
Am 25. April wird bundesweit der Tag des Baumes begangen – ein Datum, das uns jedes Jahr daran erinnert, wie unverzichtbar unsere Wälder für Klima, Artenvielfalt und Lebensqualität sind. In Baden-Württemberg erhält dieses Thema mit einer ganz besonderen Botschafterin ein Gesicht: Franziska Waselikowski.
Seit ihrer Krönung auf der Forstmesse am 29. März 2026 in Offenburg trägt die 26-Jährige Zepter und Krone – beides nicht aus Gold gefertigt und mit Edelsteinen bestückt, sondern – wie sollte es anders sein – aus heimischem Holz geschnitzt. Und vielleicht liegt in ihrem royalen Ehrenamt sogar ein Hauch von Märchen. Denn wer bei einer Waldkönigin unweigerlich an „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ denkt, liegt gar nicht so falsch: Auch hier geht es um Natur, Sehnsucht und eine gewisse stille Romantik. Doch hinter der Krone steckt vor allem eine klare Mission: den Wald als Lebensraum, Klimaschützer und Wirtschaftsfaktor sichtbar zu machen. Ulrike Wolter von der NUSSBAUM-Redaktion im Interview mit Franziska Waselikowski.
NUSSBAUM.de: Frau Waselikowski, wenn man „Waldkönigin“ hört, denkt man schnell an ein Märchen – was hat Sie persönlich an diesem Amt gereizt, und wie viel Realität steckt hinter der romantischen Vorstellung?
Franziska Waselikowski: Gereizt hat mich an diesem Amt, meine Leidenschaft für den Wald an Jung und Alt weiterzugeben. Romantik ist schon da, aber im Alltag geht es vor allem um Verantwortung, Informationsarbeit bei Veranstaltungen und persönliche Begegnungen mit Waldbesitzern, Förstern und Besuchern. Es ist also ein schönes Amt mit Herz, Arbeit und ganz realen Aufgaben.
Sie wurden auf der FORST live in Offenburg zur Waldkönigin gekrönt. Was ging Ihnen in diesem Moment durch den Kopf?
Waselikowski: Ehrlich gesagt, ging mir zu dem Zeitpunkt nur durch den Kopf, dass es mit meiner ersten Rede hoffentlich funktioniert und ich mich nicht allzu oft verspreche.
Was macht eine Waldkönigin eigentlich ganz konkret?
Waselikowski: Eine Waldkönigin repräsentiert den Wald in allen Bereichen der Waldpädagogik, Forstwirtschaft, aber auch der Holzwirtschaft. Wichtig ist aber auch, die Bedeutung des Waldes sichtbar für die Gesellschaft zu machen und ein Vorbild zu sein für einen verantwortungsvollen Umgang mit unserem Wald.
Sie sind selbst vom Fach und kommen aus der Forstpraxis. Wie hilft Ihnen dieser Hintergrund dabei, glaubwürdig zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu vermitteln?
Waselikowski: Als Forstwirtin hilft mir mein Hintergrund an vielen Stellen: Ich kenne die technischen Abläufe im Wald, die wirtschaftlichen Zwänge der Waldbesitzer und die ökologischen Zusammenhänge. Das macht mich glaubwürdig, wenn ich Sachverhalte erkläre. Mein Praxiswissen ermöglicht es mir, realistische Lösungen vorzuschlagen und die verschiedenen Interessen ehrlich und nachvollziehbar zu vermitteln.
Der Tag des Baumes lenkt den Blick auf die Bedeutung unserer Wälder – wie wichtig ist der Wald aus Ihrer Sicht für unser tägliches Leben?
Waselikowski: Der Wald ist für unser tägliches Leben unverzichtbar: Er filtert Luft und Wasser, speichert CO₂ und reguliert Klima sowie Hochwasser‑ und Erosionsrisiken. Er liefert nachhaltiges Holz und sichert Arbeitsplätze in ländlichen Regionen. Wir Menschen profitieren von seiner Schutzfunktion und der Erholung, die er unserer Gesellschaft ermöglicht.
Wenn Sie mit Menschen ins Gespräch kommen: Was sind die häufigsten Missverständnisse über den Wald, die Sie gern korrigieren würden?
Waselikowski: Ein weitverbreitetes Missverständnis ist, dass wir Forstwirte den Wald „ausräubern“. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Wir pflegen den Wald bewusst und langfristig. Durch gezielte Maßnahmen wie Durchforstung, Pflege von Jungbestand und Förderung standortgerechter Baumarten sorgen wir dafür, dass der Wald stabil, biodivers und klimaangepasst bleibt. Unsere Arbeit ist eine verantwortungsvolle Vorsorge für kommende Generationen, nicht kurzfristige Ausbeutung.
Klimawandel, Trockenheit, Schädlingsbefall – der Wald steht unter Druck. Gibt es ein Erlebnis oder einen Moment, der Ihnen besonders deutlich gezeigt hat, wie ernst die Lage ist?
Waselikowski: Da gibt es nicht nur ein Erlebnis oder einen Moment, der es mir deutlich gezeigt hat, sondern immer wieder auch kleinere Sachen, die mir auffallen. Zum Beispiel, dass Wiederaufforstungen oft scheitern, weil die Setzlinge bei Hitze und Wassermangel eingehen.
Als Waldkönigin sind Sie auch eine Brückenbauerin. Welche Gespräche haben Sie bisher am meisten überrascht?
Waselikowski: Am meisten überrascht haben mich die Gespräche mit Waldbesuchern. Ihre Fragen sind oft sehr persönlich und vielseitig, von konkreter Sorge um kranke Bäume über ganz praktische Tipps zur Waldbewirtschaftung, bis hin zu emotionalen Gedanken und Erinnerungen an den Wald.
Wenn Sie sich etwas wünschen dürften: Was müsste sich in Baden-Württemberg im Umgang mit dem Wald in den nächsten zehn Jahren verändern?
Waselikowski: Ich glaube, wir sind hier in Baden-Württemberg schon auf einem ganz guten Weg. Wie schon gesagt, müssen wir in den nächsten Jahren vor allem dafür sorgen, dass die Wälder klimafit werden. Und ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen bewusst wird, was für einen großen Schatz wir mit unseren vielfältigen Wäldern im Land haben.
Gibt es für Sie einen ganz besonderen Ort im Wald, einen ‚königlichen Lieblingsplatz‘, an dem Sie Kraft schöpfen?
Waselikowski: Einen Lieblingsplatz habe ich auf jeden Fall, aber den verrate ich nicht! Es gibt viele Lieblingsplätze draußen im Wald, die es zu entdecken lohnt!
Unser Wald ist einer der kostbarsten Schätze, die wir in der Heimat haben. Ihn zu schützen und Menschen für seinen Schutz zu begeistern, ist eine der wichtigsten Aufgaben, die sich NUSSBAUM Medien als Ziel gesetzt hat. Die NUSSBAUM Stiftung setzt in Zusammenarbeit mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e.V. Baden-Württemberg (SDW BW) dieses Ziel um und pflanzt bis 2030 100.000 Bäume für Baden-Württemberg. Das Projekt ist bewusst offen gestaltet: Hier können alle teilnehmen und mit ihrer Spende einen Beitrag leisten.
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