Hockenheim/Ketsch. Wer mit Kindern und Familien arbeitet, braucht nicht nur Fachwissen, sondern auch Leidenschaft, Flexibilität – und den Mut, sich immer wieder neu zu orientieren. Kerstin Krause, die Leitung der fünfgruppigen Kinderkrippe in Ketsch zeigt, wie vielfältig und entwicklungsreich dieses Berufsfeld sein kann. Ihre prägendste berufliche Erfahrung machte sie zunächst in einer Mutter-Kind-Einrichtung. „Das war die bislang erfüllendste, aber auch forderndste Zeit“, sagt sie rückblickend. Genau diese Mischung aus intensiver Arbeit und persönlichem Engagement wurde für sie zum Maßstab.
Es folgten Stationen beim Postillion e.V.: von der Arbeit in der Krippe in Leutershausen bis hin zur Leitungsfunktion in Plankstadt. Schließlich war sie maßgeblich am Aufbau einer neuen Krippe in Ketsch beteiligt – von organisatorischen Strukturen bis hin zur Teamentwicklung. Nach rund fünf Jahren erfolgreicher Arbeit stellte sich jedoch ein Gefühl ein, das in sozialen Berufen selten offen angesprochen wird: Unterforderung. „Das Team war eingespielt, vieles lief von selbst. Ich habe gemerkt, dass mir neue Herausforderungen fehlen“, beschreibt sie ehrlich.
Ein Wendepunkt ergab sich durch den erneuten Kontakt mit Familien im Rahmen von Hilfen zur Erziehung und der Zusammenarbeit mit dem Jugendamt. „Diese Gespräche, das Abwägen, das notwendige Fingerspitzengefühl – das hat mir gefehlt“, so die Pädagogin. Der Wunsch nach Veränderung wuchs – doch als alleinerziehende Mutter musste sie berufliche Entwicklung und familiäre Verantwortung sorgfältig abwägen. Die Lösung fand sie in einem flexiblen Modell: Sie reduzierte ihre Stunden als Einrichtungsleitung und übernahm zusätzlich Aufgaben in der Hockenheimer Wohngruppe des gleichen Trägers.
So gelingt ihr heute der Spagat zwischen Kontinuität und Neuanfang. „Ich bleibe für mein Team da und kann gleichzeitig neue fachliche Erfahrungen sammeln“, sagt sie. Auch finanziell sei dieser Schritt gut umsetzbar gewesen. Ihr Weg steht exemplarisch für die Chancen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Ob in der frühkindlichen Bildung, in Leitungsfunktionen oder in der intensiven Arbeit mit Familien und Jugendlichen – die Möglichkeiten sind vielfältig. Gleichzeitig zeigt ihre Geschichte: Berufliche Entwicklung verläuft nicht immer geradlinig, sondern lebt von Anpassung, Mut und der Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Von dem Mix profitiert auch die Krippe in Ketsch.