
Draußen wird es weiß, drinnen bricht das Chaos aus: „Mama, Papa, es schneit!“ Die Aufregung ist grenzenlos, der Blick aus dem Fenster wird zum Event und die Frage kommt unweigerlich: „Können wir raus?“ Klar könnt ihr. Aber wo im Ländle liegt der Schnee wirklich? Und was braucht es für den perfekten Schneetag?
Die Schneelage ist eine Wissenschaft für sich – und als Eltern lernt man schnell, realistische von romantischen Erwartungen zu unterscheiden. Die Wahrheit ist: Nicht jeder Schnee ist gleich. Was im Schwarzwald mild als „Schneematsch“ belächelt wird, kann für Stuttgarter Familien der perfekte Wintertag werden. Es kommt nur darauf an, wohin ihr fahrt – und mit welchen Erwartungen.
Die schneesicheren Zonen finden sich vor allem im Schwarzwald ab 600 Metern Höhe. Aber auch der schwäbische Landesteil hat so seine schneesicheren Ecken und ist der Geheimtipp für alle, die nicht so weit fahren wollen. Rund um Sonnenbühl oder auf der Alb liegt oft überraschend viel Schnee – und die Rodelhänge sind perfekt für Anfänger. Vorteil: Von Stuttgart aus ist man in einer Stunde dort.
Rund um Schönwald, Schönbuch oder den Feldberg liegt oft schon Schnee, wenn’s im Tal noch matschig ist. Hier kann man mit einer gewissen Planungssicherheit rechnen – zumindest von Dezember bis Februar. Von Karlsruhe, Baden-Baden und weiter südlich Offenburg und Freiburg liegt der Schwarzwald quasi direkt vor der Haustür.
Und im Naturpark Stromberg-Heuchelberg zwischen Ludwigsburg und Heilbronn liegt zwar nicht oft Schnee, aber wenn, dann richtig. Die sanften Hügel sind ideal zum Rodeln, und die Landschaft ist so schön, dass sich auch ein Schneespaziergang lohnt.
Die Glückszonen – also im Sinne von Glück gehabt – sind alle anderen Regionen: Stuttgart, Mannheim und Umgebung. Hier ist Schnee ein echtes Ereignis, aber wenn er kommt, dann ordentlich. Die Kinder flippen aus und plötzlich wird jeder kleine Hügel zum Rodelparadies.
Feldberg-Region: Hier liegt meist ab Dezember was Ordentliches
Schönwald, St. Georgen, Villingen: Schneesicher und perfekt mit Kindern erreichbar
Gut, wenn: Ihr planbar rodeln wollt und nicht auf Wetterglück setzen möchtet
Rund um Sonnenbühl, Heubach: Wenn's schneit, dann richtig
Münsingen, Bad Urach: Weniger touristisch, mehr Platz zum Toben
Gut, wenn: Ihr spontan seid und näher zur Alb als zum Schwarzwald wohnt
Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim: Kann klappen, muss aber nicht
Gut, wenn: Die Kinder auch mal mit 3 cm Schneematsch glücklich sind (Spoiler: sind sie meistens!)
Nicht jeder Hang ist für jeden geeignet. Mit kleinen Kindern braucht ihr sanfte Hügel, überschaubare Auslaufzonen und am besten keine Bäume in Sichtweite.
Für Rodeleinsteiger …
... sind die Wiesen rund um Baiersbronn perfekt: sanft geneigt, weit einsehbar, mit Parkplätzen in der Nähe. Auch der Katzenbuckel im Odenwald bietet entspanntes Rodeln ohne Drama. Hier könnt ihr in Ruhe schauen, ob eure Dreijährige wirklich schon bereit für den Schlitten ist – oder doch lieber noch eine Runde Schneemann baut.
Für die Mutigen …
... gibt es die Hänge am Feldberg, Kandel oder rund um Todtnau. Hier wird es steil, schnell und aufregend. Größere Kinder werden diese Hänge lieben – vorausgesetzt, Eltern haben starke Nerven und den Kids gute Bremstechnik beigebracht.
Anfänger-Hänge (perfekt für 3 bis 8 Jahre)
Mehliskopf bei Baden-Baden: Breite Hänge, übersichtlich, Parkplätze nah
Dobel im Schwarzwald: Dorflift-Gegend, flach auslaufend
Kaltenbronn: Viele kleine Hügel zum Üben
Für Stuttgarter Familien sind die besten Rodelplätze der Birkenkopf (bei 10+ cm Schnee), der Killesberg (sanfte Hänge, perfekt für Kleine) und – wenn ihr 30 Minuten fahren wollt – die Hänge rund um Herrenberg.
Familien-Klassiker (alle Altersgruppen)
Todtnauer Wasserfall-Gegend: Verschiedene Schwierigkeitsgrade nebeneinander
Schönbuch bei Böblingen: Wenn Schnee liegt, herrscht hier Volksfeststimmung
Rund um Baiersbronn: Naturrodelhänge mit Hütten-Einkehr
Katzenbuckel, Odenwald: 750 Meter Rodelspaß für die ganze Familie
Für Adrenalin-Junkies (ab 10 Jahren)
Feldberg-Nordseite: Steil, schnell, nur für Geübte
Königstuhl bei Heidelberg: Wenn's mal richtig schneit, legendärer Hang
► Die schönsten Rodelhänge im Schwarzwald gibt's hier
Die Schlitten-Frage spaltet Eltern in zwei Lager: die Optimisten, die jedes Jahr einen neuen Rodel kaufen („Dieses Jahr wird bestimmt ein Schneewinter!“), und die Pragmatiker, die erst shoppen gehen, wenn der Wetterbericht Schnee verspricht.
Ausleihen ...
... macht vor allem dann Sinn, wenn noch nicht ganz klar ist, ob die Kids überhaupt Spaß am Rodeln haben. Bei Anfahrt mit den Öffentlichen oder mit einem kleinen Auto ist das Ganze natürlich auch eine Platzfrage. Viele Sportgeschäfte in Wintersport-Orten bieten Schlitten zum Verleih an. Der Vorteil: Man muss nichts schleppen und kann verschiedene Modelle ausprobieren. Oder ihr fragt bei Freunden nach, die schon einen haben.
Kaufen ...
... lohnt sich, wenn ihr in schneesicheren Gebieten wohnt oder regelmäßig dorthin fahrt. Ein einfacher Holzschlitten für 30 bis 50 Euro reicht völlig. Plastikbobs sind günstiger, aber auf hartem Schnee schwieriger zu steuern, außerdem sind sie schneller kaputt und weniger nachhaltig.
Schlitten kaufen lohnt sich, wenn:
Ausleihen/improvisieren, wenn:
Geheimtipp: Große Müllsäcke + Schneeanzug = funktioniert überraschend gut!
Kennt ihr das? Ihr habt die perfekte Schnee-Tour geplant, steht am Berg – und es regnet. Der Schnee verwandelt sich in eine graue, unappetitliche Masse, die Kinder gucken vorwurfsvoll.
Jetzt braucht es einen Plan B. Viele Sommerrodelbahnen im Schwarzwald laufen auch im Winter (außer bei Eis). Indoor-Skiing ist noch nicht in Baden-Württemberg angekommen – leider. Also macht man eben das Beste draus: Matschspielplatz statt Schneemann. Manchmal sind die ungeplanten Abenteuer sowieso die schönsten. Oder wie wäre es denn mit einer spontanen Rutschpartie auf dem Eis?
► Die schönsten Schlittschuhbahnen in Baden-Württemberg haben wir hier aufgelistet
Seien wir ehrlich: Die Pinterest-perfekten Winteroutfits sind eine Illusion. Echte Schnee-Eltern wissen, dass es nicht um den Look geht, sondern um Funktionalität. Zwiebelprinzip ist der Freund – und Wechselklamotten im Auto die Rettung.
Ein Tipp aus der Praxis: Handschuhe am besten im Doppelpack kaufen. Der erste geht garantiert in den ersten zehn Minuten verloren. Und wasserdichte Handschuhe sind Gold wert – nasse, kalte Kinderhände bedeuten das Ende jedes Schneeausflugs – und im Ernstfall sogar noch eine Woche „Spaß“ mit erkältetem Kind zuhause.
Ab wie viel Schnee macht Rodeln wirklich Spaß?
Etwa fünf Zentimeter sollten es schon sein, damit der Schlitten richtig gleitet und nicht an jedem Grashalm hängen bleibt. Für den Schneemann-Bau reichen schon drei Zentimeter – wenn der Schnee die richtige Konsistenz hat.
Wo parken, wenn alle dasselbe Ziel haben?
Plant früh am Tag zu fahren – um 9 Uhr sind die Parkplätze meist noch frei. Alternative Parkplätze vorab googeln lohnt sich. Und packt warme Sachen für den eventuell längeren Fußweg ein.
Was anziehen ohne die Daunen-Explosion?
Softshell-Jacken sind oft praktischer als dicke Winterjacken – eure Kinder können sich besser bewegen und schwitzen weniger. Wichtig: wasserdichte Schuhe und eine Mütze, die auch beim Toben auf dem Kopf bleibt.
Wann ist die beste Zeit für Schneeausflüge?
Vormittags ist der Schnee oft noch pulvriger, nachmittags wird er durch die Sonne schwerer, aber auch formbarer für Schneemänner. Nach 14 Uhr wird es meist zu matschig für entspanntes Rodeln.
Was gehört in die Schneetag-Notfallausrüstung?
Warmer Tee in der Thermoskanne, Wechselhandschuhe, ein kleiner Snack und – ganz wichtig – eine wasserdichte Sitzunterlage für die Pause. Nichts ist schlimmer als ein nasser Po bei minus fünf Grad.
Übrigens: Der perfekte Schneetag endet meist mit durchgefrorenen Eltern, überglücklichen Kindern und heißer Schokolade zu Hause. Manchmal sind es genau diese chaotischen, kalten, wunderbaren Tage, an die sich alle noch Jahre später erinnern.
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