Mit der Einweihung der NECKARLINE hat Rottweil seit April eine neue Atraktion. Die spektakuläre Hängebrücke über den Neckar, die längste Fußgängerbrücke in Süddeutschland, haben die Verantwortlichen der Stadt zum Anlass genommen, gleich ein ganzes "Jahr der Brücken" zu feiern. Klingt spannend. Unsere Reporterin Jacqueline Geisel fand sich hier angesprochen und hat die Gelegenheit ergriffen, sich mal umzuschauen.
„Rottweil feiert das Jahr der Brücken“ – als ich diese Ankündigung entdeckte, war meine Neugier sofort geweckt. Selbst nach vielen Jahren Pressearbeit, in denen ich mit unterschiedlichen Veranstaltungen und Events zu tun hatte, erschien mir ein solches Festwochenende noch neu und ungewöhnlich. Also nichts wie hin ins schöne Rottweil! Mit diesem Gedanken war ich beileibe nicht allein. Am letzten Aprilwochende stimmte auch einfach alles. Die Sonne zeigte sich an einem strahlend blauen Himmel, die Temperaturen waren mild bis warm – perfekte Bedingungen für eine Veranstaltung im Freien. Und mit einem Rahmenprogramm, wie es die Stadt und die Erbauer der NECKARLINE auffuhren, musste das Brücken-Wochenende einfach ein Erfolg werden.
Mich persönlich zog es zuerst auf die neue Hängebrücke, die Neckarline, die in Form eines „S“ direkt auf die Stadtmauer führt. Noch bevor ich einen Fuß auf die 606 Meter lange Stahlkonstruktion gesetzt hatte, machte ich große Augen. Die Erbauer hatten ja bereits versprochen, dass die Hängebrücke das Stadtbild prägen wird. Aber Bilder von der Baustelle konnten nicht vollständig erfassen, wie das in der Realität aussehen würde. Die NECKARLINE fügt sich einerseits irgendwie dezent in das Landschaftsbild, andererseits ist sie mit ihrem Schwung nach oben und unten oberhalb des geschwungenen Flusses mit parallel verlaufender Straße und Bahnlinie ein absoluter Hingucker.
Die Platzierung hätte nicht besser gewählt sein können. Und das in mehrfacher Hinsicht. Denn die Hängebrücke ist nicht nur prägend, sie bietet auch etwas – nämlich neue Blickwinkel auf den Rottweiler TK-Elevator-Testturm sowie die Stadt und ihre Stadtmauer.
Beim Gang über die NECKARLINE weiß ich zunächst gar nicht, wo ich hinschauen soll. Nach unten auf den Fluss? Zur Seite auf den Testturm? Oder doch lieber entlang der Brücke auf das traumhafte Stadt-Panorama? Diese neue Brücke war den Besuch definitiv wert. Übrigens bietet der Spaziergang über das sanft geschwungene „S“ auch einen gewissen Spaßfaktor: Die Hängebrücke schwingt unerwartet stark. Sie lässt sich gut ablaufen, Besucher müssen sich also keine Sorgen machen. Und doch ist das Gefühl sehr ungewohnt. Aber keine Sorge: Es gibt mehrere verbreiterte Stellen, an denen man ein Päuschen einlegen, sich vom Schwingen erholen und den Ausblick in alle Richtungen genießen kann.
Auf beiden Seiten der NECKARLINE war ein vielseitiges Programm geboten. Ganz aus Versehen stolperte ich in eine Kapelle, die auf dem Pylon am Berner Feld eine Kostprobe ihres Könnens gab. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was Besucher das ganze Wochenende über im dortigen Festzelt erwartete. Auf der Stadtseite ging es deutlich ruhiger zu. Im Bockshof hatten mittelalterliche Marktbeschicker ihre Zelte aufgeschlagen.
Sie präsentierten allerlei Außergewöhnliches, angefangen bei niedlichen Schafen auf Holzgestellen über Schmuck und Kerzen bis hin zu kunstvollen Holzarbeiten. An so manchem Stand kamen Groß und Klein auch in den Genuss von Mitmachangeboten. Apropos Genuss: Für das leibliche Wohl war natürlich bestens gesorgt. Einen kleinen Schreck verpasste mir das Salutschießen der Bürgerwehr. Ich bin derartige Spektakel zwar gewöhnt und der Knall kam auch nicht unerwartet, aber die Akustik vom Bockshof in Richtung Hängebrücke war dann doch beeindruckend.
Das Mittelalter blieb aber nicht im Bockshof beim zweiten Pylon der Hängebrücke. Die Künstler und Gaukler wanderten durch die Innenstadt und versprühten ihren Charme. Die Kinder – und auch einige Erwachsene – staunten da nicht schlecht. Ein verkaufsoffener Sonntag nach meinem Geschmack.
Auch ich eiste mich irgendwann vom Blick auf Hängebrücke und Testturm los und machte mich auf in Richtung Innenstadt – immer mit einem kleinen Schmunzeln im Gesicht, wenn mir eine Rottweilerfigur begegnete, die es in der Stadt wirklich an jeder Ecke gibt, an denen man sich aber einfach nicht satt sehen kann.
Die wunderschöne Stadtkulisse war an diesem verkaufsoffenen Sonntag von unglaublich viel Leben erfüllt. Zwischen den individuellen, absolut sehenswerten Gebäuden schauten sich zahlreiche Menschen jeden Alters in den Geschäften um oder warteten auf den nächsten Programmpunkt auf der Bühne. Die Cafés waren gut gefüllt und die allgemein vorherrschende Stimmung erhellte einem einfach sofort das Gemüt. Besonders die außergewöhnlichen Geschäfte, die es quasi an jeder Ecke gibt, stachen mir ins Auge und sprachen mich sofort ein. Ein Pop-up-Café? Da musste ich einen Cappuccino und ein Dessert kosten. Ein kleiner Laden mit vielen liebevoll gefertigten Produkten, von denen quasi jedes rief „verschenk mich!“? Natürlich habe ich dort einige Euro liegen lassen.
Was soll ich sagen: An diesen drei Tagen war in Rottweil so viel für jedes Alter und jeden Geschmack geboten, dass ich gar nicht alles selbst erleben konnte – und dementsprechend hier auch nicht abbilden kann. Ich kam aus dem Staunen einfach nicht mehr heraus und habe mich in diese Stadt verliebt. Das war defnitiv nicht mein letzter Besuch in Rottweil – auch ohne das „Jahr der Brücken“.
Das Jahr der Brücken verspricht in Rottweil auch nach der Eröffnung der Neckarline noch viele weitere spannende Termine. So widmet die Stadt ganz im Sinne des "Brückenschlagens" ihren Partnerstädten jeweils einen "Brückensamstag" in der oberen Hauptstraße (jeweils 13 - 17 Uhr)
Samstag, 13. Juni - Italienischer Brücken-Samstag (Partnerstadt L’Aquila)
Ein Nachmittag voller italienischer Atmosphäre mitten in der Rottweiler Innenstadt: Mit Spezialitäten aus der Region, Aperol Ape, Vespa-Club-Treffen und Kinderprogramm bringt der Brückensamstag italienisches Lebensgefühl nach Rottweil. Viele Geschäfte in der Innenstadt haben bis 16 Uhr geöffnet.
Samstag, 18. Juli - Österreichischer Brücken-Samstag (Partnerstadt Imst)
Der Brückensamstag mit Imst steht ganz im Zeichen von Outdoor, Bewegung und Familienprogramm. Geplant sind ein Kletterberg in Kooperation mit DAV und Schneelaufverein, Live-Musik sowie eine Hüpfburg für Kinder. Ein Aktionstag mit alpinem Flair mitten in der Innenstadt.
Samstag, 19. September - Französischer Brücken-Samstag (Partnerstadt Hyères)
Beim französischen Brückensamstag dreht sich alles um Genuss, Musik und Begegnung. Besucherinnen und Besucher erwartet in der Oberen Hauptstraße traditionell Aperó mit Tapenade und weitere typische Spezialitäten aus der Region Hyères der Verein der Freunde von Hyères sowie Live-Musik und Kinderprogramm.
Samstag, 7. November - Schweizer Brücken-Samstag (Partnerstadt Brugg)
Der Schweizer Brückensamstag bringt alpines Flair nach Rottweil. Besucherinnen und Besucher erwartet originales Schweizer Raclette, ein Auftritt von Alphornbläsern sowie Aktionen des Vereins der Freunde von Brugg. Gemeinsam mit Käse Caduff wird außerdem das 100-jährige Jubiläum gefeiert. Ergänzt wird das Programm durch Hüpfburg und Luftballonakrobatik für Kinder.


