
„Unterhaltung mit Haltung“ – und damit ein Bühnenprogramm, das nicht nur zum Schmunzeln und Lachen, sondern auch zum kritischen Nachdenken anregen möchte – das wird im Repertoire des Sandkorn großgeschrieben.
Das kleine Privattheater Das Sandkorn ist im denkmalgeschützten Theaterhaus am Mühlburger Tor in Karlsruhe beheimatet und bespielt dort zwei Bühnen, die im Erdgeschoss liegende Fabrik mit ca. 160 Plätzen und das Studio im ersten Obergeschoss mit ca. 90 Plätzen. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf Eigenproduktionen, oft zu aktuellen, gesellschaftlich relevanten Themen jenseits des Mainstreams. Auch Komödien, Theaterkrimis oder eigene Musicals wie aktuell „Disco Queen – Im Fieber der 70er“ locken zahlreiche Gäste an.
„Natürlich steht bei uns gute Unterhaltung im Mittelpunkt“, sagt Pressereferentin Patricia Keßler, „aber wir möchten auch immer Haltung zeigen“ – etwa, indem die vergnügliche Musical-Handlung in den historischen Gesamtzusammenhang eingeordnet wird und auch kritische Untertöne enthält. Oder beispielsweise bei der Harald-Hurst-Komödie ‚Tatort – So isch’s wore‘, die nicht allein auf Mundart-Komik setzt, sondern sich als Kammerspiel mit einigem Tiefgang entpuppt. Ein weiterer Schwerpunkt des Hauses liegt auf Kabarett-Programmen.“
Einzigartig ist am Sandkorn die Nähe des Ensembles zum Publikum, so Keßler: „Man sitzt praktisch mitten im Geschehen und wird geradezu in das Stück hineingesogen. So entsteht in Interaktion der Künstler mit dem Publikum ein einmaliges, magisches Theatererlebnis“.
Neben aktuellen Eigenproduktionen, Theaterklassikern und Jugendstücken stehen auch viele Gastspiele auf dem Spielplan: „Wir sind ein offenes Haus mit einer großen Bandbreite im Programm“, betont Natalie Hill, die im Dezember 2025 als Nachfolgerin von Keßler die Pressearbeit im Sandkorn übernehmen wird. Zu dieser Vielfalt tragen auch die sozialen und integrativen Projekte des Theaters bei. So gibt es am Haus verschiedene Theatergruppen, die unter professioneller Anleitung jährlich eine Inszenierung präsentieren.
Beispielhaft steht hierfür die inklusive Theatergruppe „D!E SP!NNER!“ in Kooperation mit der Lebenshilfe e.V., die seit 2003 unter der Leitung von Steffi Lackner jedes Jahr erfolgreich ein eigenes Stück auf die Bühne bringt und dafür schon mehrere Preise eingeheimst hat. „D!E SP!NNER! bieten ganz großes Theater, und das in vielerlei Hinsicht“, schwärmt SP!NNER!-Fan Patricia Keßler.
„Ihre Stücke machen nicht nur die Lebenswelt von Menschen mit Behinderungen erlebbar, sie zeigen auch deren riesiges kreatives Potenzial.“ Kulturelle Teilhabe ist hier ein wichtiges Stichwort, oder mit anderen Worten: Theater für alle.
„Theater für alle bedeutet nicht nur, dass unser Spielplan durch seine Vielfalt für jeden Geschmack etwas bereithält“, ergänzt Hill. „Denn Theater kann Barrieren abbauen, und da setzen wir insbesondere bei unseren Projekten an. Jede und jeder hat einen Raum auf der Bühne verdient – jung, alt, mit und ohne Behinderung. Das bietet sowohl den Teilnehmenden als auch dem Publikum neue Sichtweisen, die nicht nur der Inklusion, sondern auch der Demokratiebildung dienen.“
Neben der inklusiven Gruppe D!E SP!NNER! wird dies auch bei der Seniorentheatergruppe BASTA60+ und dem sehr beliebten Jugendclub des Sandkorn spürbar.
Nicht nur der Jugendclub bringt junge Talente auf die Profi-Bühne. Bei den jährlich im Sandkorn stattfindenden Schultheaterwochen sind Schultheatergruppen aller Schularten und Altersgruppen dazu eingeladen, jeweils ihr eigenes Stück aufzuführen. Teilnehmen können alle Schulen aus dem Regierungsbezirk und darüber hinaus: Unter anderem sind Theatergruppen aus Villingen-Schwenningen, Mannheim und Dornstetten sowie auch viele Karlsruher regelmäßige Gäste – eine Mischung aus Externen und Ansässigen.
Im Juli 2026 findet die 38. Schultheaterwoche statt, berichtet Keßler und betont dabei die Bedeutung des Theaterspielens für junge Menschen – nicht nur als wichtige Selbsterfahrung: „Indem die Jugendlichen konsequent an den Proben und Aufführungen teilnehmen, lernen sie nebenbei, Verantwortung füreinander sowie für das eigene Handeln zu übernehmen. Und sie erleben, dass sie sich aufeinander verlassen können.“ Das verbinde die Jugendlichen über soziale Unterschiede und individuelle Eigenheiten hinweg und schaffe eine einzigartige Gemeinschaft.
Auch ein neues „Klassenzimmerstück“ hat das Sandkorn im Programm: Das Jugendstück „Der Entstörer“ in Kooperation mit Theaterland Karlsruhe kann von Schulen gebucht werden und wird direkt im Klassenzimmer aufgeführt. Bei der Inszenierung sitzt die Klasse im Stuhlkreis. Der Schauspieler bespielt die Mitte und bezieht die Jugendlichen mit ein.
Ebenfalls zusammen mit Theaterland hat das Sandkorn auch das Projekt „Die Junge Theaterkampagne“ ins Leben gerufen, die das Ziel hat, Kinder- und Jugendtheaterstücke an Orte mit geringem kulturellem Angebot zu bringen, wie die beiden Pressereferentinnen sagen.
Das in den 1960er-Jahren ursprünglich in den Räumlichkeiten der Evangelischen Lukaskirche Karlsruhe gegründete „alte“ Sandkorn fand in den 1980er-Jahren seinen Platz im Theaterhaus. 2017/18 ging daraus das heutige Sandkorn hervor, das als neu gegründete Gesellschaft den Spielbetrieb mit neuer Ausrichtung wieder aufnahm.
Auch in Zukunft soll es Raum und Möglichkeiten für Weiterentwicklung und neue Kooperationen geben. Mit brandaktuellen Themen und alternativen Theaterformaten, die u.a. auf Interaktion zwischen Schauspielern und Publikum setzen, geht das Sandkorn neue Wege, etwa 2026 mit einem Escape-Room-Theaterstück. Es bleibt spannend.



