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Unterwegs in BW

Geheimnisvoller Tiefpunkt in BW: Mannheims Rheinpegel

Hoch hinaus im Schwarzwald? Klar. Aber die tiefste Stelle des Landes liegt überraschend flach in Mannheim. "Unnützes Heimat-Wissen" zeigt wo.
Rheinpegel in Mannheim beim Pegelstand von 7,40 MeternFoto: Hubert Berberich (HubiB) - CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=65591271

Wenn man an Baden-Württemberg denkt, entstehen sofort Bilder im Kopf: Schwarzwaldtannen, steile Traufhänge der Schwäbischen Alb, der glitzernde Bodensee. Berge mit Weitsicht, die den Atem raubt. Flüsse, die sich durch Täler winden. Kaum jemand käme auf die Idee, dass das „Ländle“ auch ganz anders kann: tief unten. So richtig tief. Und dieser Tiefpunkt liegt direkt am Rhein.

Hier, am Pegel Mannheim, schlägt das geographische Herz des Landes auf einem erstaunlich flachen Niveau: rund 85 Meter über Normalhöhennull (NHN). Während sich der Schwarzwald teils über 1.000 Meter erhebt, liegt Mannheim still am Wasser und schmiegt sich an den Rhein. Der Fluss zieht gemächlich vorbei, Schiffe schieben sich über die Wasserfläche, Möwen kreischen, und manchmal spiegelt sich die Sonne auf den Wellen, als wollte sie den tiefsten Punkt in besonderes Licht setzen.

Seit 1800 besteht hier in der Nähe der jeweiligen Brückenbauwerke ein sogenannter Lattenpegel. An ihm werden regelmäßig die Wasserstände des Rheins abgelesen. Dabei änderte sich die Höhe des Pegelnullpunktes bis 2026 neun Mal. Heute liegt er bei exakt 85,117 Meter über NHN.

An der Uferböschung sind die geneigten Pegellatten zu erkennen, darüber der Pfeiler mit der senkrechten Pegellatte.Foto: Hubert Berberich (HubiB) - CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=74444708

Wer am Rhein entlangläuft, kann praktisch am tiefsten Punkt Baden-Württembergs vorbeikommen. Eine recht unscheinbare Stelle am rechten Rheinufer, unterhalb der Konrad-Adenauer-Brücke. Und doch ist sie geographisch hochgradig bedeutsam. Spaziergänger mit Hund, Radfahrer oder Jogger auf der Rheinpromenade nehmen sie kaum wahr. Aber genau diese unscheinbare Stelle hat ihre eigene Besonderheit. Wer hier einen Moment verweilt, den Blick auf das Wasser richtet und die vorbeiziehenden Schiffe betrachtet, kann spüren, dass Baden-Württemberg nicht nur aus Bergen besteht, sondern auch aus dieser flachen Flusssenke.

Mannheim lehrt auf kleinem Raum Geographie und Überraschungen zugleich. Man kann sich über die höchsten Schwarzwaldgipfel quälen, durch die Wutachschlucht kraxeln oder Deutschlands längste Treppe in Bad Wildbad bewältigen; irgendwann muss man wieder herunterkommen. Und am Ende landet man vielleicht sogar auf diesem unscheinbaren Uferstreifen. Das Wasser gluckert leise gegen die Kaimauer, ein Schiff wirft einen langen Schatten, und irgendwo singen Vögel ihre Abendlieder. Eine eher beiläufige Kuriosität, die sich auf Karten ablesen lässt, die in Pegelstandsdaten dokumentiert ist und die, wie so vieles in der Heimat, ein kleines Geheimnis bereithält.

Pegellatten am Rhein bei Niedrigwasser.Foto: Ikar.us - CC BY 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=112677359

Wer also nach skurrilem Charme sucht, muss nicht in die Berge. Ein Spaziergang entlang des Rheins in Mannheim genügt. Hier zeigt sich: Nicht nur der Schwarzwald hat seine Höhepunkte. Baden-Württemberg hat auch einen geheimnisvollen Tiefpunkt. Und der liegt so unauffällig, dass man ihn leicht übersieht.

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von Redaktion NUSSBAUMAndreas Herrmann
28.05.2026
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