Die Wälder von morgen müssen widerstandsfähiger werden – ein Ziel, das in Unterlengenhardt am vergangenen Montag einen bedeutenden Schritt nach vorne gemacht hat. Auf einer speziell ausgewiesenen Waldfläche wurde ein zukunftsweisendes Projekt zur Ansiedlung klimaangepasster Baumarten offiziell eingeweiht.
Platz schaffen für die Eiche
Der zuständige Förster Alex Volkert hat den Standort in Unterlengenhardt als ideal für den Waldumbau von Fichten und Tannen in Eichen und Kiefern identifiziert. Um diesen lichtbedürftigen Baumarten optimale Startbedingungen zu bieten, wurden im Vorfeld sämtliche Tannen und Fichten aus der Fläche entnommen und die Eichen und Kiefern als Samenbäume belassen.
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Auf der nun lichten Fläche sind bereits zahlreiche kleine Eichen aus sogenannter Naturverjüngung aufgegangen. Das bedeutet, dass sich die Bäume dort auf natürlichem Wege selbst ausgesät haben.
Schutz vor Wildverbiss und wertvolle Unterstützung
Da die zarten Triebe der jungen Eichen ein begehrter Imbiss für das heimische Rehwild sind, musste die Fläche großflächig eingezäunt werden. Bei der Umsetzung dieses Schutzzauns ging die Stadt Bad Liebenzell neue, partnerschaftliche Wege: Unter Leitung von Klemens Keppler übernahmen Patienten aus dem offenen Maßregelvollzug der nahegelegenen Landesklinik Nordschwarzwald den kompletten Zaunbau.
Für die Stadt Bad Liebenzell ein enormer Gewinn, denn es fielen lediglich die Materialkosten für den Zaun an. Ohne diesen tatkräftigen und unentgeltlichen Einsatz wäre das ökologische Projekt in dieser Form nicht realisierbar gewesen.
Ein Gewinn für beide Seiten
Die zweite stellvertretende Bürgermeisterin, Frau Prof. Dr. Katrin Heeskens, nahm die offizielle Einweihung der Fläche vor. In ihrer Ansprache bedankte sie sich von Herzen bei den fleißigen Helfern und betonte den doppelten Wert der Aktion. Neben dem ökologischen Nutzen stand vor allem der menschliche Aspekt im Vordergrund. Bei der Einweihung kam es zu guten Gesprächen und dem Knüpfen wertvoller Kontakte.
Wie sinnvoll diese Kooperation ist, machten auch die Worte eines Helfers vor Ort deutlich: „Ich bin glücklich, der Gesellschaft etwas zurückgeben zu können. Es hat großen Spaß gemacht, diese sinnvolle und ökologisch wertvolle Arbeit zu übernehmen.“
Nachhaltiges Engagement im Landkreis
Die Arbeit im Unterlengenhardter Forst reiht sich in eine Serie erfolgreicher Projekte ein. Die Patienten des offenen Maßregelvollzugs der Landesklinik Nordschwarzwald bringen sich regelmäßig aktiv in der Region ein und sammeln dabei wertvolle Erfahrungen für ihre Resozialisierung. So waren sie in der Vergangenheit unter anderem bereits bei Brückenbauarbeiten beteiligt oder unterstützten die Kommunen bei der Reinigung verschiedener Brunnen.
Mit dem neuen Schutzzaun ist nun das Fundament gelegt, damit in Unterlengenhardt ein robuster Mischwald heranwachsen kann, der den Herausforderungen des Klimawandels trotzt.