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Säg dir einen: Weihnachtsbaum selbst schlagen - so geht's

Etwa 24 Millionen Weihnachtsbäume werden bei uns jährlich verkauft. Statt im Baumarkt einzukaufen, liegt selbst schlagen im Trend. Ein Selbstversuch.
Ein Junge sägt an einer kleinen Nordmanntanne
Einen Weihnachtsbaum selbst fällen ist gar nicht so schwer – so geht's.Foto: Maren Moster

Den Christbaum selbst zu schlagen, wird immer beliebter. Unsere Autorin Maren Moster hat das kleine Adventsabenteuer in Möglingen auf Familientauglichkeit getestet.

Auf der Suche nach dem perfekten Baum

Nehmen wir den? „Nein, der ist nicht dicht genug.“ Ein kurzer Dialog am Sonntag vor dem zweiten Advent auf der vier Hektar großen Weihnachtsbaumkultur Wieland in Möglingen bei Ludwigsburg. Mein Mann geht zielstrebig weiter, Tochter Nele und Sohn Lars hinterher. Kurz darauf ruft die Kleinste: „Der ist aber schön!“ Ihre Begeisterung gilt einem krumm und krakelig gewachsenen Bäumchen am Wegrand, an dem schon zig Besucher achtlos vorbeigelaufen sind. Der Rest der Familie sagt nichts und hält weiter Ausschau. Irgendwo hier muss es ihn doch geben, den perfekten Baum, bei der großen Auswahl.

„Ich habe etwa 12.000 Christbäume in einer Größe von 30 Zentimetern bis zu vier Metern“, sagt der Besitzer der großen Auswahl, Michael Wieland. Er bietet zwei Baumsorten an, Nordmanntannen und Blaufichten. „Das sind die beliebtesten Sorten der Deutschen“, sagt er.

    Rückansicht einer Familie, die durch eine Auswahl an Weihnachtsbäumen läuft
    Auf der Suche nach dem perfekten Weihnachtsbaum.Foto: Maren Moster

    Blaufichte vs. Nordmanntanne

    Als Fachmann kennt er alle Vor- und Nachteile: Blaufichten nadeln zum Beispiel nicht so schnell, haben aber dafür sehr spitze Nadeln und eine bläuliche Färbung. Ursprünglich stammt die Fichtenart aus den Rocky Mountains, wo sie einen Teil des Bergwaldes bildet. Ob ihrer Herkunft ist sie sehr kältebeständig und gedeiht auch in trockenen Gebieten. In Russland wird sie oft zur Begrünung von Parks und Gärten genutzt, da sie auch Temperaturen bis minus 40 Grad wegsteckt.

    Die Nordmanntanne hat wachsähnliche Nadeln, die nicht piksen und sich gut schmücken lassen. Das Licht der Lichterkette oder der Kerzen spiegelt sich auf der Oberfläche wider. „Das sieht sehr schön und dekorativ aus“, schwärmt Michael Wieland, der sich jedes Jahr eine ins Haus stellt. „Die Nordmanntanne ist allerdings teurer als die Blaufichte“, so Wieland.

    Meterpreise und Expertenrat

    Er kalkuliert seine Ware nach einer einfachen Regel: je größer, desto teurer. Bäume bis 1,70 Meter kosten 25 Euro, über 1,70 Meter 35 Euro. Bis ein Baum 1,70 Meter groß ist, vergehen mindestens acht Jahre. Eine lange Zeit, in der Wieland die Bäume natürlich nicht sich selbst überlassen kann. Nachdem er die etwa 30 Zentimeter kleinen Bäumchen per Hand gepflanzt hat, muss er sie von Unkraut freihalten, damit sie gut wachsen. Im Frühjahr nimmt er Bodenproben, um den Düngerbedarf präzise zu ermitteln, ab dem sechsten Jahr kommt der sogenannte Formschnitt hinzu. Für eine regelmäßige Rundung und eine schmalere Baumform zwickt er beispielsweise äußere Triebe heraus.

    Preis hin oder her. Egal, wir waren uns schnell einig: Eine kleine Nordmanntanne, die nicht pikst, soll es sein. Und siehe da. Ein wunderschönes Exemplar steht da, in den letzten Jahren scheinbar nur für uns gewachsen. Jetzt die Säge an der richtigen Stelle angesetzt und ab damit aufs Autodach.

      Mädchen steht neben einer kleinen Tanne und hält eine Säge in Händen
      Das Blatt der Säge sollte scharf sein, dann geht das Fällen des Baumes leicht von der Hand.Foto: Maren Moster

      Sauberer Schnitt

      Was so einfach klingt, braucht doch ein bisschen Know-how, das Experte Wieland gerne vermittelt: „Ein Weihnachtsbaum sollte möglichst tief, direkt über dem Erdboden gesägt werden“, gibt er uns mit auf den Weg. Dass es dazu eine gute Säge mit einem sauberen, scharfen Blatt braucht, versteht sich von selbst. Trotzdem schwingt ein bisschen Abenteuergefühl mit. Also, wer traut sich?

      Überraschend leicht

      Sohn Lars setzt die Säge an und legt los. Es sieht gut aus und geht überraschend leicht. Das Sägeblatt gleitet scheinbar mühelos durch das Holz wie durch Butter, und nach ein paar Mal hin- und herziehen kippt unser Baum auch schon um. Mein Mann packt ihn auf die Schulter, wir bezahlen und lassen ein Transportnetz überziehen. Diesen Job – unter vielen anderen – erledigt Michael Wielands Frau Christel. Sie packt überall dort mit an, wo Not am Mann oder vielmehr an der Frau ist. Jetzt müssen wir unsere Ausbeute nur noch aufs Autodach hieven.

        Mann zahlt bei einer Frau einen Weihnachtsbaum
        Christel Wieland kassiert ab und packt mit an.Foto: Maren Moster

        Rundum-Paket

        Aber das kann warten. Vorher kommt der gemütliche Teil mit würzigen Wildbratwürsten und dampfendem Glühwein. „Das Fleisch für unsere Wildbratwürste stammt aus unserer eigenen Jagd“, sagt Wieland. Ach, Jäger ist er auch? Und da wären noch seine Schweine, die Freilandhaltung genießen. Außerdem besitzt er ein Hühnermobil. Und das alles läuft eigentlich nur nebenher, denn im Hauptberuf betreibt er ein Transportunternehmen. Schläft der Mann auch mal?

        Wie kommt der Baum aufs Autodach?

        „Manchmal ist es ein bisschen viel“, gibt er zu, „aber zusammen schaffen wir es“, sagt Wieland und nimmt seine Christel in den Arm. Welch herzerwärmende Weihnachtsgeschichte, denken wir, während wir satt und zufrieden vom Hof laufen, mit einem Christbaum, der allen Familienmitgliedern gefällt und der nicht pikst. Kurz darauf stellen sich neue Aufgaben: Wie kriegen wir jetzt den Baum aufs Dach unseres zugegebenermaßen etwas hohen Familienautos? Aber das ist eine andere Geschichte …

          So hat man lange Freude am Weihnachtsbaum

          • Vor dem Transport auf dem Autodach den Baum in Folie einschlagen, damit ihm der Fahrtwind kein Wasser entzieht.
          • Fichten harzen, deshalb eine Decke oder Folie in den Wagen legen. Nordmanntannen harzen nicht.
          • Baum an einen kühlen, sonnen- und windgeschützten Ort in einen Eimer Wasser stellen. Ein etwa zwei Meter hoher Baum benötigt bis zu zwei Liter Wasser am Tag.
          • Den Baum bis kurz vor dem Aufstellen im Netz belassen. So reduziert man seine Verdunstungsfläche und er bleibt frisch.
          • Den Baum einen Tag vor dem Schmücken aufstellen. Er braucht etwa so lange, um die Äste wieder in Position zu bringen.
          • Vor dem Aufstellen sollte der Baum idealerweise noch einmal frisch angeschnitten und auch danach immer mit ausreichend Wasser versorgt werden.

          Mehr Tipps zum Thema

          Meinen Baum schlage ich selbst

          von Maren Moster
          11.12.2025
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