Nussbaum-Logo
Kultur

Hermann Hesse: Warum seine Beziehung zu Calw gespalten war

"Unnützes Heimat-Wissen" erzählt vom Dichter Hermann Hesse und seiner wechselseitig schwierigen Beziehung zur beschaulichen Großen Kreisstadt Calw.
Hermann Hesse auf einem Schwarz-weiß-Foto, in einem Buch lesend.
Hermann Hesse war in seiner Heimatstadt Calw nicht nur beliebt.Foto: wikisource/gemeinfrei

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, so auch dieser kleinen Geschichte vom Dichter Hermann Hesse und seiner wechselseitig schwierigen Beziehung zur beschaulichen Großen Kreisstadt Calw, wo er geboren wurde, aufwuchs und mehrere Jahre seines Lebens verbrachte und arbeitete.

Ein kleiner Vorgeschmack dieser schwierigen Beziehung ist womöglich die Tatsache, dass der Calwer Gemeinderat sich 1957 verweigerte, ein örtliches Gymnasium nach ihm zu benennen. Das war noch zu Lebzeiten des damals schon weltweit bekannten Schriftstellers. Eine, sagen wir, ungewöhnliche Situation.

Beruht auf Gegenseitigkeit

Die Ablehnung beruhte in manchen Punkten auch auf Gegenseitigkeit: Hesse selbst fühlte sich, mehreren Quellen zufolge, in dem Städtchen nicht sonderlich wohl, weil ihm die schwäbische Pietät sehr auf die Nerven ging. Die Natur und vor allem die Nagold beschreibt er allerdings als sehr erholsam und inspirierend – so habe er zeitlebens immerzu an Calw gedacht, wenn er Landschaft oder Natur beschrieb. Wenn das keine Liebeserklärung ist.

Und es geht noch weiter: Weil es in Calw im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche Gerber gab, nannte er das Städtchen Calw in seinen Werken oft mit dem Pseudonym „Gerbersau“, was ohne ins Detail gehen zu wollen wiederum ein kleiner Seitenhieb an die Stadt im Enzkreis darstellt.

Geistes-verwirrt?

Weil er Dichter werden wollte und nicht Theologe oder Rechtsgelehrter nahm man den jungen Hesse im Städtchen Gerbersau nicht sonderlich ernst, auf der einen Seite, oder erklärte ihn zum Geistes-verwirrten Querulanten auf der anderen.

Mit dem heutigen Titel „Calws berühmtester Sohn“ wurde nun einiges wiedergutgemacht, was der Schriftsteller in seinem Leben nicht mehr ganz so mitbekam. Seit 1990 gibt es in Calw ein Hermann-Hesse-Museum. Im Jahr 2002 folgte dann die komplette Aussöhnung: Eine Hesse-Statue in der Innenstadt entstand zum 125. Geburtstag - besser spät, als nie. Leider konnte er diese Geste nicht mehr miterleben, vielleicht verschaffte ihm der Gedanke an Versöhnung aber ein gutmütiges Lächeln, so wie das seiner Statue im Stadtzentrum. Weil er es ahnte, wetten?

Hermann Hesse

Geboren am 2. Juli 1877 in Calw

Gestorben am 9. August 1962 in Montagnola, Schweiz

Bekannt wurde er durch seine Erzählungen wie Der Steppenwolf, Siddharta, Demian, Das Glasperlenspiel oder Narziß und Goldmund. Auch seine Lyrik ist weltbekannt.

Er setzte sich mit seiner Heimat, aber auch mit fernöstlichen Kulturen und deren Spiritualität auseinander. Mit der 68er-Bewegung in Deutschland bekamen seine Werke Ende der sechziger bis in die siebziger Jahre neuen Aufwind. Heute gehört Hesse vor allem mit Unterm Rad zum Literaturkanon in den Schulen.

von Dominik Ralser
04.02.2026
Kategorien
Freizeit & Unterhaltung
Kultur
Literatur
Unterwegs in BW
Passende Themenseiten
Deine Saison
Deine Saison
Feste, Märkte & Traditionen
Feste, Märkte & Traditionen
Freizeit & Unterhaltung
Freizeit & Unterhaltung