Baden-Württemberg ist bekannt für seine Vielfalt. Weniger bekannt ist, dass sich diese Vielfalt auch in den Ortsnamen widerspiegelt, die entweder erstaunlich lang oder verblüffend kurz ausfallen können.
Manche passen kaum auf ein Ortsschild, andere sind so kurz, dass man beim Vorbeifahren fast zweimal hinsehen muss, um sie zu erkennen. Der Südwesten bietet beides: Zungenbrecher mit mehr als 20 Buchstaben und Orte, deren Name aus gerade einmal zwei Buchstaben besteht.
Wer also glaubt, Ortsnamen seien reine Nebensache, sollte einen Blick auf die Rekordhalter werfen.
Mit stolzen 21 Buchstaben führt Gschlachtenbretzingen die Liste an. Der Ortsteil der Gemeinde Michelbach an der Bilz dürfte nicht nur für Briefeschreiber eine echte Geduldsprobe sein.
Im Kern steckt hier der ältere Ortsname „Bretzingen“, der auf eine frühe alemannische Siedlung zurückgeführt wird und vermutlich einen Personennamen als Ursprung hat. Der Vorsatz „Gschlachten-“ wird häufig mit einer mittelalterlichen Rodungslandschaft in Verbindung gebracht, also mit Flächen, die durch „Schlagen“ des Waldes urbar gemacht wurden. Ganz eindeutig ist diese Deutung jedoch nicht in allen Quellen gesichert. Sie gilt aber als gängige Erklärung in der Ortsnamenskunde.
Auf den Plätzen folgen:
• Erkenbrechtsweiler – 18 Buchstaben
• Rauhenbretzingen – 16 Buchstaben
• Unterreichenbach – 16 Buchstaben
Beschränkt man sich auf eigenständige Städte und Gemeinden ohne Bindestrich, liegt Erkenbrechtsweiler mit 18 Buchstaben an der Spitze Baden-Württembergs.
Noch länger wird es bei den Doppelgemeinden:
• Eggenstein-Leopoldshafen – 23 Buchstaben
• Leinfelden-Echterdingen – 22 Buchstaben
• Villingen-Schwenningen – 21 Buchstaben
• Edingen-Neckarhausen – 19 Buchstaben
• Bietigheim-Bissingen – 19 Buchstaben
Das andere Extrem findet sich im Breisgau. Die Gemeinde Au kommt mit nur zwei Buchstaben aus. Kürzer geht es nicht.
Der Ortsname Au geht sehr wahrscheinlich auf das althochdeutsche ouwa zurück, das eine Flussniederung oder feuchte Wiesenlandschaft bezeichnet. Diese Herkunft passt gut zur Lage im Breisgau, wo die Nähe zu Wasserläufen und Auenlandschaften das historische Siedlungsbild geprägt hat. Der Name ist damit weniger eine sprachliche Kuriosität als vielmehr eine sehr alte Landschaftsbeschreibung, die bis heute erhalten geblieben ist.
Weitere Mini-Ortsnamen sind:
• Ach – 3 Buchstaben
• Egg – 3 Buchstaben
• Calw – 4 Buchstaben
• Kehl – 4 Buchstaben
• Aich – 4 Buchstaben
• Esch – 4 Buchstaben
Zwischen dem längsten und dem kürzesten Ortsnamen Baden-Württembergs liegen satte 19 Buchstaben Unterschied. Anders gesagt: Für Gschlachtenbretzingen braucht man mehr als zehnmal so viele Buchstaben wie für Au.
Und während der eine Name noch nach einem tiefen Atemzug verlangt, ist der andere schon ausgesprochen, bevor man überhaupt merkt, dass man ihn gelesen hat.


