhe vor Ort

Zukunft des Wohnens: Quartier Neue Mitte in Graben-Neudorf

Wohnraum ist knapp und teuer, der Geschossbau stockt, Bauland ist knapp. Wie sich dennoch zukunftsfähiger Wohnraum schaffen lässt.
Gebäudekomplex Neue Mitte in Graben-Neudorf
Das Netzwerk Kommunikation der TechnologieRegion Karlsruhe mit Architekt Heinz Hanen beim Rundgang durch das Quartier Neue Mitte in Graben-Neudorf.Foto: Martina Frietsch

Das Netzwerk Kommunikation der TechnologieRegion Karlsruhe diskutierte am Beispiel des Quartiers Neue Mitte in Graben-Neudorf mögliche Lösungsansätze.

Graben-Neudorf hat seit einigen Jahren das, was anderen Gemeinden fehlt: einen lebendigen Ortskern. Mit dem zentral gelegenen Quartier Neue Mitte wurden 173 Wohnungen geschaffen, Geschäfte, betreutes Wohnen, eine Tagespflege, Arztpraxen – CO₂-frei, autofrei und bei der Versorgung mit Strom und Wärme Selbstversorger.

Einzigartiges Energiemanagement-System

Das Quartier hat ein ausgeklügeltes System, das Wohnungen, Geschäfte und auch die benachbarte Sparkasse mit Strom und Wärme versorgt, die vor Ort erzeugt werden. Möglich ist dies durch eine Kombination von Photovoltaik, oberflächennaher Geothermie und einem Energie-Managementsystem, das das gesamte Quartier miteinander verbindet.

Zwei Männer in einem Technik-Raum des Quartiers Neue Mitte
Graben-Neudorfs Bürgermeister Christian Eheim (li.) und Jochen Ehlgötz, Geschäftsführer der TechnologieRegion Karlsruhe, in einem der Technik-Räume des Quartiers Neue Mitte.Foto: Martina Frietsch

Evohaus-Geschäftsführer Heinz Hanen stellte dem Netzwerk die Grundzüge der Anlage vor und erläuterte die Vorteile. So wird der eigenerzeugte Strom im 15-Minuten-Takt berechnet – eine Energieampel in den Wohnungen zeigt an, ob viel verbraucht wird oder ob der Strom gerade günstig ist. Lediglich im Winter muss Strom zugekauft werden. Grundsätzlich seien die Energiekosten bei vergleichbaren Gebäuden aus den 1970er oder 1980er Jahren mehr als doppelt so hoch, so Hanen.

„Insellösung“ ist schnell und wandelbar

Ein weiterer Vorteil des Energie-Managements: Das Quartier Neue Mitte kann mit weiteren Gebäuden oder Blöcken vernetzt werden. Und sollte es in naher Zukunft andere technische Möglichkeiten geben als die Wärmepumpen, könnten diese abgestellt und eine andere Technologie genutzt werden, so Architekt Heinz Hanen. Aktuell seien Insellösungen wie die Neue Mitte der richtige Weg, denn sie seien schnell realisierbar.

Kein Donut-Effekt in Graben-Neudorf

Graben-Neudorf brauchte solch eine schnelle Lösung. Die Gemeinde wächst stetig durch Zuzüge und braucht mehr Wohnungen, damit die örtlichen Unternehmen Leute einstellen können. „Wir kriegen das Wirtschaftswachstum anders nicht hin“, sagt Bürgermeister Christian Eheim. Zur gleichen Zeit sollte eines vermieden werden: der Donut-Effekt, also das Wachsen des Orts an den Rändern durch Einfamilienhäuser, während die Ortsmitte langsam ausblutet.

Diskussion zum Thema Wohnraumentwicklung in Graben-Neudorf
Diskussion zum Thema Wohnraumentwicklung (v. li.): Sparkassenvorstand Marc Sesemann, Architekt Heinz Hanen, Moderator Daniel Wensauer-Sieber, Bürgermeister Christian Eheim, Energie-Expertin Prof. Dr. Ute Karl.Foto: Martina Frietsch

So entstand die Idee zur Neuen Mitte – ein Projekt, das auf Geschosswohnungsbau setzt. Doch genau der ist nicht bei allen beliebt. „Der Traum ist immer noch das Einfamilienhaus“, sagt Christan Eheim. Wichtig beim Projekt sei der Konsens im Gemeinderat, die Unterstützung durch Technologieregion und den Mittelstand.

Die Babyboomer kommen

Entstanden ist ein Quartier, das auch eine gute soziale Qualität bietet: Viele „Superager“ haben ihre zu großen Einfamilienhäuser verlassen und sind froh, dass sie vor Ort alles finden, was sie brauchen. Ärzte, Physiotherapeuten und Geschäfte – und hier in der Neuen Mitte treffen sie immer jemanden zum Reden, es ist Leben eingekehrt. Es gibt einen Wochenmarkt, Aufenthaltsflächen und sogar einen „mobilen Wald“.

Lösungen für mehr Wohnungsbau

Die Teilnehmer der Diskussionsrunde, zu der auch Marc Sesemann, Vorstand Sparkasse Karlsruhe, und Prof. Dr. Ute Karl vom Europäischen Institut für Energieforschung gehörten, suchten nach weiteren Lösungen für den stockenden Wohnungsbau. Staatlicher Wohnungsbau oder Geothermie-Bohrungen ohne existierende Netze seien nutzlos, so Bürgermeister Eheim. Er betonte, man müsse „auch mal Gegenwind riskieren“. TRK-Geschäftsführer Jochen Ehlgötz hob die funktionierende Zusammenarbeit von Privatwirtschaft und Kommune hervor. Diesen politischen Mut, so Ehlgötz, würde er sich für viele Kommunen wünschen.

Erscheinung
exklusiv online
von Martina Frietsch
22.04.2026
Orte
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Kategorien
Wissenschaft & Technik