Genuss

Ein Blick in die Schoko-Werkstatt von Ritter Sport

Die Marke mit dem Quadrat aus Waldenbuch zählt sicher zu den bekanntesten in Deutschland und der Welt.
In der Schoko-Werkstatt erschaffen kleine und große Naschkatzen ihre ganz eigenen Kreationen. Foto: Ritter

Beim Schokoladenhersteller Alfred Ritter GmbH in Waldenbuch setzt man heute auf nachhaltige Produktion und bedient nebenbei Lifestyle-Trends. Und wer schon immer mal seine eigene Schokolade herstellen wollte, nun, auch der ist hier richtig.

In der Schoko-Werkstatt

„Bitte nur so viel ausschlecken, wie es der Magen verträgt.“ Dieser Appell von Workshopleiterin Sabine Edelmann richtet sich an eine Gruppe von Jugendlichen und Erwachsenen, die sich gerade daran machen, ihre eigene Schokolade herzustellen. Mit übergeworfenem Schutzmäntelchen an den glänzenden Edelstahltischen stehend, lauschen diese aufmerksam Edelmanns Anweisungen: Einen Becher mit drei Zutaten füllen und eine Schokomasse, braun, weiß oder dunkel, aussuchen. Welche Zutaten passen zu weißer Schokolade? Salted Butter Caramel hört sich gut an. Dazu gehen gut gesalzene Cashews, und für die Optik empfiehlt Edelmann die roten Pfefferkörner.

Video: Unterwegs in Waldenbuch

Süß und salzig

Es sind nicht nur Kinder und Jugendliche, die sich hier bezaubern lassen. Auch die Erwachsenen sind ganz versunken in ihr Tun, rühren ihre ausgewählten Zutaten in die Schüssel mit der Schokomasse. Diese wird dann in zwei quadratische Förmchen mit vorgestanzten Waben gefüllt. Mit Klopfen und Schütteln sollen Luftblasen aus der Masse gerüttelt werden. Der Rest der Schokoladenmischung wandert gleich in die Münder der Teilnehmenden – mit unterschiedlichen Reaktionen. Von genussvollem „Hmmm“ bis zu „Uih, ist das süß“ ist alles dabei. Die Formen kühlen derweil im großen Kühlschrank ab und die Eigenkreationen können später in einer praktischen, natürlich quadratischen, Packung mit nach Hause genommen werden.

Allround-Talent

Die 100-Gramm-Tafel ist das Endergebnis einer langen Reihe von Produktionsschritten, die in der Schokoladen-Ausstellung erklärt werden. Am Startpunkt steht das Modell eines Kakaobaums mit Früchten. Die sind, wenn sie reif sind, rot, braun, gelb oder orange. Eine Frucht enthält etwa 40 bis 60 Bohnen, diese Menge benötigt man für eine Tafel Vollmilchschokolade. Für Swenja Bladek aus dem Team „Bunte Schokowelt“, die durch die Ausstellung führt, ist der Kakaobaum ein echter Tausendsassa: „Er trägt gleichzeitig Blüte, Frucht und Blätter.“

Familie Ritter hat eigene Kakao-Plantage

Sorten gibt es so viele wie beim Kaffee auch – robuste und empfindlichere, die auch im Geschmack sehr unterschiedlich sind. Die Familie Ritter – das Unternehmen ist nach wie vor in Familienhand – besitzt in Nicaragua seit 2012 eine eigene 2,5 Hektar große Kakaoplantage mit Namen El Cacao, wo auf der Hälfte der Fläche Kakao angebaut wird. Die andere Hälfte ist der Pflanzen- und Tierwelt vorbehalten.

Nachhaltigkeit

„Uns ist Nachhaltigkeit sehr wichtig“, erklärt PR-Managerin Elke Dietrich. „Seit 2018 beziehen wir unseren Kakao zu 100 Prozent zertifiziert nachhaltig nach Rainforest Alliance und Fairtrade Kakaoprogramm.“ Partnerschaftsprogramme mit Erzeugern vor Ort sollen sicherstellen, dass die Kakaobauern gut von ihrer Arbeit leben können. Zum Thema Nachhaltigkeit gehört auch die vollständige Verwertung der Frucht. So werden aus der Pulpa, die die Bohnen umgibt, Limonade, Eistee und ein Secco produziert – Getränke, die es bislang noch nicht im Handel gibt. Der Rest der Frucht dient als Dünger in den Plantagen. Nachhaltig sollen auch die Zutaten sein: Was in Deutschland wächst, kommt aus der Region, wie Dietrich berichtet. Derzeit wird an einer neuen Verpackung getüftelt: Recyclebares Papier soll die Kunststofffolie ersetzen. Und auch Ernährungstrends will man bedienen: Es gibt laktosefreie, vegane und Schokolade mit hohem Kakaogehalt.

Sakkotauglich

Die Ausstellung wirft auch einen Blick auf die Geschichte des vor 110 Jahren gegründeten Unternehmens. Dabei wird auch das Format unter die Lupe genommen: Mitgründerin Clara Göttle, eine Süßwarenverkäuferin, wollte, dass Männer, die als Zuschauer zum Fußballplatz gehen, ihre Schokolade in die Tasche ihres Sportsakkos stecken können – die bis heute gängige Form war geboren. Und in den 70er Jahren ersann der findige Werbetexter Michael Grashoff den weltbekannten Slogan und setzte damit eine der ersten Markenikonen in die Welt: „Quadratisch, praktisch, gut.“ Geht es nach den Besuchern der Schoko-Werkstatt, trifft das sicher zu.

Swantje Bladek führt durch die Schoko-Ausstellung.Foto: bs
Swantje Bladek führt durch die Schoko-Ausstellung.
Foto: bs

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von bs
27.03.2024