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Kultur

Freilichtbühnen in Baden-Württemberg – die 7 schönsten in BW

Schauspiel, Oper oder Musical - Park, Burg oder Waldbühne: das Mitfiebern unter freiem Himmel steht bei Freilichtbühnen im Mittelpunkt. Unsere Top7:
Große Treppe der Freilichtspiele Schwäbisch Hall
Große Treppe der Freilichtspiele Schwäbisch HallFoto: © Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Jürgen Weller Fotograf

Kultur unter freiem Himmel erleben? Gerade im Sommer, wenn es in den Theatersälen eher stickig ist, sind Freilichtbühnen eine gute Alternative. Ein Glück, dass Baden-Württemberg hier eine reiche Auswahl zu bieten hat - mit den Volksschauspielen Ötigheim finden Theaterliebhaber hier sogar die größte Freilichtbühne Deutschlands. Und aktuell herrscht bei den Freilichttheatern Hochsaison: Von Mai bis September können überall im Ländle Aufführungen besucht werden. Die Palette in den Freilichttheatern Baden-Württembergs reicht vom Musical über Mundart-Komödien bis zu Klassikern wie Wilhelm Tell & Co. Viele der Inszenierungen eignen sich auch besonders für einen Besuch mit der Familie. Hier stellen wir euch die schönsten Bühnen vor.

Theatergenuss in der Natur

Dem Ideenreichtum bezüglich der Spielörtlichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Man findet Freilichtbühnen in romantischen Schlössern oder Burgruinen, in Parkanlagen, aufgelassenen Steinbrüchen, in Wäldern, ja sogar in Schluchten oder unmittelbar an Flüssen oder Seen - immer aber an der frischen Luft. Oftmals weist schon der Name der Bühne auf die jeweilige Örtlichkeit hin.

Naturtheater Reutlingen e. V.
Ein Theaterbesuch in freier Natur? Bühnen wie das Naturtheater Reutlingen machen's möglich.Foto: Naturtheater Reutlingen e. V.

1.: Nr. 1 in Deutschland

Die besucherstärkste und mit 4000 überdachten Sitzplätzen größte Amateurfreilichtbühne Deutschlands bieten die Volksschauspiele Ötigheim. Das seit 1906 bestehende Freilichttheater wird laut der Devise "Volk spielt fürs Volk" von einem Verein betrieben und bietet eine breite Palette an Aufführungen.

Den Grundstein für die Theater-, Opern- und Operettenaufführungen legte der Ortsgeistliche Prälat Josef Saier. 1874 als Sohn eines Schwarzwaldbauern in Kirchzarten geboren, war er von seiner Schulzeit an vom Schauspiel fasziniert: 1905 trat er in Ötigheim seine erste Pfarrstelle an. Ein Jahr darauf schenkte er den Dorfbewohnern mit einer Theaterbühne einen Identifikationsmittelpunkt, die unter der freiwilligen Mitarbeit zahlreicher Helfer in einer in der Nähe des Dorfes gelegenen Kiesgrube entstand. Eine der ersten Inszenierungen: Schillers "Wilhelm Tell" - bis heute noch regelmäßig auf dem Spielplan zu finden.

Was damals begann, hat bis heute Bestand: Der Theatersommer auf Deutschlands größter Naturbühne lockt pro Jahr bis zu 80.000 Besucher ins liebevoll "Telldorf" genannte Ötigheim. Ein eigenes Kinderprogramm sorgt während der Spielzeit mit Märchen oder Stücken nach bekannten Kinderbüchern für unvergessliche Theatererlebnisse. Auftritte von bekannten Musikern und Bands runden das Angebot der Freilichtbühne ab.

Die Mischung macht's auch 2026: In diesem Jahr stehen während des Ötigheimer Theatersommers neben dem Musical-Klassiker "My Fair Lady" und dem "Rhythm & Bluesical" "The Blues Brothers" auch "Die acht Frauen" sowie das traditionelle Kinderstück an, das uns dieses Jahr nach Lönneberga im schwedischen Småland entführt, genauer, auf den Hof Katthult, wo der kleine Michel allerhand Abenteuer erlebt. Ein festliches Konzert rundet das Programm ab und zum Abschluss gibt sich Howard Carpendale die Ehre.

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Volksschauspiel Ötigheim
Beeindruckend: Duetschlands größte Amateurtheater-Frelichtbühne bietet Platz für 4000 Menschen.Foto: Jochen Klenk

2.: Kriegskind

Nummer zwei zu sein, ist auch nicht schlecht: zumindest nicht für die Heidenheimer. Das Naturtheater Heidenheim ist die zweitgrößte Freilichtbühne im Land und konnte 2019 sogar ihren 100. Geburtstag feiern.

Die Geschichte des Naturtheaters beginnt – so grotesk es klingen mag – während des Ersten Weltkrieges. Ella Schneider, die Tochter des Gärtnermeisters Gustav Müller, berichtet, dass ihrem Vater die Idee zur Gründung des Theatervereines unter schwerem Beschuss im Schützengraben gekommen sei. Dort habe sich der Unteroffizier geschworen: „Wenn ich hier rauskomme, will ich mein Leben einsetzen für etwas, was die Menschen verbindet: Die Kunst.“ Er überlebte und hielt Wort: 1919 gründete er mit Gleichgesinnten die „Volkskunstvereinigung Heidenheim“. In Rekordzeiten besuchten 91.000 Gäste die vielfältigen Inszenierungen, die heute vom Klassiker bis zum Kinderstück reichen.

Heidenheim ist übrigens gleich doppelt spannend für Freiluft-Kultur-Fans: Die Opernfestspiele Heidenheim (gegründet 1964) locken mit ihrem jährlichen Programm vor allem Klassik-Fans an die Brenz.

2026 u.a. auf dem Programm: Die "Vorstadtkrokodile" nach dem Kinderbuch-Klassiker, die am 20. Juni die Open Air-Saison eröffnen, die Kult-Komödie "Goodbye Lenin" (26. Juni - bis 22. August) sowie die inzwischen zum Traditionsevent gewachsene Musical-Gala "Showtime - The Sound of Music".

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Opernfestspiele Heidenheim
Highlight für Klassik-Fans: Die Opernfestspiele Heidenheim bieten Ariengenuss vor Schlosskulisse.Foto: Oliver Vogel

3.: Mitten im Wald

Rang drei in Sachen Größe geht an das Naturtheater Reutlingen: Mit rund 30.000 Besuchern ist die Bühne die drittgrößte Amateur-Freilichtbühne Baden-Württembergs. Auf dem Programm der Wasenwald-Festspiele stehen in Reutlingen neben Theater- und Musicalproduktionen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene auch abwechslungsreiche Gastspiele.

2026 stehen hier der Dürrenmatt-Klassiker "Der Besuch der alten Dame" (Premiere am 20. Juni, bis 22. August) auf dem Spielplan, während Kids ab dem 26. Juni (bis zum 16. August) "Die Schule der magischen Tiere" besuchen können. Zum Saisonauftakt gibt es hier am Sonntag, 7. Juni einen Tag der offenen Tür, dazu gibt es im Juli jede Menge Musik-Events, u.a. eine Musical Night (10. Juli), das Beatles-Tribute "Help! (18. August) und zum musikalischen Saisonfinale eine Tribute-Show an Deep Purple ("The Classic Deep Purple Years", 19. August).

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Naturtheater Reutlingen e. V.
Open Air und trotzdem wettergeschützt: In Reutlingen ist beides möglich.Foto: Naturtheater Reutlingen e. V.

4.: Auf der Treppe

Auch Schwäbisch Hall hat in Sachen Freilichttheater eine lange Tradition: Seit 1925 wird hier auf der mehr als 500 Jahre alten Freitreppe vor der Kirche St. Michael professionelles Freilichttheater gespielt. Alles fing mit "Jedermann" an: Hugo von Hofmannsthals Klassiker war in den ersten Jahren das einzige Stück, das zur Aufführung kam. Ab 1949 wurde das Repertoire auch auf andere geistliche und klassische Dramen erweitert. Ab 1968 kamen dann auch Stücke, die weltliche Probleme oder religiös Strittiges aufgriffen hinzu, denn: "Die Treppe führt nicht nur nach oben in den sakralen Bereich, sondern auch nach unten zum Marktplatz und seinem weltlichen Leben." So war "Jesus Christ Superstar" 1990 das erste Musical auf der Großen Treppe.

Ab 1985 wurden auch Stücke für Kinder und Familien inszeniert, zunächst auf der Kleinen Treppe in der Gelbinger Gasse. Im 75. Jubiläumsjahr 2000 wurde – mit dem in einer grandiosen Bürgeraktion auf der Kocherinsel "Unterwöhrd" errichteten Haller Globe Theater – ein aufsehenerregender Shakespeare-Theaterbau geschaffen. Als Provisorium errichtet, fand das dreistöckige Freilicht-Rundtheater schnell einen Weg in die Herzen vieler Zuschauer weit über die Region hinaus. In 16 Spielzeiten fanden dort über 50 Produktionen mit insgesamt über einer Viertelmillion Besuchern statt. Nach zahlreichen Verlängerungen der befristeten Zulassung und immer eingeschränkteren Nutzungsmöglichkeiten beschloss der Haller Gemeinderat im Sommer 2016 die Errichtung eines festen Theaterbaus an selber Stelle. Das NEUE GLOBE wurde im 2019 eingeweiht und ermöglicht dank eines verschließbaren Daches und der Temperierbarkeit des Innenraums nun auch Vorstellungen bei schlechtem Wetter, im Frühjahr, Herbst und Winter.

2026 präsentiert Schwäbisch Hall wieder Theater der Extraklasse. So sind in dem Jahr gleich mehrere Klassiker mit jeder Menge Herzschmerz-Potential zu erleben: Während das Neue Globe zum italienischen Verona wird, wo mit "Romeo und Julia" (Premiere: 25. Juni) das vielleicht unglücklichste Paar der Welt seine traurige Geschichte erzählt, gibt es auf der großen Treppe mit Schillers "Kabale und Liebe" (Premiere: 12. Juni) quasi die deutsche Version der Shakespear'schen Tragödie. Und da aller guten Dinge drei sind, kann man auf der großen Treppe auch die US-Version erleben: George Bernsteins "West Side Story" erzählt diese im New York der 60er. Für Musical-Fans gibt es dazu noch "Cabaret" und auf Kinder wartet im Neuen Globe der "Gestiefelte Kater" (Ab 17. Mai). Und mit Hoffmannsthals "Jedermann" gibt es 2026 auch den Freilicht-Bühnen-Klassiker par Excellence ausserhalb Salzburgs zu bewundern.

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Freilichtspiele Schwäbisch Hall: Nathan der Weise
Bühnenklassiker wie Lessings "Nathan der Weise" sind stets Teil des Programms der Schwäbisch Haller Festspiele.Foto: Freilichtspiele Schwäbisch Hall/Ufuk Arslan

5.: Bei Götz zuhause

Seit 1950 bieten die Burgfestspiele Jagsthausen im Burghof der „Götzenburg“ jährlich ein abwechslungsreiches Theaterprogramm. Im Mittelpunkt steht dabei - wie könnte es anders sein - der Hausherr: Goethes „Götz von Berlichingen“ ist ein Muss für die Intendanten. Daneben finden sich jedes Jahr weitere bekannte Stücke wie „Der Hauptmann von Köpenick“, „Arsen und Spitzenhäubchen“ oder Schillers „Die Räuber“. Kinderstücke wie „Max und Moritz“, „Pippi Langstrumpf“ oder „Die kleine Hexe“ sorgen dafür, dass auch die Kleinsten lustige wie spannende Geschichten erleben können.

Auch 2026 gibt es im Götz'schen Burghof Theater satt. Neben dem "Hausherr" steht dieses Jahr der Krimiklassiker „Der Hexer“ von Edgar Wallace auf dem Programm, aufgeführt in Kooperation mit den Schauspielbühnen Stuttgart. Bereits vor der offiziellen Spielzeiteröffnung feiert die Komödie „Eine Sommernacht“ von David Greig und Gordon McIntyre im Burggraben Premiere. Und Anfang Juni ist mal wieder „Pippi Langstrumpf“ im Burghof zu Gast, während im Gewölbe die Geschichte „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ nach dem Bilderbuchklassiker von Werner Holzwarth erzählt wird. Gleich zwei musikalische Produktionen finden sich im Spielplan für die 76. Spielzeit: Wenig überraschend die Wiederaufnahme des Verkaufsrenners „Das ABBA Konzert – Dancing Queen“. Mit Mel Brooks‘ „Frankenstein Junior“ kommt dazu eine herrlich-skurrile Musikkomödie in den Burghof, die Lachmuskeln und Sargdeckel zum Beben bringen wird.

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Burgfestspiele Jagsthausen
Zuhause bei Götz: Im Stammsitz des berühmten Ritters ist heute im Sommer Theaterspaß für Klein und Groß geboten.Foto: Burgfestspiele Jagsthausen, Cecilia Stede

6.: Über dem Neckar

In der Burg Zwingenberg, hoch über dem Neckar, finden seit 1983 die Schlossfestspiele statt. Bei jährlich wechselndem Programm, bestehend aus Opern, Operetten und Musicals, können sich die rund 800 Besucher in andere Zeiten und Länder entführen lassen. Die Festspiele bieten bei hervorragender Akustik im Schlosshof vom „Freischütz“ über „Figaros Hochzeit“ bis zur „Rocky Horror Show“ für jeden Geschmack das passende Musiktheatererlebnis.

In Zwingenberg steht in der 43. Spielzeit ein Musical-Klassiker im Mittelpunkt: Andrew Lloyd Webbers „Evita“ (Premiere: 30. Juli) erzählt von Aufstieg, Macht und Mythos– und von einer Frau, die bis heute fasziniert. Spätestens wenn der Welthit „Wein’ nicht um mich, Argentinien“ über dem Neckar erklingt, ist Gänsehaut garantiert. Dazu erklingen die Rock-Symphonies-Konzerte, bei denen klassischen Orchesterklang und Rock Energie zu einer besonderen Show verschmelzen. Mitreißende Solisten, der Festspielchor, das Festspielorchester und eine energiegeladene Rockband vereinen dabei Rock-Feeling und orchestrale Wucht. Und an die jüngsten Gäste ist mit dem Familienprogramm passend zum Burgambiente mit „Ritterrüstung und Kettenhemd“ (26. Juli) ebenfalls gedacht.

Infos zum Programm hier

Schlossfestspiele Zwingenberg
Publikum im Zwingenberger Schlosshof vor prächtiger Kulisse.Foto: Martin Hahn

7.: Theater in Ruinen

Und in Heidelberg lohnt sich in den Sommermonaten ein Schlossbesuch gleich doppelt: Die größte Schlossruine Deutschlands ist nicht nur eines der beliebtesten Ausflugsziele im Land, sondern auch Theaterbühne für die Heidelberger Schlossfestspiele. Das Theater und Orchester Heidelberg erfüllt die alten Mauern von Juli bis August mit musikalischen Klängen und mal komischen, mal dramatischen Werken aus der Theaterwelt. Auf insgesamt drei Spielstätten - dem Schlosshof, dem englischen Bau und dem spektakulären Dicken Turm - begrüßen die Künstlerinnen und Künstler Theaterbegeisterte jeden Alters und solche, die es werden wollen.

In der wohl berühmtesten Schlossruine Deutschlands kann auch 2026 wieder Theater genossen werden: Dieses Jahr feiern die Heidelberger Schlossfestspiele ihr 100 Jubiläum, und zwar auf ganzer Linie. Der Schlosshof wird in diesem Jahr zur Gruselkulisse für Mary Shelleys "Frankenstein" (Premiere am 14. Juni), während das Publikum am 19. Juni ein Wiedersehen mit "Cyrano de Bergerac" und am 10. Juli auch mit Bizets "Carmen" feiern kann. Für die Kids wird im Englischen Bau aus dem "Hässlichen Entlein" vielleicht ein stolzer Schwan und dazu gibt es wieder jede Menge Musik - von Bohemian Rhapsody über Udo Jürgens bis zu Klassik à la Carte.

Das Programm der Schlossfestspiele

Heidelberger Schlossfestspiele
Theater in Deutschlands größter Schlossruine? In Heidelberg wunderbar zu erleben.Foto: Susanne Reichardt

Die Spielzeit der Freilichbühnen ist in der Regel von Mai bis September. Das Publikum sollte flexibel sein und bei Bedarf wetterfeste Kleidung dabeihaben. Neben den weithin bekannten Freilichtbühnen gibt es im Südwesten auch unbekanntere und kleinere Freilufttheater. Auch diese lohnen einen Besuch. Zum Beispiel die Burgfestspiele Stettenfels, die Freilichtbühne Hornberg, das Theater unter den Kuppeln Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart oder das Naturtheater Renningen.

Übersicht der Freilichtbühnen aus Ihrer Region:

Hier finden Sie Freilichtbühnen bei Ihnen in der Nähe

von dyh
01.12.2025
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