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Dies und das

//Zwischen Whiskyglas und Welthits//

Jens Sörensen lässt Frank Sinatra im Kurtheater wiederauferstehen 60 Jahre Bühnenpräsenz eines legendären Entertainers und Weltstars samt seinem...
Typisch für das Original: Jan Sörensen, alias Frank Sinatra, mit Whiskyglas, Trenchcoat über dem Smoking und Filzhut, hängt in der Bar seinem Liebeskummer mit Ava Gardner nach.Foto: Karin Ferenbach

Jens Sörensen lässt Frank Sinatra im Kurtheater wiederauferstehen

60 Jahre Bühnenpräsenz eines legendären Entertainers und Weltstars samt seinem bewegten Privatleben in eine rund zweistündige Revue zu packen, ist sicher kein einfaches Unterfangen. Mit seiner Show „Die Sinatra Story“ gelingt es Jens Sörensen, den Geist von Frank Sinatra nicht nur musikalisch, sondern auch atmosphärisch eindrucksvoll wieder aufleben zu lassen. Am Freitagabend war der aus Oldenburg stammende, gelernte Kaufmann mit seinem außergewöhnlichen Tribute-Konzert zu Gast im königlichen Kurtheater und entführte das Publikum in die Metropolen New York, Chicago und Las Vegas. Dazu bietet ihm das historisch-nostalgische Ambiente des – wie er selbst sagt – „wunderbaren Theaters mit seiner familiären Atmosphäre“ den passenden Rahmen. Die beleuchtete Skyline von Manhattan im Hintergrund, davor ein runder Tisch mit Whiskyflasche, Lampe und Wählscheiben-Telefon, bewegt sich Sörensen - klassisch elegant in weißem Hemd, Smoking, Fliege und Einstecktuch, mit Fedora-Hut und schwarzen Lackschuhen – zwischen Barhocker, Mikrofonständer und Publikum. Schon mit den ersten Takten wird denn auch deutlich, wie intensiv sich der Sänger mit seinem Vorbild, als Francis Albert Sinatra in New Jersey geborener Sohn italienischer Einwanderer, auseinandergesetzt hat.

Stimmlich nah am Original

Stimmlich nähert er sich Sinatras Bariton erstaunlich authentisch an, ohne dabei in bloße Imitation zu verfallen. Besonders in Klassikern wie „Fly me to the moon“, „Chicago“, „Summerwind“, „The lady is a tramp“, „Strangers in the night“ oder „New York, New York“ trifft er den warmen, samtigen Klang und die lässige Phrasierung des Originals verblüffend genau. Dabei gelingt ihm vor allem jene entspannte Eleganz, die den mehrfachen Grammy-Gewinner und Oscar-Preisträger einst zum Maßstab aller Swing-Entertainer machte. Sörensens Stimme besitzt zwar eine eigene Farbe, doch sein Gespür für Timing, Dynamik und die charakteristische nonchalante Artikulation erzeugt immer wieder das Gefühl, den von den weiblichen Fans vergötterten „Frankie Boy“, dem auch immer wieder Verbindungen zur italienischen Mafia nachgesagt wurden, selbst live zu erleben. Zwar stand Sörensen auch schon mit großen Orchestern auf der Bühne, doch greift er in der zwischenzeitlich über 20-jährigen Erfolgsgeschichte seiner „Sinatra Story“ auf die Studio-Einspielung der größtenteils originalen Arrangements mit der Big Band Bremen zurück. „So ein Konzert muss auch bezahlbar bleiben“, begründet er gegenüber dem „Wildbader Anzeiger“ diese Entscheidung.

Mischung aus Coolness und Understatement

Auch gestisch überzeugt der Künstler auf ganzer Linie. Mit lockerem Fingerschnippen, verträumten Blicken ins Publikum und der typischen Mischung aus Coolness und Understatement bewegt er sich über die Bühne, als habe er Sinatras Körpersprache verinnerlicht. Besonders die kleinen Details machen die Darstellung glaubwürdig: die lässige Haltung am Mikrofonständer, das charmante Flirten mit den Damen in den ersten Reihen oder die souveräne Selbstverständlichkeit, mit der er zwischen den Songs – nach dem von ihm selbst erstellten Drehbuch – moderiert.

Der besondere Reiz der Show liegt jedoch in ihrer biografischen Dramaturgie. Zwischen den Songs erzählt Sörensen aus Sinatras bewegtem Leben – von den frühen Erfolgen über persönliche Krisen, darunter Alkoholexzesse, Stimmbandentzündung und drei gescheiterte Ehen, bis hin zu den großen Triumphen in Las Vegas. Diese Geschichten sind nicht bloß schmückendes Beiwerk, sondern geschickt mit den jeweiligen Liedern verwoben. Dadurch entstehen emotionale Übergänge, die dem Publikum einen tieferen Zugang zu Sinatra als Mensch und Überlebenskünstler ermöglichen. So holt er auch zweimal seine Tochter Nancy, dargestellt von seiner ansonsten hinter der Bühne agierenden Tontechnikerin Ina Wanders, zu sich nach vorn. Gemeinsam interpretieren sie „Something stupid“ und „For once in my life“, was für Begeisterung sorgt.

Bewahrer eines musikalischen Lebensgefühls

Beeindruckend ist zudem, mit welcher Leidenschaft Jens Sörensen seine Rolle lebt und dies auch beim Publikum ankommt bzw. immer wieder mit herzlichem Beifall aufgenommen wird. Er versteht sich ausdrücklich nicht als bloßes „Sinatra-Double“, sondern als Erzähler und Bewahrer eines musikalischen Lebensgefühls. Seine Interpretationen sind von echter Bewunderung für das Original getragen. Am Ende wird denn auch wahr, auf was das Publikum wohl am meisten gewartet hat: Sörensen singt Sinatras Welterfolg „My way“ und verbindet damit seinen und Ol‘ Blue Eyes‘ Abschied von der Bühne. Doch das Publikum lässt ihn nicht ohne Zugabe gehen. Und mit „Bad Leroy Brown“ lässt Sörensen nochmals den vollen Drive und die Magie einer vergangenen Entertainment-Ära aufleben. Tosender Beifall.(kf)

Zusammen mit Ina Wanders als Tochter Nancy interpretiert Jan Sörensen den gemeinsamen Welterfolg „Something stupid“.Foto: Karin Ferenbach
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exklusiv online
von Stadt Bad WildbadRedaktion NUSSBAUM
18.05.2026
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