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Achalm bei Nacht: Im Dunklen auf den Reutlinger Hausberg

Jacqueline on Tour: Für Heimat entdecken und NUSSBAUM.de ist Jacqueline Geisel regelmäßig unterwegs in der Region - diesmal auf der Achalm bei Nacht.
Luftaufnahme einer weitläufigen Landschaft mit grünen Feldern, kleinen Waldflächen und mehreren Ortschaften. In der Bildmitte ragt ein einzelner kegelförmiger Berg aus der Umgebung heraus, während am rechten Bildrand ein bewaldeter Höhenzug verläuft. Der Himmel ist leicht bewölkt, die Sicht reicht weit über das Tal und die angrenzende Stadtlandschaft.
Ein Abstecher auf die Achalm lohnt sich auch bei Tag.Foto: Mlenny/E+

Da steht noch Turm und Burgverlies vom Schloss, das ich genannt,
Doch wie es einst vor Zeiten hieß, ist keinem mehr bekannt.
Die alte Sage spricht es kaum noch halbvernehmlich nach,
wie einst die Burg auf diesem Raum vor zorn’ger Fehde brach.
Der Letzte war es vom Geschlecht der hier bestritten ward,
von Arme stark, von Sinn gerecht nach frommer Stammesart.
Er schirmt’ und schützte Hof und Haus lang vor der stärkern Macht,
Da trieben ihn die Flammen aus, und mitten in die Schlacht.
Er ließ den Bau wohl stürzen ein, er sah nicht hinter sich,
Den Boden wollt’ er doch befrei’n der keinem Feuer wich.
Den Pfeil, den todesträchtigen, empfängt sein tapfres Herz,
Sein Rufen zum Allmächtigen verschlingt der letzte Schmerz.
Doch was er rief in letzter Not, das halbe Wort: „Ach allm ...“
Das hat gewiss getönt vor Gott als wie ein ganzer Psalm.
Ja selbst dem Feinde klang es schön, das ernste Scheidewort,
Er baute frisch auf diesen Höhn, und hieß „Achalm“ den Ort.
Das Menschwerk zerfallen ist, der Berg steht fest und hoch,
Achalm so heißt zu dieser Frist sein Gottesname noch.

Ballade von Gustav Schwab

Die Achalm gehört zu Reutlingen genauso wie die Marienkirche oder das Tübinger Tor. Woher sie ihren Namen haben soll, hat Gustav Schwab in seiner vorstehenden Ballade erzählt. Der in der Schlacht tödlich getroffene Burgherr hätte noch „Ach, Allm(ächtiger)!“ rufen wollen und dies hätte dann dem Berg und der Burg den Namen gegeben.

Allerdings ist die Herkunft des Namens in Wahrheit wohl weitaus unspektakulärer: Sprachforscher vermuten, dass „Achalm“ auf das indogermanische „Akalma“ zurückgeht, was einen hervorragenden, spitzen Berg bezeichnet. Aber die mystischere Geschichte stammt natürlich von Gustav Schwab ... Und hat ein Berg wie die Achalm nicht eine gewisse Mystik verdient? Ganz sicher sogar, vor allem, wenn man den Aufstieg zum Turm bei Nacht wagt.

Weite Sicht

Der Ausblick von der Achalm ist einzigartig und zieht besonders im Sommer auch bei Nacht erstaunlich viele Menschen an, die am Geländer stehen, die frische Abendluft genießen und den Blick über das beleuchtete Reutlingen und Eningen unter Achalm schweifen lassen. Schon der Aussichtspunkt mit Namen Rappenplatz – direkt am Parkplatz unterhalb der Burgruine gelegen – entlockt ortsfremden Besuchern ein ehrfürchtiges „Wow“.

Kein Wunder also, dass sich hier sogar bei Nacht und unter der Woche einige Menschen versammeln, um ein paar entspannte Stunden zu verbringen. Aber ich wollte bei meinem ersten Besuch auf der Achalm noch höher hinaus. Immerhin hatte ich von einer Burgruine und einem Turm gelesen.

Steinerner Zeitzeuge

Der Gipfel der Achalm liegt 707 Meter hoch. Sie ist ein sogenannter Zeugenberg, aus weißem Jura bestehend wie die etwa 10 Kilometer entfernte Schwäbische Alb. Sie ist Beweis (Zeuge) dafür, dass vor Jahrmillionen der Weißjura-Block der Alb bis mindestens hierher reichte. Leider sind von der im 11. Jahrhundert von den Grafen Egino und Rudolf erbauten Burg nur noch wenige Mauerreste und der um 1838 wieder aufgebaute Bergfried erhalten.

Die Burg zerfiel schon im 15. Jahrhundert. Während des 30-jährigen Krieges kam es zur endgültigen Schleifung der Burggemäuer, zudem wurden sehr viele Steine als Baumaterial für Stadthäuser verwendet. Auf den erhaltenen Fundamenten des Bergfrieds wurde 1838 ein 18 Meter hoher Aussichtsturm errichtet.

Und genau dieser Turm war das Ziel meines nächtlichen Ausflugs. Der Aufstieg gestaltet sich bei Dunkelheit etwas schwierig, ist aber machbar. Man sollte nur vorsichtig gehen, denn die teils naturbelassenen Wege halten die ein oder andere Stolperfalle bereit. Außerdem braucht es schon ein wenig Kondition für die steilen Anstiege. Der Weg hinauf vom Rappenplatz ist zwar kurz, aber er hat es in sich.

Vor allem, wenn man Picknick-Ausrüstung mit hinaufträgt. Aber: Der Gipfel ist die Mühen allemal wert! Mit gefühlt jedem Höhenmeter wird die Aussicht noch schöner. Die Mauerreste sind beeindruckend und verleihen der Achalm einen sagenhaft-mystischen Flair. Man fühlt sich dort ein bisschen wie in einer historischen Märchenwelt.

Sagenhaftes Panorama

Die Tür zum Aussichtssturm stand zum Glück sogar nachts offen. Im Inneren erwarteten mich erstmal noch einige Stufen, die entlang der Mauern nach oben führen. Schon beim Aufstieg steigt hier die Vorfreude, der Turm hat einfach etwas für sich. Einfach atemberaubend ist aber der Moment, wenn man den ersten Schritt auf die Spitze des Turms macht.

Unter einem kleinen Dach heraus blickt man über eine Steinmauer auf eine der schönsten denkbaren Aussichten. Das Panorama ist einmalig aus dieser Höhe und absolut unverbaut. Vom Turm aus steht man über allem und schaut über die umliegenden Kommunen und die Schwäbische Alb.

Ich persönlich war so gebannt von dem nächtlichen Lichterzauber, dass ich mich für ein Picknick direkt auf dem Turm entschieden habe. Bei dieser Aussicht ein absolutes Highlight des Abends. Ein kleiner Tipp: Wer ebenfalls ein Picknick auf der Achalm plant, sollte eine Mülltüte mitnehmen. Am Turm gab es nämlich keinen Mülleimer – zumindest keinen, der in der nächtlichen Dunkelheit auffindbar gewesen wäre.

Wandern rund um die Achalm

Ein Besuch auf der Achalm lohnt sich selbstverständlich auch bei Tageslicht. Die Aussicht dürfte mindestens ebenso umwerfend sein. Mehrere Rundwanderungen führen den Berg hinauf zu der Ruine. Da ist für jedes Fitness-Level etwas dabei.

Der einfachste Weg führt vom Parkplatz am Fuß des Berges bei Reutlingen auf direkten Pfaden hoch zur Burgruine. Etwa eine Stunde Zeit sollten Wanderer hierfür einplanen. Die Strecke ist gut zwei Kilometer lang und mit rund 150 Höhenmetern gut zu schaffen.

Für Weiterläufer

Wer etwas mehr Strecke zurücklegen möchte, kann auf der anderen Seite starten, in Eningen unter Achalm. Von der Bushaltestelle in der Metzinger Straße aus geht es nördlich ortsauswärts, durch die schöne Landschaft hinauf zur Burgruine und in einem weiten Bogen um die Achalm herum, bevor der Weg wieder zurück in den Ort führt. Gute zwei Stunden dürften Wanderer bei normalem Geh-Tempo hierfür brauchen.

Die Wegstrecke beträgt etwa 7,1 Kilometer und die rund 250 Höhenmeter sind ein noch durchaus humaner Aufstieg. Diese Tour lässt bei Bedarf übrigens ganz einfach erweitern: Außerhalb von Eningen unter Achalm, schon kurz nach Beginn der Wanderung, biegt die erste Route links ab.

Wer hier weiter geradeaus läuft, schlägt einen schönen Bogen links vorbei am Rangenbergle. Auf dem Burgweg geht es dann wieder links Richtung Saulachhütte, parallel, aber mit etwas Abstand zur Bundesstraße. In dieser zweiten Variante beträgt die Wegstrecke knapp zehn Kilometer, wofür Wanderer rund drei Stunden brauchen dürften. Mit rund 320 Höhenmetern ist der Rundweg schon ein wenig anspruchsvoller.

Premiumwanderweg „hochgehteufelt“

Und wenn man schon mal in Eningen unter Achalm ist: Wie wäre es mit einem Abstecher auf den Premiumwanderweg „hochgehteufelt“? Er führt durch die beeindruckende Teufelsschlucht sowie zu drei spektakulären Aussichtsfelsen: Der Hannersteigfels bietet einen überwältigenden Blick in die weite Landschaft, der Stausee-Blick eine herrliche Aussicht auf den Glemser Stausee und am Gutenberg wartet ein faszinierender Panoramablick auf die Steilhänge der Alb, die Achalm und Eningen unter Achalm. Start- und Endpunkt ist der Parkplatz des Waldfreibades, die Tour dauert etwa zweieinhalb Stunden.

von Jacqueline Geisel
25.09.2025
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