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Fußball-Wissen: 11 kuriose Fakten aus Baden-Württemberg

Deutschlands Südwesten ist eng mit der Historie des Fußballs verwoben. Wir präsentieren elf Geschichten rund ums Kicken aus Baden-Württemberg.
Das Runde muss ins Eckige ... Zum Fußball gibt es einige kuriose Geschichten aus Baden-Württemberg.Foto: iStock/Thinkstock

Bald ist Anpfiff! Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird auch den Südwesten bewegen. In Stuttgart hat der deutsche Fußball vermutlich seine Wurzeln. Auch sonst ist Baden-Württemberg eng mit der Historie des Fußballs verwoben. Wir präsentieren elf Geschichten rund ums Kicken aus Baden-Württemberg.

Stuttgart-Bad Cannstatt: Die Wurzeln des deutschen Fußballs

Auf dem Cannstatter Wasen soll alles seinen Anfang genommen haben: 1865 wurde dort erstmals in Deutschland Fußball gespielt. Cannstatt, damals noch nicht nach Stuttgart eingemeindet, war als die Stadt mit dem zweitgrößten Mineralwasservorkommen Europas besonders für den englischen Adel attraktiv. Auf eines der neu entstandenen Internate ging William Cail, später Schatzmeister des englischen Rugbyverbands. In einem seiner Briefe findet sich der älteste Nachweis eines Fußballspiels auf deutschem Boden. Die Frage, ob damals Fußball oder Rugby gespielt wurde, erübrigt sich. Beides nannte man einfach "Football".

Auch in den badischen Universitätsstädten Heidelberg und Karlsruhe jagten britische Studenten schon 1873 beziehungsweise 1889 dem runden Leder nach.

Freiburg: Wo Jogi seinen Espresso trinkt

Zwischen Freiburger Hauptbahnhof und dem Luxushotel Colombi ist es durchaus prominent gelegen und doch könnte man das unscheinbare Café Melange glatt übersehen. Keine Wimpel, keine Poster: Vielleicht hat sich Ex-Bundestrainer Joachim "Jogi" Löw genau deshalb das Melange als Stammcafé auserkorent. Wobei: Der Espresso muss in jedem Fall außergewöhnlich sein. Der Weltmeister-Trainer von 2014 schätzt das Heißgetränk so sehr, dass ihm zu Amtszeiten bei jedem Interview ein Tässchen gereicht wurde.

Metzingen: Sauberer Kasten dank schwäbischem Tüftlergeist

In der Kleinstadt am Fuß der Schwäbischen Alb gelang dem Sportartikelhersteller Reusch in den 1970er-Jahren eine fußballerische Revolution. Mit Nationaltorhüter Sepp Maier entwickelte er den Torwarthandschuh mit Innenflächen aus Latex. Die neuerdings mit Kunststoff beschichteten Lederbälle flutschten damit nicht mehr so leicht durch die Hände der Keeper. Angeblich hielt „Katze Maier“ deshalb so zuverlässig seinen Kasten sauber, weil er das bessere Equipment hatte.

Mannheim: Der erste deutsche Fußballmeister kam aus der Kurpfalz

Am 10. Juli 1949 feierte der VfR Mannheim seine Meisterschaft. Die Kurpfälzer gewannen in Bad Cannstatt den Titel durch einen 3:2-Sieg nach Verlängerung gegen Borussia Dortmund. Insgesamt 92.000 Fußballfans sahen die "Hitzeschlacht" im Neckarstadion. Seit 1949 wird die Deutsche Meisterschale verliehen; die Spieler des VfR Mannheim waren damit die ersten Fußballer, die die Trophäe in die Höhe recken konnten.

Wangen im Allgäu: Wo das Sommermärchen 2006 begann

Kaum zu glauben, aber wahr: Auf dem Wangener Marktplatz begann die Weltmeisterschaft 2006. Die togolesische Mannschaft hatte sich das Allgäu als Quartier ausgesucht. Als erstes Team trafen die Westafrikaner offiziell und in Mannschaftsstärke ein. Der Empfang auf dem Marktplatz wurde live im Fernsehen übertragen. Von dort ging das Signal durchs ganze Land: Die WM hat begonnen! Unglücklicherweise war Togo auch das erste Team, bei dem feststand, dass es wieder abreisen würde. Der Verbundenheit hat es keinen Abbruch getan: Noch heute werden die Beziehungen zwischen Togo und Wangen intensiv gepflegt.

Karlsruhe: Hochburg einer jungen Sportart

In Stuttgart wurde erstmals in Deutschland Fußball gespielt, Karlsruhe aber etablierte sich bald als Hochburg der jungen Sportart. Das liegt vor allem an Walther Bensemann. An über 15 Vereinsgründungen in Süddeutschland beteiligt, gründete der deutsche Fußballpionier in Karlsruhe 1889 den International Football Club, später die Karlsruher Kickers. Man spielte auf dem Engländerplatz an der Moltkestraße, auf dem auch eines der sieben "Ur-Länderspiele" stattfand. Teile des Ascheplatzes kann man heute noch bespielen. Auch dank Bensemann war Baden sportlich früh überlegen: Drei der ersten sieben deutschen Meistertitel gingen ins Großherzogtum, zwei davon nach Karlsruhe.

Schluchsee: Von falschen und echten Wundermitteln

Mit einem Trainingslager in Höhenluft sollte die WM 1982 für die deutsche Mannschaft zum Erfolg werden. Das Hotel Vier Jahreszeiten am Schluchsee liegt auf 1.000 Metern, der clevere Hoteldirektor versprach dem DFB wundersame Gesundheitseffekte. Dass Höhentraining erst ab 1.500 Metern beginnt, war noch nicht so geläufig. Sowieso stand bei den Nationalspielern eher eine Diskothek in Waldshut hoch im Kurs, der Begriff "Schlucksee" wurde geprägt. Gegen Katerstimmung am nächsten Tag hatte Hotelportier Heinz Schneider ein Mittel: Dank Spiegeleiern mit Schwarzwälder Speck standen tags darauf alle Mann wieder auf dem Platz.

Stuttgart: Ein Schwabe sorgt für Ordnung auf dem Platz

Als der Fußball ruppiger wurde, hatte ein Stuttgarter Schiedsrichter eine bahnbrechend einfache Idee. Rudolf Kreitlein erfand zusammen mit dem Briten Ken Alston Ende der 1960er-Jahre die Gelbe und die Rote Karte. Zuvor brauchte er bei einem Spiel der WM 1966 in England stolze sieben Minuten, um den argentinischen Kapitän Antonio Rattín nach einem Platzverweis vom Spielfeld zu komplimentieren. Seine klare Ansage "Now is end for you!" war wohl doch nicht eindeutig genug. Kreitlein grübelte tagelang, ob es nicht ein unmissverständliches Signal für Platzverweis gäbe. An einer Ampel in London fiel der Groschen, und die beiden international verständlichen Zeichen wurden dann 1970 von der FIFA umgesetzt. Übrigens: Die erste Gelbe Karte zeigte bei der WM 1970 ein Badener - Schiedrichter Kurt Tschenscher aus Mannheim.

Heidenheim: Höhenluft und Würstchenduft

555 Meter über Null: Seit dieser Saison stellt der 1. FC Heidenheim das höchstgelegene Stadion der Bundesliga. Mittlerweile im Oberhaus angekommen, werden Fans vor Ort stets daran erinnert, wo der Verein herkommt: Zu Landesliga-Zeiten hätten sich die Ostälbler zu gern ein Clubhaus neben ihren Sportplatz gebaut, mussten aber mit einer provisorischen Bretterbude Vorlieb nehmen. Über die Jahre wird "Liko's Kiosk" zum Heiligtum. Beim Stadionausbau steht ein Abriss nicht zur Debatte, der Architekt muss die neue Tribüne um den Kiosk herum bauen. Nur in Heidenheim hat man heute beim Würstchenholen eine derart ungehinderte Sicht auf das Spielfeld.

Villingen-Schwenningen: Stadionatmosphäre im Wohnzimmer

Im WM-Jahr 2026 wird ein Fußball-Original aus Baden-Württemberg 102 Jahre alt: Tipp-Kick bringt damals wie heute der Deutschen liebstes Spiel in die heimischen Wohnzimmer. Ein Stuttgarter Möbelfabrikant verscherbelte 1924 sein Patent für kleine Zinnfiguren mit beweglichem Fuß. Er hielt seine Idee für wertlos. So kann man sich täuschen. Der Schwenninger Edwin Mieg kaufte ihm das Patent ab und stellte die Figuren samt eckigem Ball zwei Jahre später auf der Nürnberger Spielwarenmesse vor. Tipp-Kick gibt es bis heute fast unverändert. So richtig original ist es nur, wenn es in Schwenningen hergestellt wird.

Ostfildern: Die Neuerfindung des Fußballs

Begriffe wie "Viererkette", "Ballorientierung" und "Verschieben" kursieren heute wie selbstverständlich. Als sie in den 1980er-Jahren von einer südwestdeutschen Trainerschule eingeführt wurden, kam das manchen wie die taktische Neuerfindung des Fußballs vor. Federführend war der Stab um Helmut Groß, Ralf Rangnick und weitere Fachleute des Württembergischen Fußballverbandes. Einige Kniffe hatte man sich von Dynamo Kiew abgeschaut, die regelmäßig in der Sportschule in Ostfildern-Ruit zu Gast waren. Der Vorsprung der württembergischen Trainerschule hatte zwischenzeitlich dazu geführt, dass ein Drittel aller Bundesligatrainer aus dem Fußballsüden stammte.

von red/mw/dyh/Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg
07.04.2026
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