Dienstagmorgen. Frigga Sommer ist in ihrer kleinen Wohnung im Ilse-Graulich-Haus längst wach. Sie weiß: Gleich geht es los.
Die 87-Jährige nimmt ihre Jacke, greift den Rollator und geht die wenigen Schritte hinüber zur Tagespflege im Seniorenzentrum Gustav-Schwab-Stift. Ein kurzer Weg und doch einer, der ihren Alltag verändert hat.
Vor sechs Jahren wurden ihre Tage stiller. Ihre Tochter schlug einen Schnuppertag in der Tagespflege vor. Frigga Sommer ließ sich darauf ein und erlebte eine Überraschung.
Gleich beim ersten Besuch sah sie das vertraute Gesicht einer alten Freundin. Jahrzehnte hatten sie sich nicht gesehen. Diese Begegnung und die daraus entstandene innige Freundschaft im hohen Alter waren für Frigga Sommer wie ein Geschenk.
Seitdem kommt sie zweimal pro Woche. Nach dem Frühstück stehen Gedächtnistraining und Gymnastikübungen auf dem Programm. Es wird gesungen, erzählt und gelacht. Besonders das Singen lasst sie aufblühen. „Ich kann ohne meine Besuche am Dienstag und Donnerstag nicht mehr sein“, sagt sie. „Am Wochenende habe ich richtig Heimweh.“
Ein paar Straßen weiter beginnt auch für Ursula Saile der Dienstag mit Vorfreude. Von ihrer Wohnung aus sieht die 87-Jährige den Tagespflegebus schon kommen. „Bin unterwegs“, ruft sie.
Seit 2021 fährt sie zur Tagespflege. Heute sagt sie schmunzelnd, wenn sie in den Bus steigt: „Jetzt geh ich hoim.“ In der Tagespflege wird gefrühstückt, erzählt und Zeitung vorgelesen. „Außerdem ist jeden Tag hier etwas los“, sagt sie. Die Stimmung beschreibt sie mit einem „Wort: „Superb.“
Zwei Frauen mit langen Lebensgeschichten. Zwei Frauen, die entschieden haben, aktiv zu bleiben.
Sie haben der Einsamkeit den Kampf angesagt – nicht laut, nicht dramatisch. Sondern Schritt für Schritt.


