Ratgeber

Ohrenhygiene mit (und ohne) Hörgerät

Worauf es nicht nur für Hörsystemträger bei einer guten Ohrhygiene ankommt und warum Wattestäbchen keine gute Idee sind.
Nicht mit dem Wattestäbchen stochern!Foto: batuhan toker/iStock/Getty Images Plus

Alle unsere fünf Sinne sind täglich im Einsatz. Eine besondere Bedeutung kommt darunter dem Hören zu: So macht das glucksende Lachen eines Kindes uns glücklich, ein schönes Musikstück jagt Wonneschauer über den Rücken, das Hupen eines Autos warnt vor Gefahr und sich nähernde Geräusche und Stimmen helfen bei der Orientierung. Vor allem ist ein gutes Gehör wichtig für die Kommunikation und geistige Fitness.

Darum sind Hörgeräte für viele Menschen mit Hörbehinderungen ein Segen – ermöglichen sie doch eine ungehinderte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.

Video: Wie man die Ohren richtig säubert

Verstärkte Bildung von Ohrenschmalzpfropfen

Bei allen Vorteilen kann die Nutzung eines Hörgeräts aber auch Probleme verursachen. Neben technischen Schwierigkeiten betrifft das vor allem die Reinigung. Zum einen muss das kleine Instrument selbst gemäß Herstellerempfehlung stets sauber gehalten und gewartet werden.

Zum anderen sollte man besonderes Augenmerk auf die Ohrhygiene legen. Denn das Tragen von Hörgeräten – das gilt auch für In-Ear-Kopfhörer – begünstigt die Bildung von Ohrenschmalzpfropfen, die gegen das Trommelfell drücken. Sie können den Schall im Gehörgang behindern und eine Schallleitungsschwerhörigkeit, Schmerzen im Ohr, Juckreiz oder Schwindel verursachen. Darüber hinaus führt überschüssiges Ohrenschmalz oft dazu, dass das Hörgerät nicht richtig sitzt oder in seiner Funktion beeinträchtigt wird.

Ohrenschmalz hat eine wichtige Funktion im Körper

Wichtig ist es, sich klarzumachen, dass Ohrenschmalz (Cerumen) kein Schmutz ist. Es handelt sich um ein wachsartiges Sekret des Gehörgangs, welches die empfindliche Haut schützt und das Eindringen von Krankheitserregern verhindert. Daher muss es nur bei einer vorhandenen Überproduktion vorsichtig entfernt werden.

Zur sorgfältigen Ohrhygiene eignet sich gerade im Falle des Tragens eines Hörsystems ein spezielles Ohrenspray aus der Apotheke. Es enthält hochwertiges Olivenöl in pharmazeutischer Qualität und wird mittels eines einfachen Pumpsprühsystems wohldosiert ins Außenohr abgegeben. Von dort unterstützt es die Aufweichung und natürliche Entfernung von Ohrenschmalz.

Eine genaue Anleitung erklärt die Anwendung. Bei regelmäßiger Verwendung sorgt es nicht nur für eine gesunde Reinigung des Gehörgangs, sondern schützt auch die empfindliche Haut vor Trockenheit und Irritationen.

Moderne Hörgeräte bieten viel Komfort.Foto: AlexRaths/iStock/Thinkstock
Moderne Hörgeräte bieten viel Komfort.
Foto: AlexRaths/iStock/Thinkstock

Was zur Ohrenhygiene nicht empfehlenswert ist, sind Wattestäbchen. Sie bergen die Gefahr, das Ohrenschmalz nur noch tiefer in den Gehörgang zu drücken und das Problem zu verschlimmern. Auch Verletzungen drohen.

Deshalb lautet die oberste Regel, Behutsamkeit walten zu lassen: Keinesfalls sollte man mit Wattestäbchen im Gehörgang herumrühren oder gar stochern. Zum einen können die Teile die zarte Haut des Gehörgangs schädigen, was oft schmerzhafte Entzündungen und Ekzeme nach sich zieht. Zum anderen wird auch das empfindliche Trommelfell selbst schnell gereizt oder sogar verletzt.

Vor allem aber gilt bei Wattestäbchen die 80/20-Regel zur Warnung. Demnach sieht man nach der Verwendung nur 20 Prozent des Ohrenschmalzes (Cerumen) auf dem Wattekopf, sobald er herausgezogen wird – 80 Prozent hingegen werden nur tiefer ins Ohr hineingeschoben. Das kann dazu führen, dass Ohrenschmalz eintrocknet, verhärtet und einen festen Pfropf bildet. Dieser haftet am Trommelfell, übt Druck aus oder „klötert“ hin und her. Teilweiser Hörverlust, Schwindel oder Summen in den Ohren sind typische Folgen.

Ohrenspülung bei der HNO-Ärztin.Foto: DuxX/iStock/Getty Images Plus
Ohrenspülung bei der HNO-Ärztin.
Foto: DuxX/iStock/Getty Images Plus

Lieber zum HNO-Arzt bei Ohrenbeschwerden!

Bei anhaltendem Druckgefühl, Ohrgeräuschen oder anderen Beschwerden sollte man den HNO-Arzt aufsuchen. Der Experte kann dann etwaige, vorher aufgeweichte Pfropfen mit einem kleinen Saugröhrchen oder Häkchen vorsichtig entfernen. Wer seine Ohren so gut pflegt und zudem übermäßigen Lärm vermeidet, hat gute Voraussetzungen für ein lang anhaltend scharfes Gehör.

Außerdem ist für Hörsystem-Nutzer eine regelmäßige Kontrolle beim Hörgeräteakustiker angezeigt. Er sorgt auch für die perfekte Einstellung des Geräts, die entscheidend ist für den Erfolg. Wie Sie das Hörgerät zu Hause richtig pflegen und reinigen, lesen Sie hier.

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von djd/Vaxol/red
03.08.2021