Wanderungen am Albtrauf versprechen normalerweise spektakuläre Aussichten. Für die Wanderer, die sich letzten Mittwoch auf den Weg zu einer Runde um den Reußenstein aufmachten, wurden diese Erwartungen bei der Anfahrt etwas getrübt. Dünne Wolkenschleier lagen anfangs noch über der Albhochfläche, ehe der Parkplatz nahe des Reußensteins erreicht war.
Nach einem ersten schemenhaften Blick auf die Ruine ging's auf schmalem Pfad, begleitet von Veilchen und Anemonen am Wegesrand, zum Wanderparkplatz Bahnhöfle und auf dem Albsteig weiter in das Naturschutzgebiet Pfannenberg, eine der zahlreichen Biosphärenkernzonen mit Bannwaldcharakter. Immer wieder zeigte sich die Ruine – zuerst noch sehr verschwommen, dann von Mal zu Mal deutlicher. Beim Heimenstein mit seiner Höhle erfuhren wir die Geschichte vom reichen Riesen Heim, der hier wohnte, auf einen Goldschatz aufpasste und sich sehnlichst auf dem gegenüber liegenden Felsen eine Burg wünschte und die Reußenburg letztlich dann einem mutigen Handwerker schenkte. Ein gutes Stück weiter lichtete sich der Wald und ein Rastplatz lud uns zum Vesper ein.
Durch offene Wiesenlandschaft war nach der Pause bald der Rand vom Randecker Maar erreicht. Am Mönchberg vorbei führte der Weg auf den Schafbuckel, eine sorgsam von Helfern des Albvereins gepflegte ausgedehnte Wacholderheide. Hier oben sind noch Spuren der Burgstelle Randeck aus dem 13. Jh. zu finden. Von nun an ging's teilweise steil abwärts durch einen noch etwas rutschigen Hohlweg. Vorbei an der ehemaligen Naturschanze, wieder durch Heide- und blühende Streuobstflächen, gelangten wir über eine mit Schlüsselblumen übersäte Wiese schließlich ins Lindachtal an den Ortsrand von Neidlingen.
Hoch droben grüßte, fast höhnisch, die Ruine Reußenstein, denn nun stand der anstrengende und kräftezehrende Anstieg bevor. Der 20 % steile Hasenweg und die folgenden Serpentinen waren eine Herausforderung. Schließlich hatte aber auch der Letzte die Ruine erreicht und bald waren alle wieder zurück bei den Autos. Das hervorragende Essen bei der Schlusseinkehr im Harpprechtshaus war ein sehr gelungener Abschluss für diesen schönen Tag. Herzlichen Dank an Edith, die für uns diese reizvolle Wanderung ausgesucht und geführt hat.
gk.


