Meistertitel für Jonathan Hummel

Zwei Brüder auf Erfolgskurs im Stabhochsprung

Jonathan Hummel richtet den Blick konzentriert geradeaus. Seine recht Hand greift den Stab unten, die linke oben...
Jonathan Hummel
Jonathan Hummel schaffte es bei der deutschen Meisterschaft auf Platz eins.Foto: Privat

Kontrolliert macht er mit dem rechten Fuß einen Schritt zurück, setzt den linken locker auf die Ferse. Noch einmal durchatmen und er ist bereit: Jonathan Hummel sprintet auf die Matte zu, setzt den Stab zielgenau auf den Boden, schwingt sich nach oben und wuchtet seine Beine in die Höhe. Kopfüber steht er für den Bruchteil einer Sekunde in der Luft, ehe er mit den Füßen voran und inklusive schneller Drehung über die Latte fliegt. 4,85 Meter im Stabhochsprung hat er soeben geschafft – und sich damit den Titel deutscher Meister im Stabhochsprung in der Altersklasse U18 geholt.

Jonathan Hummel (15 Jahre) und sein Bruder Aaron (13 Jahre) wollen hoch hinaus – in zweierlei Hinsicht. Die beiden Teenager aus Schafhausen (Weil der Stadt) haben sich mit dem Stabhochsprung ein ungewöhnliches Hobby ausgesucht, das sie mit viel Ehrgeiz und großen Zielen verfolgen. Ihre Mutter Sandra Hummel ist Leichtathletiktrainerin. Vor zwei Jahren hatte sie sich zu einem Stabhochsprunglehrgang angemeldet, um ihre Trainerlizenz zu verlängern und Kenntnisse in dieser Disziplin zu erlangen. „Leider fand der Lehrgang nicht statt“, erinnert sie sich. „Weil wir aber großes Interesse am Stabhochsprung gezeigt hatten, organisierte Marcel Breuer, Bildungsreferent beim Württembergischen Leichtathletikverband, kurzerhand eine Hospitation für uns bei Landestrainer Stephan Munz, um uns in die Disziplin einzuführen.“ Damals hielt Jonathan Hummel zum ersten Mal einen Stab in der Hand – und stellte sich gleich so gut an, dass Stephan Munz ihm die Trainingsgruppe von Anjuli Knäsche empfahl. Die 31-Jährige ist auf Stabhochsprung spezialisiert, hat im Lauf ihrer Karriere einige Titel gewonnen, ist mehrfache deutsche Meisterin und trat 2024 bei den Olympischen Spielen an.

Für die beiden Brüder bedeutete der Einstieg in den Sport aber auch einen kleinen Abschied. In Weil der Stadt fanden sie leider nicht die richtigen Bedingungen für das Stabhochsprung-Training vor. Es seien nur sehr wenige der teuren Stabhochsprungstäbe vorhanden, erklärt Sandra Hummel, „und ich als Trainerin beherrsche nur die Grundlagen des Stabhochsprungs“.

Also wechselten die Brüder zu dieser Saison von der Sportvereinigung Weil der Stadt zur Leichtathletikgemeinschaft Leinfelden-Echterdingen, wo Anjuli Knäsche als Trainerin des Teams FlyHigh tätig ist. „Trotz des Vereinswechsels bleibt die Verbindung zu Weil der Stadt und der Sportvereinigung Weil der Stadt bestehen“, versichern Sandra Hummel und ihre Söhne. Beide leben weiterhin in Schafhausen, sind Mitglied in der Sportvereinigung und trainieren ab und zu auch noch im Weil der Städter Stadion.

Die Saison läuft herausragend

Die Entscheidung für den Wechsel hat sich bereits bezahlt gemacht. Am 12. Juli krönte sich der 15-jährige Jonathan im neu renovierten Lohrheidestadion in Wattenscheid zum deutschen Jugendmeister in der Altersklasse U18. Mit einem souveränen Sprung über 4,85 Meter sicherte er sich die Goldmedaille bei den nationalen Titelkämpfen. Ein Höhepunkt seiner bisherigen Karriere und das i-Tüpfelchen der bisher bereits herausragenden Saison. So sprang er im Juni bei der Bauhaus-Junioren-Gala bereits über 4,92 Meter und schnupperte an der magischen 5-Meter-Marke. Mit einem sehr guten 6. Platz mischte er als jüngster Teilnehmer das internationale U20-Starterfeld auf und schnitt als bester Deutscher ab.

Auch sein kleiner Bruder Aaron (13 Jahre) entwickelt sich unter Anjuli Knäsches Anleitung prächtig. Sowohl bei den württembergischen Meisterschaften in der Halle als auch draußen gewann er die Silbermedaille und sicherte sich mit übersprungenen 3,30 Meter einen Platz im Landeskader für die kommende Saison.

Viele Stellschrauben für technische Verbesserungen

Im ersten Jahr trainierte Jonathan Hummel ein Mal pro Woche – zusätzlich zu seinen weiteren drei Trainingseinheiten bei Anjuli Knäsche. Und auch Aaron stieg Ende des vergangenen Jahres mit ein. Der Erfolg stellte sich bei beiden Brüdern schnell ein. Nach einem Dreiviertel Jahr Training bei der deutschen Meisterin übersprang Jonathan Hummel bereits die 4,20 Meter – die Norm für die Aufnahme in den Nationalkader in der Altersklasse M15. Außerdem fuhr er seinen ersten Erfolg bei einer deutschen Meisterschaft im Stabhochsprung ein. In der Altersklasse U16 schaffte er es auf Anhieb aufs Treppchen und holte sich Bronze.

Angespornt von diesen Erfolgen hat Jonathan Hummel seine Trainingsintenstität mittlerweile noch gesteigert. Fünf Mal pro Woche investiert er zwei bis drei Stunden in seine Leidenschaft. In diesen Einheiten geht es um die richtige Technik beim Stabhochsprung, es werden aber auch Turnen, Kraft und Schnelligkeit trainiert. Die Disziplinen Weitsprung und Hürdenlauf dienen als Zubringer für den Stabhochsprung. Deshalb stehen auch Einheiten in diesen Bereichen auf dem Trainingsplan. Bei Wettkämpfen wird die Leistung in beiden Disziplinen ebenfalls überprüft. Wer im Stabhochsprung erfolgreich sein will, ist also keinesfalls auf nur eine Disziplin fokussiert, sondern muss vielseitige sportliche Leistung mitbringen und abrufen können. Dass Jonathan Hummel auch das beherrscht, stellte er in diesem Jahr bei einem Zehnkampf unter Beweis. An zwei Tagen gilt es dabei, 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoß, Hochsprung, 400-Meter-Lauf, 110-Meter-Hürdenlauf, Diskuswurf, Stabhochsprung, Speerwurf und 1.500-Meter-Lauf zu absolvieren. Bei den baden-württembergischen Meisterschaften holte er eine Silbermedaille in dieser anspruchsvollen Disziplin.

Genau diese Vielseitigkeit ist es, die Jonathan Hummel am Stabhochsprung – und am Zehnkampf – begeistert. Außerdem steckt in dem Jugendlichen ein kleiner Perfektionist. Er liebt es nämlich, an den vielen Stellschrauben zu arbeiten und zu drehen, um seine Technik immer weiter zu verbessern und zu verfeinern. Wie ihm das gelingt? Er geht die Bewegungsabläufe immer wieder im Kopf durch, bevor er versucht, das Erdachte in die Tat umzusetzen. „Was kann ich tun, um noch besser zu werden und die Stabhochsprungtechnik zu perfektionieren?“ Diese Frage stellt sich der junge Athlet immer wieder. Und es macht ihm Freude, für sich immer wieder neue Antworten darauf zu finden und an seiner Performance zu arbeiten.

Für Aaron Hummel liegt der Reiz im Stabhochsprung vor allem in dem unvergleichlichen Gefühl, sich hoch in der Luft über die Latte zu schwingen, sich vom Stab über die Latte tragen zu lassen und damit die Schwerkraft ein wenig außer Kraft zu setzen.

Wie geht es für die beiden Brüder weiter?

Die bisherigen Erfolge sind für die Brüder aber nur der Anfang. Jonathan Hummel hat sich das sportliche, für ihn aber bereits in greifbarer Nähe befindliche Ziel gesteckt, die 5-Meter-Marke zu knacken. Das große Ziel für die nächste Saison ist ein erster Start im Nationaltrikot. Außerdem möchte er seine erste Medaille bei den europäischen Meisterschaften in Italien gewinnen. Die Qualifikationsnorm für die Altersklasse U18 im nächsten Jahr (4,75 Meter) hat er bereits in der Tasche. Nun muss er sich nur noch beim Ausscheidungswettkampf im Juni nächsten Jahres gegen die Konkurrenz durchsetzen. Außerdem hat Jonathan Hummel den württembergischen Rekord von 5,34 Meter in der Altersklasse U18 im Visier. Ein langfristiges Ziel ist die Teilnahme bei Olympia. 2032 in Brisbane wäre durchaus realistisch, wenn er seine Leistung weiterhin so steigern kann wie bisher.

Auch Aaron Hummel hat mit seinen 13 Jahren schon große Ziele, unter anderem die Teilnahme bei Olympia. Zunächst möchte er aber im kommenden Jahr bei seinen ersten deutschen Meisterschaften starten. Das Sahnehäubchen wäre eine Heimkehr mit einer Medaille. Die Qualifikationsnorm dafür liegt bei 3,60 Meter, „was für ihn im neuen Jahr sicherlich machbar sein wird“, schätzt Sandra Hummel. Bis zum Ende der nächsten Saison möchte auch Aaron Hummel den Sprung in den Nationalkader schaffen. Hierfür liegt die Qualifikationsnorm bei 4,20 Meter.

FlyHigh sucht Sponsoren

Im Sport geht nichts ohne Sponsoring. Insbesondere die notwendige Ausrüstung geht ganz schön ins Geld. Das Team FlyHigh sucht aktuell noch Unterstützer, die sich an der Beschaffung von Stäben für den Stabhochsprung beteiligen möchten. Das Sortiment des Teams ist bisher noch nicht vollständig und Jonathan Hummel benötigt derzeit dringend die nächst stärkeren und längeren Stäbe. Ein solcher Stab kostet bis zu 1.500 Euro. Wer das Team sponsern möchte, kann sich an Sandra Hummel wenden. Zusammen mit weiteren Eltern vom Team FlyHigh hat sie den Verein zur Förderung des Stabhochspringens in der Region Stuttgart gegründet, dessen Vorsitzende sie ist. Sandra Hummel ist unter der E-Mail-Adresse s.hummel@fv-flyhigh.de erreichbar.

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUM
28.08.2025
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