
Mitte Januar. Die Weihnachtsdeko ist im Keller verschwunden, der Himmel ist seit Tagen bleigrau und die Laune kratzt hart am Gefrierpunkt. Bevor der Winterblues komplett kickt, hilft nur eins: Raus aus der Bude, rauf auf den Berg. Mein Ziel? Der „Lichterzauber“ in Bad Wildbad.
Schon am Start wird man nicht einfach nur abgefertigt, sondern von einem riesigen, leuchtenden Wolf begrüßt. Das Geländer? Komplett in Lichterketten eingewickelt. Man läuft also quasi auf einer Lichtspur direkt in den Wald.
Nach ein paar Metern taucht rechts ein Fuchs auf, weiter hinten checkt eine beleuchtete Eule die Lage. Und dann knallt es plötzlich: Wie aus dem Nichts taucht der Baumwipfelpfad auf. Einfach nur Wow! Mega! Der ganze Pfad ist eine einzige Lichtinstallation. Wir reden hier nicht von ein paar Birnchen: Rund 300.000 LEDs beleuchten die Strecke, verbunden durch etwa zehn Kilometer Kabel. Besonders sympathisch für die Öko-Bilanz: Der Energieverbrauch liegt dank LED-Technik nur bei etwa 4,1 kWh pro Tag – das ist weniger, als ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht.
Der Pfad schlängelt sich auf insgesamt 1.250 Metern Länge durch den Wald. Das Beste: Der Aufstieg geht fast wie von selbst, da die Steigung maximal sechs Prozent beträgt – barrierefrei ohne eine einzige Stufe. Man ist so damit beschäftigt, die Location zu scannen, dass man gar nicht merkt, wie man langsam auf bis zu 20 Meter Höhe über dem Waldboden steigt.
Oben auf dem 40 Meter hohen Aussichtsturm (der allein aus 1.100 Kubikmeter Holz besteht) wird es dann allerdings ein wenig ungemütlich: Es zieht ordentlich, Aussicht gibt’s bei der Dunkelheit keine, aber dafür ist das Licht-Setup im Inneren des Turms der Wahnsinn. In der Ferne erahnt man schon das nächste Highlight: Die Wildline.
Wieder unten angekommen, kurz am Shop und am Kiosk vorbei (Pommes und Fleischkäse gehen immer!), führt der Weg durch den beleuchteten Märchenweg direkt zur Hängebrücke.
Die Wildline bei Nacht ist eine ganz andere Hausnummer als tagsüber. Das Teil ist 380 Meter lang und spannt sich stolze 60 Meter hoch über den Abgrund der Bärenklinge. Das Besondere: Sie ist als einzige Brücke dieser Art in Europa in Bogenform nach oben gebaut. Man sieht das Ende also erst, wenn man schon ein Stück gelaufen ist. Die Brücke wird durch senkrechte Stäbe in wechselnden Farben beleuchtet. Und ja: Das Ding wackelt. Spektakulär? Definitiv. Einmal rüber, den Nervenkitzel mitnehmen, wieder zurück und ab Richtung Parkplatz.
Eigentlich wollte ich mir noch die 600 gelben und roten Sterne im Kurpark im Tal angucken, aber ich fürchte, das muss bis zum nächsten Mal warten. Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist – und so habe ich wenigstens einen perfekten Grund, ganz bald wiederzukommen. Da die Lichtinstallationen noch bis zum 16. Februar stehen, schaffe ich das locker. Bad Wildbad, wir sehen uns definitiv bald wieder!
Nach dem ganzen Lichter-Flash kommt am Ende dann ein kleiner Wermutstropfen: Der Parkautomat am Sommerberg kennt keine Gnade. Neun Euro für drei Stunden Parken – das reißt mich dann doch etwas aus der romantischen Schwarzwald-Trance. Doch auch da gibt es eine nachhaltigere Lösung: Die Hin- und Rückfahrt mit der Sommerbergbahn kostet acht Euro, der Familientarif liegt bei 18 Euro. Auch eine Möglichkeit: Online ein Wildline-Kombi-Ticket mit der Sommerbergbahn besorgen.
Mein Fazit lautet jedenfalls: Packt euch warm ein (Zwiebelprinzip!) – und gönnt euch diesen Trip. Er ist der perfekte Move gegen die Januar-Depri.


